Final Fantasy Type-0 HD Test / Review

Der fast vergessene PSP-Ableger findet mit diesem Port für PlayStation 4 und Xbox One doch noch seinen Weg in den Westen.

Der verlorene Sohn

Die PSP war ja im Westen eher das Sorgenkind von Sony und darum wurde irgendwann auch der Spiele-Support immer dünner. In Japan kamen hingegen sogar noch Jahre nach dem Start der PS Vita neue Titel für Sonys ersten Handheld. Selbst Final Fantasy bekam mit Type-0 einen PSP-Ableger, der es nicht mehr in den Westen schaffte. Das war 2011 und die meisten Serien-Fans hatten den Titel eigentlich schon längst wieder begraben, doch nun kommt Square Enix mit einer lokalisierten HD-Version von Final Fantasy Type-0 um die Ecke, die exklusiv für PlayStation 4 und Xbox One erscheint. Ob sich das Warten gelohnt und das RPG den Sprung von der betagten PSP auf die brandneuen Heimkonsolen gut überstanden hat, wollen wir in unserem Test klären.


Klassenkampf

Final Fantasy Type-0 HD ist Teil der Fabula Nova Crystallis Geschichte und behandelt die Erlebnisse von Class Zero, einer Gruppe von Kadetten, die allerlei magische Tricks beherrschen und auch Schusswaffen nicht abgeneigt sind. Angeführt werden sie von der mysteriösen Ärztin Arecia, die alle nur Mutter nennen. Mit insgesamt 14 Kadetten ist die Gruppe zwar selbst für ein Final Fantasy ziemlich groß, aber wirklich bedeutend sind am Ende dann doch nur wenige von ihnen.

Einer der wenigen ausgefeilten Charaktere ist Ace, mit dem ihr auch das Spiel beginnt. Der Kartenfreund ist auch einer der wenigen, die etwas sensibler auf die Ereignisse und Verluste innerhalb der Geschichte reagieren. Eine wichtige Rolle spielen auch Machina und Rem, die sich bereits seit ihrer Kindheit kennen und nun in der gleichen Klasse sind. Sie sind die Außenseiter der Truppe und versuchen, so manches Geheimnis vor ihren Kameraden zu verstecken. Die übrigen Figuren unterscheiden sich kaum von den typischen Klischees einer Schulklasse, die in der Final Fantasy-Reihe ja auch nicht zum ersten Mal thematisiert werden. Von der oberschlauen Dame über den Klassenclown bis hin zum toughen Muskelprotz ist also alles dabei und passend zum jeweiligen Charakterzug wurden dann auch die Waffen verteilt.


Vom ATB zum Action-RPG

Final Fantasy Type-0 HD ist etwas anders aufgebaut als die Klassiker der Serie. Ihr habt feste Missionen zu absolvieren, in denen ihr für gewöhnlich durch das Gebiet sprintet, Gegner erledigt und es am Ende mit dem Bossgegner aufnehmt. Womit wir auch schon beim Kern des Spiels wären, nämlich dem Kampfsystem. Im Gegensatz zu den rundenbasierten Spielen aus den Neunzigern bietet man heute mehr Action und lässt euch deutlich aktiver zu Werke gehen. Die Kämpfe verkommen aber trotzdem nicht zum plumpen Button-Mashing, sondern erfordern hier und da durchaus Taktik. Oft empfiehlt es sich, die Gegner genau zu beobachten und auf den richtigen Moment für eure Attacke zu warten. Auf diese Weise lassen sich Gegner zum Teil mit einem einzigen Treffer niederstrecken oder zumindest deutlich höhere Schadenswerte erreichen als wenn man nur blind zuschlägt.

Defensive Fähigkeiten und Magie spielen ebenfalls eine wichtige Rolle und geben den Kämpfen zusätzliche Tiefe. Bei ihrem Einsatz sind vor allem Timing und die Aufladezeiten entscheidet. Sollte mal was schiefgehen, dann ist der Charaktere zumeist für den Rest der Mission aus dem Spiel, kann jedoch durch einen der anderen Kadetten ersetzt werden. Der muntere Wechsel der Charaktere ist auch sonst nicht unwichtig, denn für manche Missionen sind bestimmte Charaktere und deren Ausrüstung wesentlich besser geeignet als andere. Mit steigendem Level gewinnt ihr natürlich auch wieder Erfahrungspunkte und die könnt ihr nutzen, um die Charaktere individuell zu verbessern und immer mehr auf bestimmte Strategien zu spezialisieren.

Wenn ihr gerade mal nicht auf einer Mission seid, dann habt ihr Freizeit und könnt für einige virtuelle Stunden die Spielwelt näher kennenlernen. Ihr redet mit ein paar Charakteren, lernt fleißig, kümmert euch um die Chocobos oder versucht euch an einer der Nebenmissionen. Da eure Freizeit stets begrenzt ist, fühlt man sich manchmal ein wenig unter Zeitdruck und kann leider nicht immer all die Dinge machen, die man möchte, ehe man wieder auf eine größere Mission muss.


Full-HD statt Handheld-Screen

Als Portierung von der alten PSP hat die Technik von Final Fantasy Type-0 HD natürlich keinen leichten Stand. Den Sprung auf die vergangene Generation hätte man sicher leichter meistern können, aber Square Enix hat sich entschieden, nur PlayStation 4 und Xbox One zu bedienen. Hier fällt doch recht deutlich auf, dass es eigentlich ein PSP-Game mit höherer Auflösung und etwas Politur ist. Die Zwischensequenzen machen nach wie vor einen großartigen Eindruck, aber gerade Dinge wie die Texturen oder die Levelgeometrie sind auffallend detailarm. Auf dem kleinen Handheld-Bildschirm störte das sicher weniger, aber auf dem großen Full-HD TV im Wohnzimmer kann man derlei Schwächen sofort sehen, auch wenn sie im Vergleich zum Original etwas aufpoliert wurden. Mit einem Unschärfe-Effekt versucht man zwar, das etwas zu kaschieren, aber oft bewirkt dieser Trick eher das Gegenteil.

Für Fans der Reihe ist der HD-Port von Final Fantasy Type-0 durchaus eine Empfehlung wert, da ja das PSP-Original nie in den Westen kam. Wer jedoch bislang kein Interesse an der Welt der Fabula Nova Crystallis hatte, der kann auch diesen Ableger links liegen lassen.


Final Fantasy Type-0 HD
Pro
- gelungenes Kampfsystem
- viel zu tun
Contra
- PSP-Herkunft klar erkennbar
- viele Klischeefiguren
3 / 5

Über den Autor
Roberto | Redakteur

Roberto begann seine Videospiel-Karriere mit dem SEGA Mega Drive und seit seinem ersten Kontakt mit Sonic und Co. sind Videospiele ein fester Bestandteil seines Lebens. Er hat eine besondere Schwäche für die Indie-Szene und experimentelle Spiele, die sich nicht den üblichen Genre-Konventionen unterwerfen.


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