Blackguards 2 Test / Review

Das Hamburger Studio Daedalic wagt sich erneut ins Strategie-RPG-Genre und präsentiert einen konsequent verbesserten Nachfolger.

Screenshot Blackguards 2 Lavatempel

Die Rückkehr der Blackguards

Vor ziemlich genau einem Jahr erschien Blackguards, mit dem sich Daedalic zum ersten Mal an einem Strategie-RPG versuchte. Das Genre-Debüt machte zwar vieles richtig, aber es hatte auch ein paar Schwächen und darum begann das Team direkt nach der Veröffentlichung mit den Arbeiten an einem Nachfolger. Der soll nun die guten Eigenschaften beibehalten und den Rest sinnvoll verbessern. Ob das geklappt hat, lest ihr in unserem Test.


Altes System, neue Geschichte

Als Basis dient natürlich auch in Blackguards 2 wieder die legendäre Rollenspielwelt von Das schwarze Auge, die man ja auch schon mit mehreren Adventures bedacht hatte. Die Geschichte handelt von einer Dame namens Cassia, die in einem dunklen Kerker gefangen ist. Ihre einzigen Kameraden sind die Finsternis und die Spinnen, auch Corupias genannt. Leider sind die Spinnen aber giftig und so wird sie allmählich wahnsinnig. Der Wunsch nach Rache wird ihr einziger Antrieb und als sie schließlich doch der Gefangenschaft entkommen kann, sucht sie sofort nach Gefährten, die ihr dabei zur Hand gehen können. Dabei trifft sie auch auf die Helden des Erstlings, denen inzwischen der Ruhm ein wenig zu Kopf gestiegen zu sein scheint. Am Ende stellt sie eine bunte Truppe aus Söldnern zusammen, die vom bierbäuchigen Zwerg bis zum selbstverliebten Zauberer alles zu bieten hat, was Fantasy-Fans sich wünschen.

Insgesamt ist die Geschichte rund um Cassia, ihre Psyche und den damit verbundenen Rachefeldzug zwar nicht übermäßig komplex, aber doch spannend und recht abwechslungsreich inszeniert. Einen Teil erzählt man über vertonte Seiten eines Buches, die vor allem der Einstimmung und Nachbereitung für die Schlachten dienen. Dann gibt es auch noch die zahlreichen Gespräche zwischen den Charakteren, die nicht nur gut synchronisiert wurden, sondern durch die Eigenarten der Figuren auch immer wieder interessant sind. Besondere Erwähnung verdient hierbei auch die Tatsache, dass ihr regelmäßig Entscheidungen treffen müsst, die sich dann auch auf den Verlauf der Geschichte auswirken.


Auf festen Pfaden wandeln

Kommen wir mal zum Gameplay, das im Grunde aus drei Teilen besteht: Schlachten, Städte und die Oberwelt. Letztere dient natürlich der Reise zwischen den vielen Schauplätzen und erinnert dabei ein wenig an klassische JRPGs, wobei man hier sogar noch etwas weniger Optionen hat. Statt die Welt frei zu erkunden seid ihr auf feste Routen beschränkt, denen ihr per simplem Mausklick folgt. Die Oberwelt dient also eher als hübsches Auswahlmenü für die einzelnen Schlachten.

Mit den einzelnen Orten verhält es sich ähnlich, denn beschränken sich, ganz im Stile alter Rollenspiel-Klassiker, auf einen einzigen Bildschirm. Durch Gassen wandern und die Geheimnisse der Stadt lüften? Eher nicht, denn auch die Orte sind im Prinzip nur sehr schön anzuschauende Menüs. Hier durchwühlt ihr euer Inventar, rüstet eure Charaktere für kommende Abenteuer und treibt mit den Bewohnern fleißig Handel. Für letzteres gibt es insgesamt drei verschiedene Anlaufstellen. Vom Schmied, der euch mit den besten Rüstungen und Waffen versorgt, über den Alchemisten, der für magische Tränke und dergleichen spezialisiert ist, bis hin zum einfachen Händler, der neben Verbrauchsgütern wie Pfeilen und Fallen auch günstigere Waffen sowie Rüstungen anbietet. Außerdem finden sich in den Ortschaften auch noch Lehrer, die euch im Austausch gegen AP mit neuen Fähigkeiten ausstatten oder eure vorhandenen Skills verbessern. Davon gibt es übrigens jede Menge. Sie sind in verschiedene SKILL-Typen eingeteilt und bieten jeweils noch mal eine Reihe von Unterfähigkeiten.


Flotter und intuitiver: die Kämpfe

Die Kämpfe finden wie gehabt rundenbasiert statt, wobei das Schlachtfeld in hexagonale Felder eingeteilt ist, die bestimmen, wie ihr agieren könnt. Dieses Spielbrett legt sich dann mehr oder weniger dezent über die eigentliche Spielwelt und wird insbesondere dann sichtbar, wenn ihr aktiv werdet. Der Aufbau variiert dabei von Schlacht zu Schlacht und führt euch in Schlangenlinien von A nach B oder eröffnet euch zum Beispiel in einer Arena viel Raum zum taktieren. Kisten, Schalter, Brücken und vieles mehr bieten außerdem zahlreiche Möglichkeiten zur Interaktion und bringen so noch mehr Taktik ins Spiel. Im Kampf gegen Banditen, Monster und Co. sind die richtige Strategie und gute Kenntnis eurer Kämpfer natürlich entscheidend. So müsst ihr u.a. die unterschiedlichen Reichweiten von Waffen und Fähigkeiten genauso beachten wie die Art des Gegners, denn die besitzen auch verschiedene Resistenzen sowie individuelle Schwächen und Stärken. Auch die Im Vergleich zum Vorgänger präsentiert sich das Kampfsystem schneller und auch etwas intuitiver, ohne jedoch an Tiefe zu verlieren.


Die Technik

Optisch macht auch Blackguards 2 wieder eine gute Figur und die Handschrift von Daedalic ist klar erkennbar. Wie auch schon bei den Adventures setzt man die DSA-Welt eher ein wenig düster in Szene und nutzt viele dunklere Farben. Außerhalb von Gefängnissen und Höhlen sowie bei den diversen Zaubern kommen aber auch oft genug bunte Farben ins Spiel, die das Gesamtbild auflockern. Technisch reißt man keine Bäume aus und eine frei justierbare Kamera wäre schön gewesen, aber innerhalb des Genres muss sich Blackguards 2 sicher nicht verstecken. Dafür sorgen auch viele kleine Details wie etwa Charaktere, deren Aussehen sich mit der Ausrüstung verändert. Der Soundtrack ist zwar kein Highlight, macht seine Sache aber doch ganz gut.


Fazit

Wer schon den Erstling gespielt hat, der bekommt mit Blackguards 2 also einen konsequent verbesserten Nachfolger mit frischer Geschichte. Genre-Profis fühlen sich stellenweise vielleicht etwas unterfordert, aber dafür dürften sich auch Neulinge recht schnell zurechtfinden. Daedalic darf sich also gerne noch öfter außerhalb des Adventure-Genres austoben.


Blackguards 2
Pro
verbessertes, intuitiveres Kampfsystem
interessante Charaktere
schöne Präsentation
Contra
etwas zu leicht für Genre-Veteranen
4 / 5

Über den Autor
Roberto | Redakteur

Roberto begann seine Videospiel-Karriere mit dem SEGA Mega Drive und seit seinem ersten Kontakt mit Sonic und Co. sind Videospiele ein fester Bestandteil seines Lebens. Er hat eine besondere Schwäche für die Indie-Szene und experimentelle Spiele, die sich nicht den üblichen Genre-Konventionen unterwerfen.


comments powered by Disqus