Die Mumie Online

Die Mumie Online Review

Review

Vom schmalen Grad zwischen Ausgrabung und Ruhestörung

'Die Mumie Online' führt die Kino-Trilogie über balsamierte Untote weiter und bringt dabei aus den Filmen bekannte Design- und Story-Elemente in einem browserbasierten Action-Rollenspiel unter. Mit einer frischen Mumie als Bösewicht und dem Fokus auf Spielfraktionen setzt das aufwendige 3D-Game aber eigene Akzente.
 
Eins sollte inzwischen jedem Cineasten klar sein: Archäologie ist der aufregendste Arbeitsbereich überhaupt. Mit seinem MMO 'Die Mumie online' liefert Publisher Bigpoint nun weitere Beweise für die Sonderqualitäten des Jobs, die der Berufsverband nicht gerne an die große Glocke hängt. Das Spiel nimmt einen mit in die aus den Filmen bekannte, weitgehend fiktive Welt, in der Bibliothekare und Museums-Kuratoren der Zauberei mächtig sind und Archäologen nicht mit Schaufel und Pinselchen arbeiten, sondern mit Schrotflinte und Peitsche. Als wäre das nicht fantastisch genug, haben die Toten dieser Welt einen überaus störanfällige letzte Ruhe.
 
Fans der Hollywood-Serie feiern aber zuallererst ein Wiedersehen mit den 30er Jahren und der reichen Mystik der alten Ägypter. Bekannte Figuren bleiben aus, stattdessen schaltet man sich mit einem eigenen Charakter in die neue Geschichte ein: Als Schatzjäger mit dem Herzen am rechten Fleck oder als Jünger eines machthungrigen Schattenkults ist man an stimmungsvollen Schauplätzen unterwegs.

Zwei Lager, eine Meinung

Sie könnten gute Freunde sein: Immerhin pflegen Kultisten und Schatzsucher gemeinsame Interessen und Hobbies, die beide im Verlauf des Spiels durch detaillierte und abwechslungsreiche Umgebungen führen. Dort werden sie mit fordernden Kämpfen, tödlichen Fallen und Rätseln konfrontiert. Aber von Anfang an: Man verpasst zum Spieleinstieg seinem wahlweise männlichen oder weiblichen Kämpfer einen Namen, und wählt einen Haar- und Hautton nach Geschmack. Ebenso offen sind eure Fraktion und die Charakterklasse. Der Einführungslevel von 'Die Mumie Online' macht anschließend mit dem zentralen PvE-Modus vertraut.
 
Die weitere Ausstattung des Charakters ergibt sich dynamisch bei passenden Gelegenheiten. Auf den Basaren des Orients finden sich stilsichere oder ausgefallene Kleidung und Accessoires, anstelle des klassischen Indy-Krempels darf man sein Haupt dann auch mit einem Kürbis oder einer Afroperücke schmücken. Für reguläre Kampfausrüstung geht Gold über die Ladentheke, Rubine sind die Premiumwährung, mit denen man auf ausgefallenere Accessoires und vorgefertigte Ausrüstungspakete zugreifen kann. Rubine kommen einem aber auch beim allgemeinen Spielen unter die Finger.
 
Die Wahl der Fraktion ist eine weitgehend ästhetische Entscheidung: Beide Gruppen greifen für ihren Fortschritt auf die selben Methoden zurück und müssen die gleichen Aufgaben ohne besondere Vorteile erfüllen. Sie konkurrieren um die Schätze der Gruften und ziehen beide den Zorn von untoten Wächtern, Banditen und Monstern auf sich.

Blei, Stahl und ein Hauch Magie

Die Fraktion der 'Schatzsucher' vereint die von Reichtümern angelockten Abenteurer, die Ägypten nach verborgenen Tempeln und Gruften durchstöbern. Einen gewichtigen Unterschied für das Spielgefühl hat nun die Wahl einer 'Schatzsucher'-Klasse. Revolverhelden sind die Distanzspezialisten, die Gegner aus der Ferne mit Blei eindecken. Sie hantieren mit Gewehren und Pistolen und haben das Talent zu gezielten Präzisionsattacken - im offenen Gefecht oder aus dem Hinterhalt. Zänker bevorzugen den Nahkampf und setzen entsprechend auf Klingen. Sie verfügen z.B. über Talente, um den Abstand zu ihrem Gegner schnell zu überwinden und deren Beweglichkeit vorübergehend einzuschränken. Als vorerst letzte Klasse steht der Scholar zur Wahl, der mit Schriftrollen und Stöcken kämpft. Scholare haben genug der alten Mystik studiert, um Gegner zu verlangsamen, ihnen Lebenskraft oder Attribute zu entziehen und sogar Kreaturen zu beschwören.
 
Die Kultisten, so die Beschreibung der zweiten Fraktion im Spiel, haben den grausamen Göttern des alten Ägyptens nie den Rücken gekehrt und machen sich deren finstere Kräfte zu eigen. Die drei verfügbaren Klassen des Kults präsentieren sich aber nur optisch anders, auch sie bieten die Nahkampf-, Fernkampf- und Magie-Variante zur Auswahl. 
 

Eine Reisewarnung: Untote und monströse Wildtiere

Die 3D-Umgebung von "Die Mumie online" trumpft mit einem Mix aus Außenerkundung und Dungeon-Crawling, bei dem sich weite Wüsten, saftiges Oasengras und steinige Plateaus mit unterirdischen Tempelbauten, Grabstätten und Labyrinthen abwechseln. Eine breite Palette untoter und quicklebendiger Gegner machen einem dabei das Sightseeing madig. Je nach Gebiet begegnen dem Spieler übergroße Skarabäen und Riesenskorpione, später auch schon mumifizierte Minikannibalen oder von Anubis entsandte Soldaten der Unterwelt. Die exotischen Areale und ihre Wächter erkundet man aus isometrisch fixierter, aber zoombarer Draufsicht, was in Verbindung mit dem mausgesteuerten Erkunden und Kämpfen Erinnerungen an das Hack&Slay-Genre wachruft. In dieses Bild passt auch ein erfahrungsbasiertes Skillsystem, über das nach und nach potentere Angriffsmanöver verfügbar werden. Im unteren Bildschirmbereich erlaubt eine Schnellleiste die Aktivierung von Items und Fähigkeiten per Klick oder Hotkey. Dazu kommt der Fortschrittsbalken für den nächsten Levelaufstieg. Eine Übersichtskarte, und Buttons für Quest-Tagebuch, Multiplayer-Features und mehr finden sich direkt auf dem Spielfenster und fügen sich vom Design ins orientalische Flair des Spiels ein. Hier hat man auch Zugriff auf das Inventarmenü, dass einem erbeutete Tränke, Ausrüstungsgegenstände sowie passende Fähigkeiten anzeigt, soweit diese bereits erlernt oder erworben wurden.


PvE- und PvP-Action mit Filmflair

Gekämpft wird mit konventionellen Nah- und Fernwaffen oder magischen Artefakten und Schriftrollen, die eine breite Palette mystischer Kräfte freisetzen können. Nicht nur die Klasse, auch die bevorzugte Waffengattung erlaubt das Erlernen exklusiver, durchschlagskräftiger Spezialangriffe. Über den durch eine lose Hintergrundgeschichte getragenen Einzelspieler-Modus entwickelt sich der Abenteuer-Frischling dann langsam in einen kampferprobten Helden bzw. Lakaien des Bösen. Das durch die zwei Fraktionen angedeutete PvP-Element zwischen den Spielergruppen kommt nur in eigenen, von PvE-Gebieten getrennten Arealen zum Tragen. Dort steht einem dann die Option von Mehrspielerduellen mit echten Gegnern offen. Aktuell sind Spielerkämpfe aber ausschließlich am "Fluss von Ahmose" möglich.
 
Wird die eigene Spielfigur verletzt, regeneriert sie ohne Weiteres langsam ihre Lebensenergie. Mit Heiltränken ist man aber schneller wieder fit. Mächtige Tränke sind selten und ihr überlegter Einsatz -etwa für einen vorübergehenden Boost von Werten - kann entscheidend für den Ausgang brenzliger Situationen sein. Kämpfe gegen starke Gegner oder einer Überzahl an Fieslingen übersteht man häufig nur durch den gut getimten Einsatz eigener Talente und Tränke. Bei ihrem vermeintlich endgültigen Ableben hinterlassen Gegner Gold und allerlei nützliche Überreste - selbst mit angeknacksten Skarabäenpanzern lässt sich etwas anfangen, also findet so manche Hinterlassenschaft der Monster ihren Weg in den Rucksack und wird zum späteren Tauschen oder Questen ins Inventar gepackt.
 
Mit Detailreichtum und durchdachter Action setzt die "Die Mumie Online" ein Abenteuer ohne viel Tiefgang packend in Szene - und befindet sich damit ganz in Tradition der actionreichen und fantasievollen Vorlage. Im Übrigen versprechen noch einzubindende Inhalte die momentan gebotene Spielerfahrung weiter abzurunden.


Über den Autor
Viktor | Editor/Redakteur

Viktor ist ein großer Fan von Glegenheitsspielen im Browser. Außerdem ist er äußerst aktiv in Sachen Social Games.


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