Battlefield: Hardline Test / Review

Die Macher von Dead Space präsentieren ihre ganz eigene Variante der populären Shooter-Reihe von DICE.

Die Kampagne

Seit den Anfängen mit Battlefield 1942 steht die Shooter-Serie vom schwedischen Entwickler DICE für fulminante Mehrspieler-Schlachten mit verschiedensten Vehikeln auf riesigen Karten. Wer alleine spielen wollte, der musste sich mit Bots begnügen, denn eine Kampagne hielt man eher für unnützes Beiwerk. Doch mit dem Siegeszug der Konsolen und dem steigenden Einfluss des Publishers EA änderte sich das und nun bekommen wir mit jedem neuen Teil der Serie auch immer einen mehr oder weniger ausgefeilten Einzelspieler dazu. Wirklich überzeugen konnten diese Ausflüge bisher selten und viele Fans kaufen die Spiele nach wie vor nur wegen des Mehrspielers, aber EA hält weiter an den Kampagnen fest. Mit dem neuen Battlefield: Hardline geht man nun sogar noch einen Schritt weiter und gibt die legendäre Serie in die Hände eines anderen Studios.

Natürlich handelt es sich dabei nicht um irgendeinen Entwickler, sondern um das namhafte Team von Visceral Games, die in der Vergangenheit vor allem mit der Dead Space-Serie für Aufsehen sorgten. Bei Hardline handelt es sich daher auch um ein Spin-Off, dass hier und da etwas andere Ansätze verfolgt. Die auffälligste Änderung ist dabei der Wechsel vom militärischen Hintergrund zum städtischen Kampf der Polizei gegen Verbrecherbanden. Unter dieser Prämisse will Visceral Games die typischen Markenzeichen eines Battlefield mit neuen Ideen verbinden und so vielleicht auch ein paar neue Spieler locken.

Gerade bei der Kampagne waren die Erwartungen im Vorfeld relativ groß, denn in der Vergangenheit war ja genau das die Stärke des Studios und im Vergleich zu so mancher Kampagne früherer Battlefields konnte es ja fast nur besser werden. Im Fokus der Geschichte steht diesmal ein junger Polizist namens Nick Mendoza, der zwar nicht unbedingt sehr vielschichtig präsentiert wird, aber im Laufe der Geschichte etwas interessanter wirkt als all die stereotypen Soldaten der Vorgänger. Das liegt vor allem an den teilweise doch recht gelungenen Dialogen, die nicht ausschließlich aus abgedroschenen Onelinern und aufgesetzter Coolness bestehen. Die Synchro kann sich zumindest auf Englisch auch durchaus hören lassen, wobei man das von einem solchen Blockbuster auch erwarten darf. Gleiches gilt auch für die visuelle Umsetzung der verschiedenen Charaktere, die dank Motion Capture und detaillierten Modellen zum Leben erweckt werden.

Doch all das ändert nichts daran, dass auch Hardlines Geschichte die meiste Zeit die Klischee-Checkliste abarbeitet und daher selten komplexer wirkt als eine Folge CSI. Eine Parallele zu TV-Serien ist außerdem der Aufbau in Kapiteln, die immer mit dem typischen „was bisher geschah“ anfangen und mit einer Vorschau auf die nächste Mission enden. In diesem Stil kämpft ihr euch also durch die Missionen und werdet dabei Zeuge, wie Mendoza als Officer beim Miami Police Department beginnt und schließlich zum Soldaten im Drogenkrieg wird.

Die Rolle als Polizist wirkt sich auch entsprechend auf die Spielmechanik aus und lässt euch immer mal wieder auf den Einsatz der Waffe verzichten. Nicht jeder Gangster ist bereit, sich in ein möglicherweise tödliches Feuergefecht mit euch verwickeln zu lassen und lässt sich lieber von euch verhaften. Im Vergleich zu Spielen wie SWAT 4 oder I am Alive ist die Mechanik der Entwaffnung und Verhaftung allerdings doch etwas unspektakulär und nur leidlich spannend. Während solche Aktionen dort stets eine große Gefahr darstellten, braucht ihr euch in Battlefield: Hardline kaum Sorgen zu machen. Doch das ist leider nicht die einzige Schwäche dieser Mechanik, denn ihr werdet auch nicht bestraft, wenn euch das Verhaften zu lästig ist und ihr lieber mit einem Schalldämpfer Kopfschüsse verteilt.

Damit ihr trotzdem versucht, der gute Polizist zu sein, gibt es eine Art Levelsystem, das euch für ordentliche Polizeiarbeit belohnt. Durch das markieren von Feinden mit Hilfe eures Smartphones, das Sammeln von Beweismaterial und das bereits erwähnte Verhaften von Verbrechern steigert ihr also euren Rang. Das passt auch zum allgemeinen Aufbau der Missionen, die eher an die Außenposten eines Far Cry 4 als an die Kampagnen eines Call of Duty oder Battlefield 4 erinnern. Es ist kein echter Stealth-Titel, aber ihr geht vorsichtiger vor als in manch anderem Shooter und sondiert zunächst die Lage. Durch das Markieren könnt ihr Gegner auch durch Wände hindurch beobachten und die Alarmsysteme im Auge behalten. Wenn ihr euch dann einen Überblick verschafft habt, liegt es letztendlich bei euch, ob ihr euch lautlos durch das Areal schleichen und nebenbei Leute ausschalten wollt oder doch lieber im Stile von Rambo gleich die Waffen sprechen lasst. Wirklich herausfordernd wird es dabei jedoch selten, was insbesondere an der oftmals durchwachsenen Intelligenz der Bösewichte liegt. Wenn sie auf Patrouille sind, lassen sie sich meist recht leicht überraschen und verhaften oder mit einfachsten Tricks in eine Falle locken. Im alarmierten Zustand sieht das hingegen ganz anders aus. Eine Herausforderung der anderen Art sind die wenigen Fahrsequenzen, die zwar eigentlich super zur Cop-Thematik passen, aber an der unausgegorenen Steuerung leiden.

Auch wenn die Kampagne von Battlefield: Hardline sowohl bei der Story als auch in Sachen Gameplay ihre Schwächen hat, merkt man dem Spiel positiv an, dass hier ein Team am Werk war, dessen Fokus schon immer auf dem Einzelspielermodus lag. Die Online-Schlachten werden aber weiterhin das Aushängeschild der Serie bleiben.


Der Mehrspieler-Modus

Die thematische Neuausrichtung hat auch vor dem Mehrspieler-Modus nicht halt gemacht und geht sogar so weit, dass mancher Fan der Serie diesen Teil nicht so ganz als offizielles Battlefield akzeptieren will. Bevor ihr jetzt aber in Panik ausbrecht, sei gesagt, dass es trotzdem Spaß macht und die typischen Merkmale der Serie noch größtenteils vorhanden sind. Es sind vielmehr die Details, mit denen nicht jeder Spieler glücklich sein dürfte. Für die meisten Spieler dürfte der Knackpunkt vor allem bei den Karten liegen, denn die hat man nun in die Innenstadt verlegt und zum Teil deutlich verkleinert. Vehikel gibt es zwar nach wie vor, aber diese spielen eine etwas andere Rolle als noch zu vor. Das liegt vor allem daran, dass ihr in Battlefield: Hardline auch mit etwas anderen Klassen unterwegs und somit auch ein Stück weit weniger flexibel seid.

Problematisch wird das insbesondere dann, wenn ihr mal eines der Vehikel ausschalten wollt. Da die Granatwerfer zumeist nur wenig Wirkung zeigen, müsst ihr erst eine RPG bzw. SMAW auf der Karte aufsammeln oder an einem Vehikel anbringen, um richtig Kleinholz zu machen. Was ja noch okay wäre, aber in diesen Momenten seid ihr ziemlich wehrlos, denn der Raketenwerfer wird zu eurer einzigen Waffe. Erst wenn ihr das Teil wegwerft und eine andere Waffe aufsammelt, könnt ihr wieder gegen andere Infanteristen vorgehen. Das bedeutet, dass ihr in den meisten Fällen Deckung von euren Mitspielern braucht, wenn ihr euch um Helis und Fahrzeuge kümmern wollt. Auf diese Weise werden die Vehikel im Conquest-Modus sogar noch mächtiger als im klassischen Battlefield, wo man auch im Panzer jederzeit vom Fußvolk zerlegt werden kann. Im Hotwire-Modus stellen die Vehikel selbst die zu erobernden Zonen dar, was die Sache nicht besser macht.

Der Blood Money-Modus ist im Grunde eine Art Capture the Flag mit nur einer Flagge. Im Zentrum steht ein Berg Bargeld und das müsst ihr in eure Basis bringen, wobei ihr euch auch noch beim Geld der Gegner bedienen könnt, wenn ihr das Risiko eingehen wollt. Auch nehmen die Fahrzeuge wieder eine gewisse Vormachtstellung ein, wobei es hier weniger negativ auffällt. Mit echtem Teamwork kann Blood Money jede Menge Spaß machen, aber auf öffentlichen Servern ist oftmals das Gegenteil der Fall.

Doch zum Glück hat Battlefield: Hardline auch noch ein paar Modi zu bieten, die weniger dem klassischen Gameplay nachhängen und genau dann ist es am besten. An vorderster Front ist das der Heist-Modus, der im Kern ein typisches Angreifer gegen Verteidiger Szenario bietet. Auf jeder Karte gibt es zwei Objekte, welche durch die Polizei geschützt werden. Die Kriminellen müssen sich diese schnappen und anschließend mit einem Heli entkommen. Das ist nicht unbedingt neu, aber dank Frostbites Zerstörungs-Feature werden die Stellungen langsam zerlegt, so dass ihr eure Vorgehensweise immer wieder anpassen müsst. Die Veränderungen erreichen zwar nicht die Ausmaße von Battlefield 4, aber sie verleihen dem Modus mehr Tiefe.

Die anderen Modi dürften Fans von Valves Shooter-Legende Counter-Strike bekannt vorkommen, denn Rescue erinnert stark an die Geiselmissionen und Crosshair entspricht dem altbekannten VIP-Modus. Das geht so weit, dass nicht nur 5 gegen 5 gespielt wird, sondern man nach dem Ablegen sogar bis zum Rundenende warten muss. Anders als in CS wird das Verschanzen aber mit der Zeit immer schwerer, denn die Wände werden immer löchriger, ehe sie zum Seitenwechsel wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Crosshair ist hingegen wirklich fast identisch mit der VIP-Eskorte. Es macht auch hier Spaß, den VIP, der nur mit einer Pistole ausgestattet ist, zum Zielgebiet zu schleusen, aber es ist weder neu noch hat es irgendwie mit Battlefield zu tun.

Die großen Startprobleme sind übrigens ausgeblieben und die Server laufen vom ersten Tag relativ gut. Auch die Trefferabfrage ist in Hardline von Beginn an nahezu einwandfrei, so dass ihr euch auf das Spiel konzentrieren könnt und nicht wieder mit den Eigenheiten des Netzcode zu kämpfen habt. Das Handling der Waffen fühlt sich, wie gewohnt, gut an und gerade in den Modi Abseits der Battlefield-Klassiker zeigt Hardline seine Stärken, aber ob das reicht, um euch von Battlefield 4 wegzulocken, muss wohl jeder selbst entscheiden.


Battlefield Hardline
Pro
leichte Schleich-Elemente
gute Ideen (aber nicht konsequent umgesetzt)
relativ problemloser Start
Contra
Vehikel teils zu wichtig
Böse Cops werden nicht bestraft
Viele Klischees in der Story
4 / 5

Über den Autor
Roberto | Redakteur

Roberto begann seine Videospiel-Karriere mit dem SEGA Mega Drive und seit seinem ersten Kontakt mit Sonic und Co. sind Videospiele ein fester Bestandteil seines Lebens. Er hat eine besondere Schwäche für die Indie-Szene und experimentelle Spiele, die sich nicht den üblichen Genre-Konventionen unterwerfen.


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