Crysis 3

Crysis 3 Review

Review

Ein Wiedersehen mit alten Bekannten

Crysis 3 ist der neue Anlauf von Entwickler Crytek, Shooter-Fans mit der Kombination aus kurzweiliger Sci-Fi-Action und prächtiger High-End-Grafik in Ekstase zu versetzen. Der dritte Teil der dezent futuristischen Saga kehrt mit der gewohnten grafischen Wucht auf den PC, PS3 und XBox 360 zurück. Gerade auf dem PC erwartet euch bislang unerreichter Umgebungs-Realismus, den man mittlerweile von der Serie erwartet. 


Wir erwachen in nicht allzu ferner Zukunft - 2047 wird der Protagonist Prophet von einem alten Weggefährten aus dem Kälteschlaf erweckt, um nach jahrelanger Zwangspause den vertrauten Widersachern einzuheizen. Schon in den Vorgängern zu Crysis 3 hat Prophet die Bedrohung der Erde durch die Alienrasse Ceph erfolgreich eingedämmt. Im Kampf gegen die Invasoren ist er zudem den finsteren Machenschaften einer irdischen Organisation auf die Spur gekommen:  Die C.E.L.L. verfolgen im Schatten der außerirdischen Attacke ihren eigenen Plan von der Weltherrschaft. Im finalen Kapitel der Trilogie unterstützt ihr die Rebellen dabei, C.E.L.L. und die Ceth erneut zurückzuschlagen.


Streifzüge durch den urbanen Dschungel

Crysis 3 lenkt euch auf abwechslungsreiche Pfade, mal führt euch der Shooter durch verwinkelte Höhlen oder Einrichtungen der C.E.L.L., mal durch weitläufige Außenareale. Eine unvergessliche Kulisse ist sicher das verfallene, von der Natur zurückeroberte New York, das wie alle anderen Megastädte inzwischen von einer monumentalen Glaskuppel überspannt wird. New York ist verlassen und gleicht inzwischen mehr einem echten Urwald als dem weltbekannten Großstadtdschungel. Wildtiere, Wasserläufe und Vegetation fügen sich zu einer visuell beeindruckenden Inszenierung einer gefallenen Metropole. Zudem ist die schon aus Teil 2 vertraute Stadt der stetige Kampfschauplatz zwischen C.E.L.L.-Einheiten und den Aliens. Auf Mission werdet ihr öfters unbeteiligter Zeuge von Schlachten zwischen den Parteien; dann könnt ihr entweder von dem Chaos profitieren oder zwischen die Fronten geraten. Ihr selbst habt nur eins im Sinn, nämlich die Erde weiterhin vor beiden Aggressoren zu beschützen.


Crysis 3 gibt euch meistens den Freiraum, neue Spielgebiete ohne merkliche Einschränkungen zu erkunden und füllt die Level auch abseits der Wegpunkte von Hauptmissionen mit kleinen Extras wie Waffendepots oder Storyfetzen, manchmal schaltet ihr so auch Nebenziele frei. Nur ein Beispiel: Rettet ihr eine versprengte Gruppe Widerstandkämpfer, werden sie sich später mit explosivem Einsatz revanchieren. 


Übermensch mit kurzer Akkulaufzeit

Was euch in Crysis schon immer in die Lage versetzt hat, vernichtenden Widerstand zu leisten, ist euer Nano-Suit. Den hat nicht jeder - als eines der wenigen überlebenden Mitglieder einer experimentellen Eliteeinheit 'Raptor' habt ihr den Suit inzwischen ausgiebig im Feld getestet. Das technische Wunderwerk gewährt euch Fähigkeiten auf dem Niveau eines Superhelden: Sprinten und Springen wie ein Gepard, Tarnen wie ein Chamäleon, die Widerstandskraft eines Elefanten oder die Stärke eines Bären - im Grunde legt der Anzug eine alte Idee neu auf - im futuristischen Gewand. Ein Knopfdruck, und Ihr hechtet und sprintet mit ungeheurer Geschwindigkeit, werft eure Gegner im Nahkampf meterweit und bleibt von Kugeln unbeeindruckt - solange der Akku mitspielt.


Die Dauer des Fähigkeiten-Boosts wird über den Energieverbrauch bestimmt, den der aktivierte Suit euren Batterien abzapft. Ohne Saft fährt euer Anzug herunter und ihr steht bis zur Regeneration der Energie ohne Nano-Extras da. Das zwingt zu dynamischer Verwendung des Anzugs, also energieschonender Kurzaktivierung der gerade hilfreichsten Spezialfähigkeit. Euer Suit lässt sich nach eigenen Vorstellungen geringfügig ausbauen, um seine Stärken an euren Stil anzupassen. So kommt ihr etwa an einen Vorgeschmack auf Googles Datenbrille, denn mit aktiviertem Visor werden direkt im Sichtfeld geortete Bedrohungen und ansonsten verborgen gebliebene Ausrüstung markiert. Zudem dürft ihr eure Umwelt manipulieren, um so Minen zu entschärfen oder automatische Geschütze in euren Dienst zu stellen. Die Story taucht diesmal sogar tiefer in die bislang kaum hinterfragen Mysterien des mächtigen, aber korrumpierenden Prototypen ein.


Der Nano-Anzug ist also das spielprägende Feature, aber ohne Waffenarsenal wäre Crysis 3 kein Shooter - auch hier darf man den gängigen Genre-Vorlieben frönen. Trotz Zukunft setzt das Spiel überwiegend auf Projektilwaffen, im Verlauf des Spiels kommen mal Schrotflinten, mal schwere Maschinengewehre, mal Präzisionsgewehre zum Einsatz. Waffen tauscht ihr On-The-Go aus, ihr könnt euer gerade geschultertes Gewehr jederzeit gegen die im Level gebunkerten Exemplare auswechseln. Ein Exemplar könnt ihr pro Waffengröße mitschleppen und durch den stetigen Munitionsmangel ermuntert euch Crysis stetig dazu, zwischen den Kalibern zu wechseln. Als kleine Besonderheit kommt der Teiletausch im Feld daher, ihr dürft eure Waffe direkt im Feld mit verfügbaren Modifikationen anpassen, Zielfernrohre und Schalldämpfer aufschrauben oder mit Granatwerfer schmücken. Später im Spiel reizen die erbeuteten Alienwaffen den Sci-fi-Aspekt etwas mehr aus.


Als leiser Bogenschütze im Krieg der Welten

Mit C.E.L.L. laufen euch zumeist hochgerüstete menschliche Eliteeinheiten vor die Flinte. Im Vormarsch gegen die technologisch geprägten Ceth bekommt ihr es aber mit ganz anderen Gegnertypen zu tun, die euch schnelles Schalten abverlangen: Klingenbewehrte Metallbiester, feuerspeiende Panzerspinnen und Drohnen, die eure Technik mit EMP lahmlegen, die Aliens machen euch das Überleben schwer - insbesondere wenn die Einheiten kombiniert auftreten. Dazu kommen einzigartige Bossfights, die dem Spieler etwas Strategie abverlangen. 


Auf Feindkontakt könnt ihr verschieden reagieren, mit Tarnung und Defensiv-Boost stehen euch nämlich zwei mächtige, aber fürs Gameplay grundsätzlich verschiedene Offensiv-Modi offen. Im Tarnmodus erkundet und kämpft ihr auf leisen Sohlen, schickt unachtsame Wachen mit Messer oder Würgegriff schlafen oder lasst lautlose Pfeile fliegen: Euer Kompaktbogen ist die passende Fernwaffe, die euch getarnt feuern lässt und das Schicksal eures Ziels oft mit einem Pfeil besiegelt. Allerdings sind die Pfeile und die Austausch-Spitzen Kostbarkeiten, die man nach Abschuss immerhin wieder aufsammeln darf. 


Geht man Crysis 3 in dieser Weise an, fühlt man sich beinahe wie der übermächtige Predator aus der gleichnamigen Filmreihe. Der zeitweise Boost eurer Panzerung macht euch dagegen zum praktisch unaufhaltsamen Terminator, sodass ihr auch einer Übermacht offen entgegentreten könnt. Wenn ihr Soldaten und Geschütze so dezimiert, müsst ihr die Verstärkungen einberechnen, die die C.E.L.L.-Söldner unter Feuer per Funk alarmieren. Man kann Gegner auch ganz umgehen und den Einsatz von Gewalt bis hinunter zum Gesamtverzicht reduzieren.


Allein ohne Längen oder endloser Multiplay

Das Spiel verläuft linear im Hinblick auf den siebenteiligen Hauptstrang der Handlung, aber offen im Hinblick auf die Erkundung der Gebiete und der Bewältigung der zu erledigenden Aufgaben. Auch mit abgedeckten Nebenmissionen und Erkundung wird einen der Singleplayer nicht ewig beanspruchen, der Großteil der Spieler wird Crysis 3 in unter 8 Stunden durchstehen - ein üblicher Zeitrahmen für moderne Egoshooter. Dafür bekommt man einen Zeitvertreib ohne Längen, der nicht nur die epischen Ausmaße eines Sci-fi-Actioners hat, sondern auch das grafisch derzeit mögliche zur Vollendung demonstriert.


Dazu kommen dann eine ganze Reihe Multiplayer-Modi mit dem Potenzial für unzählige Spielstunden. Die konventionellen Shooter-Szenarien stehen bereit, beginnend bei Deathmatch-Varianten und Capture-the-Flag. Mit an Bord sind aber auch einige Modi, die mehr auf die Gameplay-Eigenheiten von Crysis 3 eingehen. Im Modus 'Jäger' versucht eine Gruppe normaler Soldaten eine Zeitspanne zu überleben, während zwei Supersoldaten dauergetarnt und mit dem Bogen hinter ihnen her sind. Ein anderer Modus rückt das Upgraden der Suits durch Gefechtserfolge in den Mittelpunkt, was die Konfrontation unter den Suit-Trägern zunehmend unberechenbar macht - immerhin könnte der Supersoldat vor einem jederzeit übermenschliche Schnelligkeit, Stärke oder kurzeitige Panzerung anwerfen. Wer bodenständigen Wettbewerb bevorzugt, kommt mit dem Szenario Rebellen vs. C.E.L.L. auf seine Kosten, bei dem alle Spieler auf den Superanzug verzichten und stattdessen mit regulärer Finesse den Sieg erringen können.



Über den Autor
Viktor | Editor/Redakteur

Viktor ist ein großer Fan von Glegenheitsspielen im Browser. Außerdem ist er äußerst aktiv in Sachen Social Games.


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