Day of Defeat: Source

Day of Defeat: Source Review

Review

Entstehung

Was passiert, wenn man die taktischen Online-Scharmützel vom Kult-Hit Counter-Strike in den zweiten Weltkrieg verlegt, ein Klassensystem hinzufügt und die Spielerzahl deutlich erhöht? Das fragten sich im Jahr 2000 auch einige Modder und deren Antwort darauf beeindruckte Half-Life-Erfinder und Steam-Betreiber Valve derart, dass sie Day of Defeat gleich unter ihre Fittiche nahmen.

 

In Day of Defeat findet ihr euch in den Stiefeln eines einfachen Infanteristen während der großen Schlachten zwischen der Wehrmacht und den Alliierten wieder. Das kennt man bereits aus der erfolgreichen Call of Duty Serie, doch als reiner Mehrspieler-Titel orientiert sich Day of Defeat spielerisch eher am gemächlicheren Tempo und den taktischeren Partien eines Counter-Strike.

 

2005 erschien die Neuauflage auf Basis der hauseigenen Source Engine und brachte neben zeitgemäßer Grafik auch allerlei Neuerungen und Optimierungen mit sich.


Taktik und Teamplay

Die beiden Spielmodi von Day of Defeat verteilen sich auf 9 offizielle Karten und sind klar darauf ausgelegt, dass die Spieler zusammenarbeiten und so suchen Einzelkämpfer hier vergeblich nach dem klassischen Jeder gegen Jeden-Modus. Stattdessen gilt es in der Regel gemeinsam mehrere, strategisch wichtige Punkte auf der Karte einzunehmen und zu halten. Der Großteil der zumeist asymmetrischen Karten besteht aus fünf Flaggenpunkten, von denen jedes Team zu Beginn jeweils eine hält. Sobald euer Team auch die übrigen Fahnen unter seine Kontrolle gebracht hat, erhält es einen Punkt und die Runde beginnt von vorn.

 

Neben der Gebietskontrolle gibt es noch eine Art Bomben-Modus, bei dem die Teams in Angreifer und Verteidiger unterteilt sind. Aufgabe der Angreifer ist es nun an vorgegebenen Objekten Bomben – welche ihr zunächst in eurer Basis aufsammelt - anzubringen und sie damit zu zerstören. Das andere Team versucht das natürlich zu verhindern und die Objekte für einen bestimmten Zeitraum zu schützen. Das ist vergleichbar mit Battlefields Assault-Modus, bietet jedoch durch die Klassen und die kleineren Karten ein ganz eigenes Spielgefühl.

 

Das klingt zunächst simpel, doch Neulinge werden schnell feststellen, dass die übliche Run & Gun –Taktik hier nur selten zum Erfolg führt. Wie auch bei Counter-Strike beeinflussen Bewegungen und Körperhaltung das Schussverhalten und schon wenige Treffer führen zum Ableben. Ein behutsames Vorgehen und gezielte Sprints – denn Dauerläufern schiebt die limitierte Ausdauer einen Riegel vor - von einer Deckung zur nächsten sind also der Schlüssel für ein möglichst langes Soldaten-Leben. Davon gibt es zwar unendlich, da man auf ein Ticket-System im Stile von Battlefield verzichtet hat, aber nach jedem Ableben müsst ihr eine kleine Auszeit abwarten und diese Sekunden können manchmal den entscheidenden Unterschied machen.

 

Durch den eher realistischen Ansatz des Spiels ist auch bei den Waffen ein umsichtiges Vorgehen von Vorteil. Vom Karabiner bis zum schweren Maschinengewehr wurden alle bis ins kleinste Detail nachgebildet und dementsprechend ist auch das Feuern nicht ganz einfach. Durch Rückschlag und Streuung erfordern exakte Schüsse nicht nur eine ruhige Hand, sondern auch etwas Übung. Dabei verhält sich jede Waffe etwas anders und bietet diverse Vor- und Nachteile.


Flinker Sturmsoldat oder geduldiger Scharfschütze?

Zwar könnt ihr auch die Waffen gefallener Spieler aufsammeln, doch davon abgesehen ist die Wahl eurer Waffe eng mit der Wahl eurer Klasse verknüpft. Davon gibt es insgesamt 6 verschiedene und jede hat ihre ganz eigenen Merkmale, wobei diese auf die vorhandene Ausrüstung beschränkt sind und auf Charaktereigenschaften wie Schnelligkeit oder Stärke verzichtet wird.

 

Einzige Gemeinsamkeit aller Klassen ist die Nahkampfwaffe in Form eines Messers oder eines Spatens. Ansonsten unterscheiden sie sich zum Teil sehr stark. Einige bieten beispielsweise eine Pistole als Zweitwaffe oder zusätzliche Hand- und Gewehrgranaten. Für den Sieg ist es daher wichtig, dass jeder Spieler auch die passende Spielweise für seine Klasse hat und die jeweiligen Feinheiten zu nutzen weiß.

 

So kommt etwa den Sturmtruppen besondere Bedeutung zu, da nur sie über Rauchgranaten verfügen und diese wichtig sind, um der eigenen Truppe Deckung zu geben und dem Feind in kniffligen Bereichen die Sicht zu nehmen. Zudem sind sie mit ihrer MP dazu prädestiniert Angriffe in vorderster Reihe zu führen. Die Scharf- und MG-Schützen hingegen sind eine eher defensive Klasse und dienen vor allem dazu, eroberte Flaggen zu halten und bestimmte Passagen für nachrückende Mitspieler frei zu halten. Sieht man mal von der sehr speziellen Klasse des Panzerfaustschützen ab, dann sind die übrigen Klassen eine gute Mischung aus Angriff und Verteidigung.

 

Treffen nun zwei gleichwertige Teams aufeinander, welche regen Gebrauch von den diversen Klassen machen, dann entstehen auf den Karten umfangreiche Schlachten, in denen sich jede eroberte Flagge wie ein kleiner Sieg anfühlt.


Details und Technik

Die Karten erreichen zwar nicht die Größe eines Battlefield, bieten jedoch ausreichend Platz für bis zu 32 Spieler, welche originalgetreu mit allen Kleinigkeiten nachgebildet wurden. Dank der Source-Engine finden sich auch überall kleine Details, wie etwa Mobiliar oder Trümmer. Im Vergleich zu aktuellen Mehrspieler-Shootern ist DoD: S recht genügsam und läuft auch auf betagteren Rechnern und Einsteiger finden eine kleine, aber treue Community vor. Valve versorgt den Titel nach wie vor mit kleinen Updates und Bug Fixes. Für Langzeitmotivation dürften zudem die vielen Steam-Achievements sorgen.

 

Zudem wurde sehr auf ein ausgewogenes Balancing der Karten geachtet und es gibt immer verschiedene Wege eine Stellung zu attackieren. Beim Design der Karten orientierte man sich sehr an realen Ereignissen, so dass manche Karten sogar tatsächlich reale Schlachten nachstellen und bestimmte Charakteristika im Levelaufbau wiederzufinden sind. Für Karten-Nachschub sorgt außerdem die fleißige Community, die bereits zahlreiche Karten zum kostenlosen Download bereitgestellt hat.


Authentisch und spannend

Anspruch, taktisches Vorgehen und intensive Atmosphäre zeichnen die Schlachten von Day of Defeat: Source aus. Die Karten sind hervorragend aufgebaut, Gameplay und Klassen sehr durchdacht und der Teamgedanke steht klar im Vordergrund. Nach etwas Eingewöhnungszeit und mit den passenden Mitspielern entfaltet sich ein Online-Erlebnis, wie es kaum ein anderer Shooter bietet.



Über den Autor
Roberto | Redakteur

Roberto begann seine Videospiel-Karriere mit dem SEGA Mega Drive und seit seinem ersten Kontakt mit Sonic und Co. sind Videospiele ein fester Bestandteil seines Lebens. Er hat eine besondere Schwäche für die Indie-Szene und experimentelle Spiele, die sich nicht den üblichen Genre-Konventionen unterwerfen.


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