Angry Birds Stella Review

Billiger Abklatsch oder gelungene Fortsetzung? Wir haben Angry Birds Stella getestet und dabei gefühlt eine Million Schweine vernichtet.

Angry Birds Stella Review

Bewährtes in einem neuen, pinken Gewand

Es kommt in der bunten Spielewelt ja nicht selten vor, dass Entwickler erfolgreiche Ideen kopieren und für eigene Produkte nutzen. Interessanter wird das Ganze immer dann, wenn ein Entwickler anfängt sich selbst zu klonen. Dafür gibt’s Beispiele zu Hauf, die einen mehr, die anderen weniger erfolgreich. Rovio aus Finnland gehört zweifelsohne zu den erfolgreichen Vertretern. Die Nordlichter haben mit Angry Birds, das zunächst als kostenpflichtiges PC-Spiel erschienen war, buchstäblich den Vogel abgeschossen. Mittlerweile ist die Marke so berühmt, dass das Studio vermutlich mehr mit Merchandise als mit den Angry-Birds-Spielen an sich verdient – wobei: Da gab es ja mal die Umstellung aufs Free-to-Play-Modell. Im vergangenen Jahr erklärte Rovio, nur noch kostenlos spielbare Titel veröffentlichen zu wollen, in denen es dann natürlich reichlich Möglichkeiten für In-App-Käufe gibt. Mit Angry Birds Go ist inzwischen ein Racing-Spiel im Mario-Kart-Stil für Smartphones und Tablets erschienen, im Sommer dann Angry Birds Epic, das erste Rollenspiel mit den zornigen Vögeln. Angry Birds Stella läuft nun wieder nach dem Motto "Back to the Roots": Per Steinschleuder wirbeln wir bunte Vögel durch die Luft und versuchen, frechen Schweinen das Grinsen aus der feisten Visage zu ballern.

 

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Back to the Roots: Stella und die alte Steinschleuder

Das simple Spielprinzip der Spiele-Reihe ist ein Erfolgsgarant. Hat man einmal begriffen, wie’s funktioniert, kommt man so schnell nicht davon los. Mit Angry Birds Stella steht nun erstmals die rosa Vogelfrau Stella im Mittelpunkt des Geschehens. Als Spieler verschlägt es uns auf die idyllische Südseeinsel Golden Island, Stellas alter Heimat. Hier liegt leider einiges im Argen. Eine frühere Freundin, Gale, hat eine schlimme Charakterentwicklung genommen und ist sozusagen auf die dunkle Seite der Macht gewechselt – vermutlich gibt’s da besseres Vogelfutter. Sie führt jedenfalls die grüne Schweinebande an, die ihr bestimmt schon aus früheren Spielen der Reihe kennt. Nun ist es zum Äußersten gekommen: Im Auftrag von Gale hat eines der Schweine Stellas Fotoalbum gestohlen. Darin befanden sich ganz viele tolle Schnappschüsse von den Vogelfreunden, und diese Bilder gilt es im Spiel zurückzuerobern. Jetzt ist Schluss mit lustig!

Angry Birds Stella Levelübersicht

Um alle Fotos einzusammeln, wandern wir von Level zu Level und von Episode zu Episode durch eine witzige und farbenfroh gestaltete Spielwelt über die Baumkronen von Golden Island. Zunächst startet Stella alleine ins Abenteuer. Das Spielprinzip ist genau das gleiche wie in vorherigen Angry-Birds-Spielen, abgesehen von den oben genannten Ausnahmeerscheinungen Angry Birds Go, Angry Birds Epic oder dem kürzlich erst erschienen Action-Sidescroller Angry Birds Transformers. Unsere Aufgabe besteht in jeder Runde darin, die grünen Schweinsköpfe, die sich unter verschiedenartigen Barrikaden befinden, zu besiegen. Besiegen heißt: direkt abschießen oder die umliegenden Konstruktionen so stark zu beschädigen, dass sie die darunter befindlichen Schweine erschlagen. Nur wenn alle Feinde erledigt sind, ist das Level gewonnen und wir wandern zur nächsten Station weiter.


Vögel sammeln und Skills geschickt nutzen

Je weiter wir in Angry Birds Stella kommen, desto mehr geflügelte Freunde finden wir, die uns fortan auch als schweinebekriegende Luftgeschosse zur Verfügung stehen. Jeder Vogel hat eine besondere Fähigkeit, die es taktisch klug gegen die Feinde einzusetzen gilt. Während zum Beispiel die einen besonders effektiv Glaskonstruktionen zerstören, prallen andere über mehrere Ecken ab oder durchschießen sogar eigentlich undurchdringliche Barrikaden wie Bäume. Nur wenn es uns gelingt, mit den wenigen vorhandenen Vögeln pro Runde alle Schweine zu erwischen, meistern wir das jeweilige Level.

Angry Birds Stella Level nicht geschafft

Nun gibt es wie in allen free-to-play Spielen Hilfsmittel, die uns das Leben in Angry Birds Stella erleichtern. Beispielsweise haben wir die Möglichkeit, uns zusätzliche Vögel zu kaufen, wenn wir mit den verfügbaren partout nicht auskommen. Das kostet uns Münzen, die Ingame-Währung. Die goldenen Taler wiederum sammeln wir automatisch beim Spielen. Mitunter steigen ein paar einzelne Münzen auf, wenn wir erfolgreich Schweine aus den Baumkronen pusten. Außerdem erhalten wir größere Menge des Zahlungsmittels in jeder Episode als besondere Belohnung. Mit den Münzen sollten wir gut haushalten, denn wenn wir sie zu übermütig ausgeben, ist schnell Schicht im Schacht. Auch nach jeder Episode besteht nämlich die Option, Münzen zu investieren. Ist eine Episode vorbei, macht sich finsterer Rauch breit, der uns den Weg in die nächste Episode versperrt. Erst nach einigen Stunden verzieht er sich wieder. Um diese Wartezeit zu überspringen, können wir Taler ausgeben. Das tun wir natürlich nicht – und siehe da: Nach ein paar Episoden sinkt die Wartezeit tatsächlich wieder von fünf auf "nur" noch drei Stunden.

Angry Birds Stella neue Episode freischalten


Wozu denn noch Werbung?

Es gibt tatsächlich ziemlich schwierige Runden, in denen wir ohne Zusatz-Vögel kaum eine Chance haben. Immerhin besteht die Möglichkeit, die Münzen gratis anzuhäufen, insofern sparen wir uns die Taler einfach auf für schlechte Zeiten. Dann ist es auch möglich, Angry Birds Stella wirklich kostenlos zu spielen, also ohne Geld für Extra-Münzen auszugeben. Neben vielen Zahlungsmöglichkeiten wie den eben angesprochenen gibt es auch noch Werbung – und das ist schon eine recht aufdringliche Kombination. Dennoch: Ein Abzocke-Spiel ist Angry Birds Stella nicht. Wir können, anders als zum Beispiel in fast allen Spielen von King (siehe Candy Crush Soda Saga oder Diamond Digger Saga) so oft hintereinander spielen wie wir möchten und dabei sammeln wir so viele Münzen, dass wir es uns durchaus hin und wieder leisten können, Extra-Vögel zu rekrutieren, um super-schwere Level zu schaffen.

Angry Birds Stella Level

Ob Angry Birds Stella ein abwechslungsreiches Spiel ist oder nicht, kommt ziemlich auf die Sichtweise an. Einerseits tun wir die ganze Zeit über das gleiche: mit Vögeln auf Schweine schießen. Andererseits variieren die Leveldesigns stark und neue Vögel kommen auch hin und wieder dazu. Wer im Besitz echter Angry-Birds-Spielfiguren ist, der kann sogar mittels Telepod-Technologie weitere Charaktere ins Spiel bringen, indem er die Figuren einscannt. Otto-Normal-Verbraucher wird wohl mit dem auskommen müssen, was das Mobilegame hergibt – und das sind folgende Vögel (in der Reihenfolge, in der wir sie freischalten):

Name Fähigkeit
Stella Kann einmal abprallen und so auch an schwer erreichbare Stellen gelangen. Wo sie zum zweiten Mal einschlägt, wächst kein Gras mehr.
Poppy Kann in der Luft gestoppt werden. Wenn wir ihn loslassen, bohrt er sich wie eine Schraube senkrecht nach unten und zerstört dabei (fast) alles, was ihm in den Weg kommt.
Luca Ein Gesangsmeister, der mit Schallwellen gläserne Konstruktionen zerbersten lässt. Er hat eine enorme Reichweite und kann umfangreiche Konstruktionen in sich zusammenkrachen lassen.
Willow Wirbelwind Willow rollt durch die Luft und vollführt dabei regelrechte Loopings, wenn wir ihn lange genug festhalten. So erreichen wir auch schwer erreichbare Schweine, die sich in Baumkronen verstecken.
Dahlia Sie hat eine große Reichweite und die besondere Fähigkeit, für andere Vögel undurchdringliche Barrikaden zu durchschlagen. Sie fliegt aber immer in Blickrichtung, daher ist gutes Timing wichtig.

 

Angry Birds Stella Dahlia im Anflug


Unser Eindruck nach etlichen Stunden Spielzeit

Mag nach Phrasen-Drescherei klingen, aber: Wenn ihr die klassischen Angry Birds mögt, dann lohnt sich auch ein Blick auf Angry Birds Stella. Rovio holt das altbewährte Spielprinzip raus und versetzt euch in eine neue Szenerie, die liebliche Insel Golden Island. Der einzige wirklich negative Aspekt, der uns beim Spielen aufgefallen ist, betrifft die nervige Werbung. Es gibt nun echt genug Möglichkeiten, Geld im Mobilegame auszugeben, auch ohne dass zwischendurch dauernd Werbevideos aufpoppen, die wir nicht wegklicken können. Ansonsten funktioniert alles reibungslos und stabil. Die Schweine sind frech und lustig wie immer, die Vögel bieten neue Fähigkeiten, die auch eingefleischte Fans der Reihe erstmal meistern müssen. Die Level sind mitunter sehr knifflig, letztendlich aber immer zu schaffen, wenngleich ihr ein wenig Geduld mitbringen solltet. Alles in allem stellen wir fest, dass Angry Birds Stella kein Spiel ist, auf das die Welt mit großer Dringlichkeit gewartet hat, aber wer sich dazu entschließt, einen Blick zu riskieren, wird sich lange gut unterhalten fühlen.

Angry Birds Stella Fotobuch


Angry Birds Stella
Pro
Schöne Grafik mit lustigen Animationen
Bewährtes Spielprinzip souverän umgesetzt
Abwechslungsreiche Level-Designs
Contra
Zu viel Werbung zusätzlich zu zahlreichen In-App-Kaufoptionen
Schwierige Level müssen sehr oft wiederholt werden, was schnell ermüdend wirkt
3 / 5

Über den Autor
Jennifer | Redakteurin

Jennifer ist eine Casual-Spielerin auf Hardcore-Niveau. Sie mag vor allem Aufbauspiele im Browser (alte Gewohnheiten wird man ja schlecht los), zockt inzwischen aber auch fast jedes Mobilegame, das neu erscheint. Am liebsten Puzzle- und Rätselspiele. Oder was mit Tieren. Hauptsache bunt.


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