Ice Age Online

Ice Age Online Review

Review

Ein feuriges Intro versetzt in die Eiszeit

Ice Age ist eine erfolgreiche Animationsreihe von inzwischen vier Kinofilmen über ein ungleiches Trio:  Anfangs hatten Mammut Mani, Säbelzahltiger Diego und Faultier Sid den Anschluss an ihre Herden verloren. Aus der Not gemeinsam unterwegs, suchten die Drei nach den eigenen Verwandten und fanden auf dem Weg eine Freundschaft fürs Leben. Nun gibt es ein Wiedersehen mit den beliebten Charakteren, denn etwa zeitgleich mit Erscheinen des vierten Teils hat das amerikanische Filmstudio Twentieth Century Fox dem Browsergame-Spezialist Bigpoint grünes Licht für ein lizensiertes Onlinespiel gegeben. Ob sich das bildgewaltige Eiszeit-Abenteuer im Browser fortsetzt, erfahrt ihr hier!

Ein sehr nett gemachtes Intro-Video verbreitet das typische Ice-Age-Feeling: Im Stil von Höhlenmalereien wird die Vorgeschichte von Ice Age Online vorgestellt. Zu sehen ist eine Herde von Faultieren, die vor den Geschossen und der Lava eines feuerspukenden Vulkans Ausreißen nehmen muss; in der Hektik sucht die Herde in allen Richtungen nach Schutz. Als die Gefahr vorüber ist, ist eines der Faultiere zwar alleine, hat aber den perfekten Ruheplatz für seine Verwandtschaft gefunden. Hier endet die Animation und startet das Spiel, denn im Fell dieses Faultiers sollt ihr nun nach eurer Herde Ausschau halten und sie in euer verheißungsvolles Wintercamp führen.

Zuerst aber noch einen Blick in den Spiegel: Den Faultier-Herren oder die Faultier-Dame könnt ihr euch in Fellfarbe, Kleidung und Kopfschmuck zurecht klicken. Hier merkt man schon, dass Ice Age Online dank Flash optisch an die Animation der Hollywoodvorlage anknüpfen kann.

Von hier ab steht das Spielprinzip von Ice Age Online auf zwei Säulen: Einmal dürft ihr in actionorientierten, zweidimensional präsentierten Jump'n'Run-Passagen nach euren Freunden und Verwandten suchen. Habt ihr sie gefunden, helft ihr ihnen in eurem stationären Winterlager dabei, sich möglichst gut einzurichten. Diese beiden Elemente von Action und Aufbau sind durch das Einsammeln nötiger Materialien miteinander verwoben. 


Ein Faultier im Adrenalinrausch

Ihr startet direkt mit einer der Hüpfeinlagen ins Spiel. Die direkte Steuerung überträgt die Reaktionen des Spielers dabei ohne Trägheit auf die Figur. Das eigene Faultier lässt sich erstaunlich schnell mit den Pfeiltasten dirigieren und sogar zu weiten Sprüngen mit der Leertaste bewegen. Innovationen führt Ice Age Online dabei nicht ins traditionsreiche Jump'n'Run-Genre ein. Man stürmt in 2D-Leveln von links nach rechts, rennt möglichst geschickt vorbei an allerlei Hindernissen, nutzt Plattformen und springt über Abgründe, Fallen und Wassergruben hinweg. Ziel ist es, möglichst viele der so begehrten Eicheln einzusammeln. Zusätzliche Futterfunde bringen Abwechslung auf den Speiseplan, aus einer Reihe Level-typischer Rohstoffe wie Stein, Eis oder Pflanzenteilen könnt ihr später Deko für euren Unterschlupf zimmern.

Futterneidern müsst ihr ausweichen oder sie durch Draufhüpfen besiegen. Gegner kommen dabei in vielen verschiedenen Varianten, mal sind es fliegende Geier, mal gepanzerte Schildkröten, es gibt aber auch Gegner, die euch aus der Ferne attackieren. So etwa der übergroße Mistkäfer, der, soviel sei verraten, euch nicht mit Duftkerzen bewirft. Manchmal erhaltet ihr von Gegnern Power-Ups, die dem Faultier kurzzeitig Fähigkeiten wie die Distanzattacke verleihen. Die Extras verbergen aber meistens in den schwebenden Blöcken, die das Faultier mit seinem Kopf zerdeppert. Dieses Genre-Merkmal hat Ice Age Online also auch abgehakt.

Ein Treffer, und alles, was ihr gerade gesammelt habt, fällt unwiederbringlich zu Boden. Das ist ärgerlich, denn neben den Eicheln, die das Universaltauschmittel in Ice Age Online darstellen, verliert ihr auch alle gefundene Sondernahrung und Baumaterial für das Camp. Noch ein Fehltritt und ihr dürft den Level von Vorne beginnen. Nur was ihr euch im Verlauf des Levels in die Backentaschen gestopft habt und ins Ziel bringt, kommt dem Vorrat zugute. Da ihr aber immer auch Ausschau nach eurer verstreuten Herde haltet, trefft ihr vielleicht einen der vermissten Säbelzahntiger, Mammuts oder Faultiere. Die sind erleichtert einen zu sehen und begleitet einen ins Camp. 


Reiselust und Reisefrust

Auf einer Übersichtskarte kann man immer neue Gebiete bereisen und Abenteuer freischalten. Vor jedem Level muss man ein paar Eicheln Startgebühr bezahlen, oder, so das Spiel, sie dem Gott der Flammen opfern. Ein Anteil der in jedem Level gesammelten Eicheln muss also wieder ins Spielen der Jump'n'Run-Passagen reinvestiert werden. Die Ausgaben pro Tag sind für reguläre Spieler limitiert.

Gerade anfangs sind die Level oft kurz und 'kinderleicht'. Knifflig wird es für junge wie auch ältere Spieler gerade dann, wenn sich Ehrgeiz einstellt, wenn man Bestzeiten aufstellen will, alle Items aufspüren möchte oder der Level fehlerfrei gemeistert werden soll. Das Spiel speichert Bestzeiten und erlaubt jederzeit die Rückkehr in frühere Level. Glaubt ihr eine unschlagbare Zeit aufgestellt zu haben, könnt ihr per Button eure Freunde herausfordern - vielleicht können die euren Rekord für diese Stage ja noch toppen. Die ersten Level präsentieren sich frühlingshaft: Alles grünt, im Hintergrund zwitschern Vögel. In der Ferne erstrecken sich verschneite Gebirgszüge und binden den Vordergrundlevel in das Szenario der späten Eiszeit ein. Die Level sind nach Ebenen geordnet, die euch später in deutlich eisigere Regionen mit eigenständigen Design, Gegnern und spielerischen Neuerungen versetzen. 

Wie bei fast jedem Jump'n'Run schleichen sich natürlich auch Frust-Stellen ein, d.h. Stellen, an denen man auch nach x Versuchen immer wieder in dieselbe Grube fällt oder das Timing zum Sprung auf den Greifvogel einfach nicht hinhauen will. Zudem kommt der opulente Hintergrund zwar der Stimmung zugute, kann bei den Geschicklichkeitsübungen im Vordergrund aber manchmal der Übersicht schaden: Spielentscheidendes geht dann in der Detailfülle unter.


Charmante Mitbewohner im eigenen Wintercamp

Mit den Charakteren fängt Ice Age Online den Charme der Filmvorlagen gut ein. Gerade im Winterlager machen die Mitbewohner eine gute Figur, aber auch im Action-Modus überzeugen Faultier-Helden, wiedergefundene Gefährten und Gegner mit plastischen Details und flüssigen Animationen. Säbelzahntiger Diego ist einer der ersten Gäste und sucht sich schnell ein Plätzchen für seine ausgedehnten Nickerchen. Hin und wieder schaut er auf, gähnt und streckt sich, nur um wieder in den Schlaf zu fallen. Alle Herdentiere im Camp sind anklickbar und geben Auskunft über sich, etwa wie glücklich sie sich fühlen. Jede Art hat eine Leibspeise, also sollte man immer nach Futter-Funden Ausschau halten und sie sicher nach Hause bringen. Mit seltenen Leckerbissen könnt ihr sie besonders glücklich machen. Deine Gefährten faulenzen aber nicht nur und lassen sich bewirten, sie gehen selber auf Streifzug und bringen bei ihrer Rückkehr Nützliches zurück.

Das Camp ist als eine Art Panorama angelegt, das man abschnittsweise abfährt. Ein hohler Stamm bietet sich perfekt für das Bunkern der Gemeinschafts-Vorräte an. Er steht im Zentrum und wird vom populären hyperaktiven Säbelzahn-Eichhörnchen Scrat bewacht. Man verschiebt seinen Rundumblick per Pfeil-Button oder Scrollleiste, hat so schnell den Eichelvorrat oder die Rastplätze der Gefährten im Blick. Die Opossums Crash und Eddie betätigen sich hier übrigens als Questgeber. Bevor hier aber ein Überwinterungsplatz zum Wohlfühlen entsteht und man alle vermissten Verwandten gefunden hat, gibt es noch einiges zu tun. Bevölkerung und Ausbaustufe eures Camps spiegeln euren Gesamtfortschritt in Ice Age Online wieder. Am unteren Bildschirmrand wartet eine Mitspieler-Leiste darauf, Freunde als Direktkontakte aufzunehmen. Dann könnt ihr mit ihnen tauschen oder sogar ihre Lager besuchen.


Fazit

Alles in allem eröffnet euch Ice Age Online solides Jump'n'Run im Stil der populären Animationsfilme. Die schnellen Geschicklichkeits-Ausflüge stellen den Aufbau-Part des Spiels aber etwas in den Schatten. Der eigene Unterschlupf weiß optisch zwar zu überzeugen, aber die Interaktionsmöglichkeiten mit der eigenen Herde bleiben hinter den Erwartungen zurück. Im Großen und Ganzen ist Ice Age Online ein nettes Browsergame für zwischendurch.



Über den Autor
Viktor | Editor/Redakteur

Viktor ist ein großer Fan von Glegenheitsspielen im Browser. Außerdem ist er äußerst aktiv in Sachen Social Games.


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