Age of Empires 2 HD

Age of Empires 2 HD Review

Review

Völkerwanderung

Knapp 14 Jahre nach dem Erscheinen von Age of Empires 2: The Age of Kings hat Publisher Microsoft den Echtzeitstrategie-Klassiker neu aufgelegt: Am Spielprinzip und allem, was den Klassiker schon 1999 groß gemacht hat, wurde nichts geändert. Stattdessen hat man lediglich versucht, die Grafik aufzubohren und dem Spiel eine höhere Auflösung zu verpassen. Das ist allerdings manchmal mehr Fluch als Segen; vor allem weil das Spiel auch heute noch Spaß macht, die Präsentation die Freude aber gelegentlich merklich trübt.

Age of Empires 2 brilliert vor allem dank der großen Vielfalt an Völkern. Zwar spielen sich alle Fraktionen grundsätzlich gleich und haben, abgesehen von einigen unterschiedlichen Technologien und Spezialeinheiten, das beinahe gleiche Gebäude- und Einheitenarsenal zu ihrer Verfügung. Aber wer sich an der Kampagne des Spiels versucht, wird sich bald schon über die zahlreichen Nationen und ihre viele Kampagnenmissionen freuen. Außerdem haben alle Einheiten eigene Sprachsampels bekommen, sodass euch eure Untertanen in der landestypischen Sprache antworten.

Insgesamt 5 Kampagnen stehen euch in Age of Empires 2 zur Verfügung, in denen ihr in die Rolle verschiedener Nationalhelden schlüpfen könnt: So könnt ihr als Johanna von Orléans auf der Seite Frankreichs im Hundertjährigen Krieg kämpfen, den Freiheitskampf von William Wallace miterleben, mit Dschingis Khan und den Mongolen reiten und den Kreuzzug ins Heilige Land begleiten, einmal aufseiten der Christen in Person von Friedrich I., besser bekannt als Barbarossa, und als Verteidiger mit dem Feldherren Saladin. Doch darüber hinaus liegt die Stärke des Spiels in den Multiplayer-Gefechten oder dem Spiel gegen den Computer, in dem ihr euch auf wahlweise vorgefertigten oder zufallsgenerierten Karten austoben könnt.


Errichte ein Königreich

Ihr beginnt in den meisten Fällen mit eurem Volk im Dunklen Mittelalter, der ersten der insgesamt vier Epochen des Mittelalters. Hier stehen euch zunächst nur einfache Gebäude und krude Militäreinheiten zur Verfügung. Und auch in Sachen Forschung sieht es hier noch recht düster aus. Deshalb solltet ihr eure Dorfbewohner sogleich an die Arbeit schicken, damit ihr genug Ressourcen für einen schnellen Aufstieg in das nächste Zeitalter zusammenbekommt. In Age of Empires 2 gibt es insgesamt vier verschiedene Ressourcen, die abhängig von der jeweiligen Epoche unterschiedlich stark benötigt werden. Da wäre zunächst einmal die Nahrung, die ihr zum Ausbilden fast aller Einheiten benötigt. Gleichzeitig ist die Ressource in Sachen Gewinnung auch die vielseitigste, denn ihr könnt eure Vorräte durch das Sammeln von Beeren, das Erlegen von Wild, das Fischen an Seen und Flüssen oder die Schlachtung von Schafen auffüllen. All diesen Möglichkeiten ist allerdings gemeinsam, dass sie endlich sind; wer also alle Schafe erlegt oder alle Beeren gesammelt hat, steht ohne Nachschub da. Besser sieht es dagegen aus, wenn ihr im späteren Spielverlauf Felder errichtet und Landwirtschaft betreibt. Diese verfügen zwar ebenfalls nur über eine begrenzte Menge an Nahrung, können aber problemlos erneuert werden. Dazu benötigt ihr allerdings den zweiten Rohstoff im Spiel: Holz. Dieser ist die Grundlage aller Gebäude und vieler Erweiterungen und Technologien. Eure Dorfbewohner hacken im Laufe einer Partie ganze Wälder nieder, was nicht nur für mehr Bauplatz sorgt, sondern auch die Laufwege verlängert, da Wälder in Age of Empires 2 nicht nachwachsen und ihr daher immer nach neuen Baumgruppen suchen müsst. Das ist allerdings auf den wenigsten Karten ein Problem. Da tut man als Herrscher gut daran, immer wieder neue Holzfällerlager zu errichten, um die Strecken so kurz wie möglich zu halten. Gleiches gilt auch für Steine und Gold, die nur an bestimmten Stellen der Karte vorkommen. Sobald diese Vorräte abgetragen sind, müsst ihr mit euren Arbeitern weiterziehen und einen neuen Steinbruch suchen.


Mobilmachung

Sind die wichtigsten Gebäude errichtet und vielleicht noch einige Mauern zur Verteidigung hochgezogen, könnt ihr euch an das Ausheben einer eigenen Armee machen. Die Einheiten werden in Age of Empires in verschiedenen Gebäuden ausgebildet: Die Kaserne stellt Infanterie zur Verfügung, während Reiter in Stallungen und Bogenschützen am Schießstand rekrutiert werden können. Und wer sich schweres Gerät zulegen möchte, kann zudem noch eine Werkstatt errichten, die dann Belagerungswaffen wie Rammen und Katapulte bereitstellt.

Zu Beginn ist die Anzahl an verfügbaren Einheiten freilich noch recht überschaubar: Wer im Dunklen Zeitalter Soldaten braucht, musst auf keulenschwingende Krieger und einfache Bogenschützen setzen. Erst durch das Erreichen weiterer Zeitalter und die kontinuierliche Forschung bekommt ihr Zugriff auf bessere Soldaten. So werden aus den nur mit Knüppeln bewaffneten Milizeinheiten bald Schwertkämpfer, Bogenschützen werden zu Armbrustschützen und Reiter zu Ritten bzw. später Paladinen. Zusätzlich zu den regulären Einheiten, die fast allen Zivilisationen in gleichem Maße zur Verfügung stehen, gibt es aber auch noch Spezialeinheiten, die sich von Volk zu Volk unterscheiden. So führen die Briten, historisch korrekt, mit den Langbogenschützen eine überlegene Fernkampfeinheit ins Gefecht, während die Japaner Samurai ausbilden und die Byzantiner auf Gepanzerte Reiter setzen können. Diese Spezialeinheiten werden dann auch nicht in den normalen Truppengebäuden, sondern in der Burg ausgebildet. Diese lässt sich erst im späteren Spielverlauf errichten und dient, neben seiner Funktion als Produktionsgebäude, auch als Abwehreinrichtung, denn sobald sich feindliche Einheiten nähern, regnet von den Zinnen ein wahrer Pfeilhagel auf diese herab. Zudem sorgt die hohe Anzahl an Hitpoints dafür, dass die Burg von normalen Einheiten fast nicht zu knacken ist; nur mit schwerem Gerät oder den gefährlichen Trebuchet lassen sich diese Kolosse beseitigen.

Allein diese Beispiel verdeutlicht, dass Armeen in Age of Empires stets gut ausgewogen zusammengesetzt sein sollten, denn das Spiel setzt konsequent auf das Schere-Stein-Papier-Prinzip. Dadurch gibt es keine Einheit, die übermächtig wäre, denn mit dem richtigen Gegenpart lässt sich eine noch so große Gruppe eines Einheitentyps schnell schlagen. Wer nur Nahkampfeinheiten sein Eigen nennt, wird mit den Fernkämpfern des Gegners Probleme bekommen. Diese wiederum lassen sich mithilfe von Plänklern oder der Kavallerie ausschalten, wobei Letztere gegen Lanzenträger oder Pikeniere chancenlos sind. 

Damit in eurem bunten Einheitenhaufen kein all zu großes Chaos entsteht, bietet euch das Spiel über die erweiterten Optionen einige Formationen, in denen ihr eure Einheiten organisieren könnt. Auf diese Weise könnt ihr beispielsweise sicherstellen, dass die Nahkämpfer vor den verwundbaren Fernkämpfern angeordnet sind und die Belagerungswaffen stets im Hintergrund bleiben. Zudem könnt ihr eure Armee auch in Formation marschieren lassen; dann ist sie zwar nur so schnell wie die langsamste Einheit, was im Gegenzug aber auch bedeutet, dass alle Einheiten zeitgleich eintreffen und nicht schnelle Reiter vorpreschen, während langsame Katapulte erst eintreffen, wenn der Kampf schon vorbei ist.


Augen auf beim Basisbau

Das Roden von Wäldern bringt euch nicht nur jede Menge dringend benötigte Rohstoffe, sondern auch Probleme mit sich. Da Wälder in Age of Empires 2 für Einheiten unpassierbar sind, können sie dazu genutzt werden, die eigene Basis in bestimmte Richtungen vor Angriffen zu schützen. Zwar können Fernkampfeinheiten wie Bogenschützen oder Katapulte immer noch darüber hinwegfeuern; aber eine große Armee muss dieses Hindernis trotzdem zunächst einmal umgehen. Wer nun aber diese natürliche Barriere abholzt, öffnet damit seine Verteidigungslinie. Das kann vor allem dann schnell geschehen, wenn man seine Arbeiter unbeaufsichtigt lässt und sich selbst anderen Dingen widmet. Dann stets der Gegner plötzlich in der eigenen Siedlung und brandschatzt nach Lust und Laune. 

Wer eher defensiv spielen möchte, kann deshalb Mauern und Verteidigungstürme hochziehen. Auf diese Weise lassen sich ganze Landstriche absperren, die aber dank eines Tors für die eigenen Einheiten immer noch passierbar bleiben. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn ihr den Sieg nicht durch Eroberung, sondern beispielsweise durch den Bau eines Weltwunders erringen wollt. Diese Bauwerke sind immens teuer und brauchen lange, bis sie vollendet sind; zudem werden alle Spieler automatisch über den Beginn bzw. die Fertigstellung des Baues informiert. Dafür beginnt dann aber auch ein Countdown, nach dessen Ablauf der Besitzer des Weltwunders zum Sieger erklärt wird. Freilich werdet ihr euch dann den Angriffen aller Spieler ausgesetzt sehen, denn nur durch die Zerstörung des Bauwerks kann der Countdown gestoppt werden. 


Es ist nicht alles Gold...

Age of Empires 2 ist, das muss man dem Spiel umunwunden zugestehen, würdevoll gealtert. Das Spielprinzip hat nichts von seinem Reiz verloren, das Einheitenbalancing ist einigen aktuellen Titeln überlegen und es macht immer noch Spaß seine eigene Armee über die Karte zu schicken und die Gegnerische Siedlung dem Erdboden gleichzumachen. Zudem ist das Spieltempo deutlich geringer, als beispielsweise in Echtzeitstrategie-Spielen wie StarCraft 2; wer also weniger auf hektik stet, findet ihr eine sehr gute Alternative.

Einzig in Sachen Grafik ist das Spiel natürlich nicht mehr taufrisch. Zwar haben die Entwickler die Grafik von Age of Empires 2 HD etwas aufzupolieren, allerdings hat das bei Weitem nicht nur positive Effekte. Durch die höhere Auflösung vergrößert sich zwar der einsehbare Bildausschnitt, weshalb man nun größere Teile des Schlachtfelds sieht. Gleichzeitig verkommen Einheiten zu winzigen Figuren, die sich in größeren Gruppen fast nicht mehr auseinanderhalten lassen. Zudem gibt es keine Zoomfunktion. Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn man seine Einheiten einzeln Steuern möchte; beispielsweise beim Versuch sie in ein Transportschiff einzuladen. Wer aber mit diesem Manko leben kann, bekommt ein immer noch sehr gutes und unterhaltsames Echtzeitstrategie-Spiel, das es mit aktuellen Konkurrenten aufnehmen kann.



Über den Autor
Matthias | Editor/Redakteur

Matthias kennt sich aus in Sachen Browsergames. Sein fundiertes Fachwissen über jede Menge Action und spannende Abenteuer im Browser gibt er auf Corsual zum Besten!


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