Kartuga

Kartuga Review

Review

Free-to-Play-Piraterie war selten schöner

Das Browsergame Kartuga ist ein actionreiches Piraterie-MMO vom Hamburger Entwicklungsstudio InnoGames und kostenlos spielbar. Der Spieler übernimmt die Direkt-Kontrolle über ein mächtiges Segelschiff, das sich im Spielverlauf vielseitig anpassen und aufrüsten lässt. Auf den drei Ozeanen von Kartuga wetteifern die Kapitäne um Macht und Reichtum, kabbeln sich in komplexen PvP-Szenarien oder rufen gemeinsam Gilden ins Leben, um als Schiffsverband Beute zu machen. Eure Abenteuer auf See werden dank einer farbenprächtigen 3D-Grafik und tollem Design bestechend präsentiert.


Eure Braut ist die See

Mit satten Farben und enormer Detailfülle nutzen die Entwickler das Potenzial der Unity-3D-Engine, um Sehnsüchte vom Freibeuter-Leben zu wecken: Die Weiten des Meeres wogen mit den Gezeiten, reflektiertes Sonnenlicht bringt das tiefe Blau zum Schimmern. Die Brandung wirft sich gegen felsige Küsten und in untiefen Buchten erlaubt das kristallklare Wasser den Blick auf den Grund. Euer Schiff schneidet sich seinen Weg durch die See, hin und wieder unterbricht ein Wölkchen die Idylle. 

Malerische Inseln und beschauliche Dörfchen laden zum Ankern ein. Land ist wirklich keine Mangelware - die Inseln drängen sich so dicht aneinander, dass manche Routen eher wie Binnenschifffahrt anmuten. Unbewohntes Terrain ist dagegen eher ein Ausnahmefund, solche Inseln sind von wilder Vegetation oder sogar Vulkanen geprägt. 

Kartuga ist vom Gebäude- und Schiffs-Design her weitgehend in der Realität vergangener Seefahrt verankert, aber manche der von euch besuchten Häfen und kanaldurchzogenen Inselgruppen wirken fantastischer, als es die Wirklichkeit hergibt. Gewagte Konstruktionen türmen sich auf einem kleinen Fleckchen Erde, Städte erheben sich auf gigantischen, nur durch Brücken verbundenen Felsen. Dass das Spiel ein eigenes Universum entwirft, wird spätestens beim tosenden Rauschen klar, dass den gigantischen Wasserfall und das Ende der Welt ankündigt.


Die grafische Darstellung erlaubt sich keine Schwächen und saugt einen in die Kulisse hinein, die InnoGames für seine Räuberpistole geschaffen hat. Im Verlauf des Spiels bereist ihr die drei unterschiedlichen Reiche von Kartuga, drei Gewässer mit eigenem Ambiente und Geheimnissen. Sie stehen jeweils unter der Kontrolle einer anderen Fraktion mit eigenem Design. Ihr startet in einem mediterranen Areal, im orientalisch inspirierten Part der Welt schneidet der Bug eurer Schiffe dann durch türkises Meer, Gebäude und Schiffe verbreiten das Flair von "Tausend und einer Nacht". In einer an die Mayas angelehnten Kultur erheben sich schließlich imposante Steinpyramiden und bedrohliche Tempel aus dem Dschungel.

Die Vogelperspektive zentriert euren Blick auf eurem Schiff. Die Taste 'W' bringt euch voran, 'S' nimmt den Wind aus euren Segeln, bis ihr schließlich zum Stillstand kommt. 'A' und 'D' bedienen das Ruder. Damit fängt das Spiel die Trägheit der hölzernen Ozeanriesen geschickt ein, zu keinem Zeitpunkt zieht man die Wucht und Präsenz seines Schlachtschiffs in Zweifel. Außerdem muss man 'W' nicht ständig gedrückt halten - ist ein Kurs gesetzt und hat das Schiff Fahrt, kann man sich als Kapitän zurücklehnen und einen Grog schlürfen. Eine Minimap unterstützt euch mit allerhand hilfreichen Infos bei der Navigation zu entfernteren Zielen. 

Die Kanonen werden mit der Maus ausgerichtet, ein Mausklick feuert eine standardmäßige Breitseite ab. Geschicktes Ausweichen und Feuern kann euch auch gegen mächtigere Gegner den Hals retten, Erfolg oder Niederlage in den Seeschlachten sind also nicht an die Stufe gebunden. Noch bevor ihr auf die umkämpfte Spielwelt losgelassen werdet, steht euch die Wahl eurer "Charakterklasse" bevor. In Kartuga ist euer Schiff eure Identität - sein Grundbau und eure Upgrade-Entscheidungen bestimmen einen wichtigen Gameplay-Aspekt von Kartuga, nämlich euren Stil in den Seegefechten.


Flotte mit Feinschliff

Drei übergeordnete Klassen werden euch in Kortuga unterkommen, die über die Level jeweils variantenreiche Fähigkeiten anbieten. Grundsätzlich steht die Entscheidung für Zerstörer, Beschützer oder Techniker für eine bestimmte Strategie im PvE oder Rolle im PvP - Sie ist durch die Stärken und Schwächen der drei Klassen geprägt ist, die hier kurz angerissen werden soll: Zerstörer teilen an der vordersten Front reichlich Schaden aus, je nach Ausbau von 'Brawler'- 'Raider'- und / oder 'Ravager'-Fähigkeiten kommt dann eine einzigartige Konfiguration zustande, die Manövrierfähigkeit, Durchschlagskraft und Präzision nach eurem Geschmack verbindet. Beschützer sind die zweite, unnachgiebige Schiffsklasse. Diese Bauart steckt mehr Schaden weg als alle anderen, zudem sind sie fähig, Angriffe kurzzeitig zu ignorieren oder bereits erlittenen Schaden in eine eigene, besonders verheerende Verzweiflungsattacke umzumünzen. Die Technikerklasse improvisiert das gerade nötige direkt im Geschehen: Je nach Konfiguration wird es so möglich, Reparaturen und kurzzeitige Boosts direkt auf See durchzuführen, selbstständige Angriffsbojen auszusetzen oder die Kampfkraft gegnerischer Schiffe durch Sabotage herabzusetzen. 

Ihr dürft die Untergruppen in den drei SKILL-Trees frei kombinieren, zudem handhabt Kartuga eure Punktevergabe nachsichtig - man darf Punkte zurücknehmen und so neue Optionen austesten, ohne gleich endgültige Entscheidungen zu treffen. Für jede der drei Klassen lassen sich Dutzende aktive Fähigkeiten und passive Verbesserungen freispielen, insgesamt wartet Kartuga mit mehr als 80 Skills auf. 


Eine Frage des richtigen Timings

Direkt nach dem Tutorial startet ihr vom Freihafen North Cape in die Weiten des Kartugischen Ozeans. Im Startgebiet tummeln sich reichlich Kapitäne, die Schiffe eurer Mitspieler drängen sich im engen Hafenbecken dicht aneinander. Eurer erster Questgeber schickt euch gen Osten, ihr sollt  einige Handelskoggen versenken.

 Im Kampf umkreisen sich die Schiffe in Echtzeit und feuern per Mausklick aus allen Rohren. Eure Salven haben dabei das größte Schadenspotential, wenn man seinen Kanonieren etwas Zeit gibt: Sorgfältiges Laden dauert, man kann zwar auch früh feuern, wartet man aber bis der Ziel-Cursor von gelb auf Grün schaltet, steigt die Chance auf einen kritischen Treffer gegenüber den Schnellschüssen. 

Die aktiven Skills werden bei Bedarf eingesetzt, die wichtigsten drei sind in einer Leiste im Hauptbildschirm untergebracht. Die Tasten 'Q' 'E' und 'F' erlauben das direkte Auslösen, dann verzögert ein Cooldown den nächsten Einsatz der Fähigkeit. Das Kampfsystem ist also taktisch und actionreich zugleich, im Schlachtengetümmel können Timing und eure Spezialkommandos einen echten Unterschied machen. Ihr Einsatz entscheidet vielleicht, wer übrig bleibt, wenn sich der Pulver-Qualm lichtet. 

Im Fall der Handelskoggen wirft die Crew angesichts ihres Untergangs noch schnell sämtliche Fracht von Bord. Alles, was bleibt, sind also treibende Holzkisten, deren Inhalt ihr dankbar einsammelt. Mit erbeutetem Gold bestreitet ihr eure Einkäufe. Piraten werden in Kartuga nicht nur diverse Schiffserweiterungen und verschiedene Kanonen-Typen, sondern auch eine Reihe abgestimmter Munitionsarten angeboten. Gerade Kanonentürme sind zäh und mit der richtigen Muni leichter klein zu kriegen. Habt ihr die Ungetüme aber erst Mal kampfunfähig geschossen, lassen sie sich vielleicht für eure Zwecke wiederherstellen - etwa um ein Gebiet im PvP zu verteidigen.


Kein Parlé im PvP

Kartuga hat sich Multiplayer-Action und Kooperation groß auf die Flagge geschrieben. Ob Einzelspieler-Duelle oder Seeschlachten zwischen Gilden, das Spiel eröffnet seinen Kapitänen intensive Massen-Gefechte. Für die Teams macht es dabei Sinn, mit der gebotenen Zerstörer-, Beschützer- und Techniker-Klasse typische Aufgaben wie 'Tank' und 'Support' abzudecken, um so eine gut abgestimmte und effektive Flotte zusammenzustellen. 

Prinzipiell sind PvE und PvP getrennt, zwei aktiv zu betretende Spielmodi stehen im Zentrum der Wettbewerbe: Im Domination-Modus geht es um das Erobern und Halten von Kontrollpunkten. Jeder der Sektoren ist heiß umkämpft, denn unter eurer Kontrolle mehren diese Bojen kontinuierlich Punkte auf das Teamkonto. Die Mannschaft, die als erste 2500 Punkte verbucht, wird zum Spielsieger gekürt. Der andere Modus würzt das Piratenszenario von Kortuga mit einer Prise Counterstrike: Eine Bombe muss abgeholt und im gegnerischen Lager platziert werden. Gelingt einer Seite dieses Kunststück, startet ein Countdown, während dem die Verteidiger den Sprengstoff noch entschärfen können. Über die speziellen Gebietskarten verteilt finden sich kleine Boosts und Extras, die euch beim Vorstoß gegen eure Feinde unter die Arme greifen. PvP-Erfolge bescheren euch auch Erfahrungspunkte. Beide Modi stellen übrigens per Match-Making-Funktion sicher, dass sich die Konkurrenten auf Augenhöhe begegnen können. Sobald sich ausreichend Spieler für eine Partie eingefunden haben, dürft ihr in die Schlacht ziehen. 

Kartuga stellt euch vor die Aufgabe, der mächtigste Pirat der drei Reiche zu werden. Es gilt unbekannte Gewässer zu erforschen, Schätze zu bergen und Beute zu machen. Mit einem stetigen Quest-System gibt euch das Spiel immer etwas zu tun, in Kombination mit dem actionreichen Gameplay genehmigt sich Kartuga keine Längen.



Über den Autor
Viktor | Editor/Redakteur

Viktor ist ein großer Fan von Glegenheitsspielen im Browser. Außerdem ist er äußerst aktiv in Sachen Social Games.


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