Cities: Skylines Test / Review

Mit Cities: Skylines bekommen Fans des virtuellen Städtebaus endlich wieder einen würdigen Genre-Vertreter.

Screenshot Cities Skylines Wolkenkratzer

Besser als SimCity?

Die SimCity-Fans durchleben gerade eine wirre Zeit. Der letzte Teil der Reihe war für viele eine einzige Enttäuschung, was nicht nur am durchwachsenen Gameplay, sondern auch an dem aufgesetzten Onlinezwang lag, den Maxis wohl wegen EA eingebaut hatte. Die Quittung dafür gab es schließlich in Form von Shitstorms und mäßigen Verkäufen. Statt nun aber einfach einen besseren Nachfolger zu entwickeln, hat man sich bei EA kurzerhand dazu entschlossen, bei Maxis in Emeryville den Stecker zu ziehen. Damit geht gewissermaßen eine Ära zu Ende, doch mit Cities: Skylines steht schon ein neuer Anwärter auf den Genre-Thron bereit.

Der finnische Entwickler Colossal Order, der bereits mit der Cities in Motion-Serie ein wenig in den SimCity-Gefilden wilderte, hätte für die Veröffentlichung seiner Städtebau-Simulation also keinen besseren Zeitpunkt wählen können. Doch das Spiel profitiert nicht einfach nur von dem Vakuum, das Maxis und das letzte SimCity hinterlassen haben, sondern überzeugt mit einer rundum gelungenen Simulation, wie sie Genre-Fans so lange vermisst haben. Schon in den ersten Stunden mit Cities: Skylines merkt man, dass sich die Entwickler sehr genau angesehen haben, was bei SimCity nicht so gut lief und was die Fans eigentlich erwarten. Ganz oben auf ihrer Checkliste standen dabei offenbar drei Dinge: Der Verzicht auf störende Onlinefesseln, die Integration eines mächtigen Editors und wirklich umfangreiche Karten. Gerade was letzteres anbelangt zeigt man den Veteranen von Maxis was möglich ist und bietet den Spielern einen enormen Freiraum. Es gibt jede Menge Karten, die nicht nur mit verschiedenen Terrains und Gegebenheiten zum experimentieren einladen, sondern wirklich ausschweifende Landschaften bieten. Im Gegensatz zu den bescheidenen Gebieten von SimCity seid ihr hier wirklich dutzende Stunden beschäftigt, bevor ihr auch nur ansatzweise die maximale Größe eurer Stadt erreicht habt. Dabei müsst ihr euch den Großteil der Fläche natürlich erst verdienen, denn weitere Baugebiete gibt es nur gegen (virtuelles) Geld.

Von der Kleinstadt zur Metropole

Der Anfang unterscheidet sich eigentlich kaum von anderen Spielen des Genres und das ist auch nicht verkehrt, denn es erleichtert euch auch den Einstieg. Mit wenigen Mausklicks beginnt ihr damit, die ersten Straßen zu ziehen, ein Stromnetz zu bauen und die Wasserversorgung zu sichern. Ist das geschafft, dann siedeln sich schon bald die ersten Menschen in eurer kleinen Stadt an und ihr könnt zusehen, wie die Gebäude aus dem Boden schießen. Ein gewisses Maß an Planung ist natürlich auch schon in dieser frühen Phase des Spiels nötig, denn immerhin legt ihr hier den Grundstein für eine zukünftige Metropole. Selbige besteht eben nicht nur aus Wohnhäusern, Strommasten und Wasserleitungen, sondern setzt sich aus einer ganzen Reihe von Strukturen, Gebäuden und Dienstleistungen zusammen.

Im Kern sind das neben den Wohngebieten vor allem die Bereiche Industrie, Business und Transport bzw. Infrastruktur. Diese stehen natürlich alle in direkter Verbindung zueinander, so dass ihr beim Bau der verschiedenen Bereich immer auch unterschiedlichste Faktoren beachten müsst. Die Industrie ist zwar wichtig für die Wirtschaft der Stadt, aber gleichzeitig ist sie auch eine Belastung für die Umwelt und alle umliegenden Wohngebiete. Die Gewinnung von Energie ist ebenso wichtig, aber auch mit Problemen verbunden, die euch ohne die richtige Planung irgendwann in große Schwierigkeiten bringen können. Ganz zu schweigen von Dingen wie der medizinischen Versorgung oder der Müllentsorgung, die ebenfalls zu eurem Aufgabengebiet zählen. All diese Elemente müssen in ein Gleichgewicht gebracht werden, bei dem eure Bewohner zufrieden und in Sicherheit leben und arbeiten können und zugleich die Umwelt nicht zu stark belastet wird.

Viel zu tun

Das klingt zwar zunächst nach viel anstrengendem Micromanagement, stellt sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase als das Gegenteil heraus. Die Entwickler haben ein sehr durchdachtes und zugleich reduziertes Interface geschaffen, mit dem ihr zwar zu jeder Zeit volle Kontrolle über die großen und kleinen Aspekte des Städtebaus habt, euch aber zugleich nie in einem Dschungel aus Symbole, Zahlen und Anzeigen verirrt. Ob ihr nun ein neues Stadtgebiet an das Stromnetz anschließen, eure Einwohner mit einem umfangreichen U-Bahnnetz beglücken oder die Müllentsorgung optimieren wollt, die Steuerung steht euch dabei zu keiner Zeit im Weg. Alles geht schnell und intuitiv von der Hand, so dass ihr euch auf die Planung konzentrieren könnt und euch nicht zu lange mit der Umsetzung aufhalten müsst. Der Bau von Gebäuden und Services ist selbstverständlich eure Hauptaufgabe, aber Cities: Skylines gibt euch noch eine Reihe weiter Optionen, auf das Leben eurer Bewohner einzuwirken. Mit den Richtlinien könnt ihr zum Beispiel das Recycling in eurer Stadt fördern oder kostenlose Rauchmelder verteilen, um die Brandgefahr noch weiter zu reduzieren. Zu guter Letzt wären da auch noch die Steuern, die am Ende des Tages dafür sorgen, dass in eurer Stadt alles seinen Gang geht. Wie ihr die Steuern verteilt bleibt dabei völlig euch überlassen und so könnt ihr gezielt die Schwächeren entlasten und die wohlhabenden Bezirke stärker zur Kasse bitten.

Spielerisch ist Cities: Skylines zweifellos einer der bislang rundesten Vertreter des Genres. Es gibt genug Spieltiefe, um euch auch langfristig zu beschäftigen und gleichzeitig wird es nie übermäßig kompliziert oder umständlich, wie es bei so manch anderer WiSim der Fall ist. Die Technik steht dem in nichts nach und macht einen einwandfreien Job. Sicher, es gibt Spiele, die schöner sind, mehr Details und aufwändigere Effekte bieten, aber auch Cities: Skylines kann sich durchaus sehen lassen. Die Grafik ist flüssig, ihr könnt nahtlos rein und raus zoomen und in einer großen Stadt ist jede Menge los. Der Look erinnert allerdings ein wenig an Spielzeug oder Modellbau, was sicher nicht jedem zusagen wird.

Zugegeben, nach der Enttäuschung von SimCity sind die Erwartungen etwas gesunken, aber Cities: Skylines ist einer der besten Titel des Genres und könnte in den kommenden Jahren zum inoffiziellen Erben der SimCity-Reihe werden.


Cities: Skylines
Pro
Gute Steuerung
Große Karten
Detailreiche Simulation
Mods via Steam Workshop
Contra
Keine Katastrophen
Keine Simulation von Tageszeit, Wetter und Jahreszeiten
4 / 5

Über den Autor
Roberto | Redakteur

Roberto begann seine Videospiel-Karriere mit dem SEGA Mega Drive und seit seinem ersten Kontakt mit Sonic und Co. sind Videospiele ein fester Bestandteil seines Lebens. Er hat eine besondere Schwäche für die Indie-Szene und experimentelle Spiele, die sich nicht den üblichen Genre-Konventionen unterwerfen.


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