Call of Champions Vorschau

Noch in diesem Jahr soll das free-to-play Spiel Call of Champions erscheinen. Die Entwickler kündigen ein mobiles MOBA mit frischen Ideen an.

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Von MMORPGs zum MOBA

Die texanische Spieleschmiede Spacetime Studios hat sich auf die Entwicklung von RPG-Mobilegames spezialisiert. Im Portofolio des Developers findet ihr unter anderem Arcande Legends (ein Fantasy-MMORPG), DARK Legends (ein Horror-MMORPG) und Star Legends (ein Sci-Fi-MMORPG). Alle diese Spiele bauen auf der gleichen Engine auf. Zugegeben, auch wenn das Geschehen dieser Titel in einem unterschiedlichen Setting tobt, so ähneln sie sich wegen der zugrundeliegenden Spielmechaniken doch sehr. Der kommende Titel der Spacetime Studios, den die Entwickler das erste Mal im Februar dieses Jahres vorgestellt hatten, nimmt sich dagegen eines gänzlich anderen Genres an. In Call of Champions dreht sich alles um rasante und schnelle Gefechte zwischen rivalisierenden Spielerteams. PvP-Action steht in diesem MOBA, wie das bei dieser Art der Multiplayer-Games so üblich ist, absolut im Fokus. Call of Champions soll noch dieses Jahr als free-to-play Titel für Android- und iOS-Geräte erscheinen. Schauen wir doch mal, was wir schon jetzt darüber sagen können.


Wie viele Helden sind genug?

Zur Veröffentlichung sollen den Spielern 20 unterschiedliche Helden zur Auswahl stehen. Typischerweise besitzt jeder von ihnen seine eigene Hintergrundgeschichte und beherrscht darüber hinaus verschiedene Fähigkeiten, die ihr meistern müsst, um eurem Team mit tödlicher Perfektion den Sieg über die Kontrahenten zu bescheren. In Zukunft dürfte der Pantheon der Helden von Call of Champions um weitere Vorkämpfer wachsen - sonst wäre das doch eine arg überschaubare Anzahl. Im Moment sind alle dazu aufgerufen, auf der offiziellen Webseite des Spiels ihre Favoriten aus gut 40 verschiedenen Persönlichkeiten auszuwählen. Die 20 beliebtesten könnt ihr zum offiziellen Release direkt spielen. Die Übrigen werden natürlich nicht verworfen. Spacetime Studios hat bekannt gegeben, dass die übrigen Champions zu einem späteren Zeitpunkt in die Arena einziehen.

Call of Champions Tempel der Powerups

An Referenztiteln wie League of Legends oder Dota 2 gemessen, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt beide mit über 120 Helden ankommen, erscheint die Auswahl von 20 Charakteren, trotz der Tendenz die Riege in naher Zukunft weiter aufzustocken, auf den ersten Blick recht mager. Besteht aber wirklich die Dringlichkeit, in einem Mobile-MOBA wie Call of Champions Helden im dreistelligen Bereich aufzustellen? Vainglory, ebenfalls ein mobiler Brawler, begnügt sich gegenwärtig mit gerade mal 14 Helden. Seien wir mal ehrlich, für ein Spiel, in dem sich das Aufeinandertreffen der Kontrahenten in gerade mal fünf Minuten abspielt, sind 20 Helden beziehungsweise die für irgendwann angepeilten 40 genau richtig und sollten auch Hardcore-Spielern die nötige Abwechslung bieten. Wobei natürlich auch der Einwand richtig ist, dass mehr Helden auch mehr strategische Spieltiefe fördern.

Unbestritten ist, dass MOBAs zu den hektischsten Spielen da draußen gehören. Während sich zahlreiche Helden die Köpfe einschlagen, schwirren irgendwo dazwischen noch die Minions beziehungsweise Creeps herum. Zu Gunsten der Übersicht und des Spielflusses komprimierten die Entwickler von Call of Champions nicht nur die Heldenauswahl und die Map, sondern trennten sich auch von diesem Feature. Das mag das Geschehen übersichtlicher machen, dadurch fallen aber zwangsläufig weitere Elemente weg, die ihr aus anderen Genre-Vertretern kennt. Beispielsweise das Gold-Sammeln durch Minion-Kills oder die Möglichkeit, die kleinen Creeps als Schutzwall gegen schießende Türme zu nutzen.


Call of Champions - Eine ruhige Kugel schieben? Nicht hier!

Anstatt der Minions hält ein anderes Element Einzug in Call of Champions. Die Entwickler tauften das kugelrunde Ding auf den Namen "Orb of Death" (Kugel des Todes). Um der feindlichen Basis Schaden zuzufügen, müssen die Teams dieses Gebilde entlang einer Bahn, die einmal komplett um das ganze Spielfeld verläuft, in Richtung des feindlichen Stützpunktes schieben. Auf den ersten Blick wirkt es ein wenig, als müsstet ihr eine Sprenglandung in die Basis eures Gegenübers befördern. Bei den Abwehrtürmen, die heranstürmende Feinde unter Beschuss nehmen, machen die Entwickler keine Abstriche. Ganz im Gegenteil, durch den Einsatz des Orbs, gewinnen sie an zusätzlicher strategischer Bedeutung. Wird der Orb vor einem der Türme in Stellung gebracht, so erzielt der Turm einen größeren Schaden und verschafft somit dem Team einen zusätzlichen Vorteil im Kampf gegen die Kontrahenten.      

Call of Champions Kugelschieben leicht gemacht

Zusätzliche Spannung soll durch das dynamische Zusammenspiel der einzelnen Klassen Call of Champions aufkommen. Dadurch, dass insgesamt fünf Klassen vorhanden sind, aber immer nur drei Spieler ein Team stellen, müssen sich die Mitglieder auf neue Taktiken einigen, da nicht jede Klasse im Team vertreten ist. Beispielsweise dürfte eine Gruppe, die aus zwei Tanks und einem Krieger besteht, verständlicherweise ganz anders agieren als ein Team, in dem ein Magier, ein Assassine und Tank kämpfen. Zusätzlich können die Champions ihre Power-ups mit ihren Waffenbrüdern teilen. Die Booster findet ihr auf der Map, sie gewähren euch unter anderem Boni auf Angriff, Verteidigung und Geschwindigkeit. Gelingt es euch, einen Feind zu erschlagen, der ein Power-up bei sich führt, könnt ihr es direkt aufheben und für euch nutzen. Direkt im Mittelpunkt der Map befindet sich ein Schrein. Positioniert ihr euren Helden in diesem Schrein für fünf Sekunden, profitieren eure Teamkameraden ebenfalls von den Bonus. Der fällt nicht genauso hoch aus wie eben noch bei eurem Charakter, sondern wird bei allen drei Mitgliedern, euch inklusive, noch weiter gesteigert. Die Möglichkeit, seinen Mitstreitern Boni angedeihen zu lassen, ist eine spannende Komponente, die in Call of Champions für zusätzliches Gemenge auf der Map sorgen dürfte. Zum einen sind die Teams damit beschäftigt, den Orb in Richtung der gegnerischen Basis zu schieben und liefern sich bereits währenddessen einen heftigen Schlagabtausch. Zum anderen müssen feindliche Helden davon abgehalten werden, in den Schrein zu gelangen und dort für fünf Sekunden zu verweilen. Schließlich könntet ihr sonst in wenigen Sekunden deutlich stärkeren Gegner gegenüberstehen.


Rauflustige Chaoten im Cel-Shading-Look

Die grafische Aufmachung von Call of Champions macht in den bereits veröffentlichten Videos und Screenshots einen soliden Eindruck. Alle Helden könnt ihr leider noch nicht bewundern, zumindest nicht in Action. Auf der offiziellen Webseite findet ihr schon die wichtigsten Infos zu allen Kämpfern und die passenden Konzeptbilder. Das Design der Charaktere ist überzeichnet und besitzt bei einigen Helden einen besonders starken Zeichentrick-Einschlag. Nun ja, Geschmackssache! Das Terrain auf dem Spielfeld sieht wie handgemalt aus, während die Champions einen typischen Cel-Shading-Look aufweisen und sich durch eine hauchdünne, schwarze Konturlinie angenehm von der Kulisse abheben. Auf diese Weise verlieren sie sich nie im Hintergrund, sondern sind immer gut im Blick, was natürlich gerade bei kleinen Bildschirmen, wie denen von Smartphones nie verkehrt ist. Trotz der deutlich sichtbaren Kontur wirken sie aber nie wie ein Fremdkörper.

Call of Champions Cell-Shading-Look Heroes


Unser erster Eindruck von Call of Champions

Call of Champions soll voraussichtlich Ende 2015 erscheinen. Das halbe Jahr haben wir ja schon fast um, so gesehen fällt die Wartezeit nicht mehr gar so lang aus. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht Spacetime Studios kurze Videos auf Youtube, in denen die Entwickler einzelne Spielaspekte von Call of Champions näher beleuchten. Auf diese Weise könnt ihr euch zumindest schon mal ein kleines Bild von dem kommenden Spiel machen. Die Frage, die sich natürlich stellt, ist: Inwiefern kann ein MOBA auf einem kleinen Display, wie dem eines Smartphones oder Tablets, Spaß machen und die übliche MOBA-Zielgruppe für sich begeistern? Damit nicht unnötig viel Hektik auf dem Spielfeld entsteht und alles in einem unüberschaubaren Chaos versinkt, reduzieren die Entwickler die Teams auf drei Spieler pro Seite und verzichten zudem auf die Minions. Im Gegenzug integrieren sie den Orb of Death, der auf jeden Fall neugierig macht. Die kurze Spielzeit von lediglich fünf Minuten verspricht, genau die richtige Zeitspanne für kurze und intensive Gefechte zu sein. Eingefleischte MOBA-Kämpfer könnten die Auswahl der Helden in Call of Champions kritisieren, die auf den ersten Blick recht mager erscheint. Auf der anderen Seite ist fraglich, ob eben jene eingefleischten Genre-Fans überhaupt für einen Mobile-Vertreter zu haben sind. Unterwegs spielen ist schwierig, weil eine stabile Internetverbindung unabdingbar ist. Zuhause aber wiederum wartet der PC mit den dort installierten Download-MOBAs - warum also die App wählen? Immerhin versuchen die Entwickler neue Wege einzuschlagen und sich von der Masse abzuheben. Womöglich erreicht man damit auch noch keine Die-Hard-PC-Gamer, aber vielleicht erschließt sich ja eine ganz neue Zielgruppe, die sich an Gelegenheitsgefechten in der Arena erfreuen kann.



Über den Autor
Silvio Wagner | Redakteur

Silvio liebt alles, was auch nur ansatzweise mit Strategie zu tun hat. Zur Abwechslung stürzt er sich aber auch gerne mal in MMORPGs wie Tribal Wars 2.


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