Riot Games bezahlt neue Mitarbeiter für Kündigung

Veröffentlicht am 21.06.2014 um 17:46 Uhr von Sascha Stieglitz

Wer für die Arbeit an League of Legends neu eingestellt wird, der kann sich nun vom Hersteller Riot Games für seine Kündigung bezahlen lassen.

Für viele sicherlich ein Traum: bei Riot Games arbeiten und konkreten Einfluss auf neuen Spielinhalt haben. Manch einer mag das ganz oben auf seiner Wunschliste haben.

Queue Dodge bei Riot GamesRiot Games, Entwickler und Publisher des MOBA Hits, hat nun allerdings ein neues Programm eingeführt, das es neuen Mitarbeitern ermöglicht, sich gegen Bezahlung umgehend feuern zu lassen. Das Ganze nennt sich Queue Dodge (frei übersetzt: Warteschlangen Winkelzug) und sieht im Detail folgendermaßen aus: ein neu angeheuerter Mitarbeiter (zurzeit nur aus Nordamerika) hat die Möglichkeit, sich im Queue Dodge Programm einzuschreiben. Dies ermöglicht es ihm, innerhalb der ersten 60 Arbeitstage eine Kündigung einzureichen. Dafür bekommt er dann sozusagen als „Belohnung“ 10% seines Jahresgehalts, bis hin zu 25.000 US Dollar.

Das hört sich erstmal ziemlich seltsam an. Will Riot Games neue Mitarbeiter rausekeln, oder warum machen die das? Tatsächlich gibt es dazu eine äußerst einleuchtende Erklärung von offizieller Seite.

So wird auf der offiziellen Seite folgende Erklärung abgegeben, die wir hier zunächst zitieren möchten:

 

Now, we don’t want to actively push people out or dare them to leave, but we do want to provide a well-lit, safe exit path. Additionally, we want to:

Reinforce Riot’s culture. From the beginning, we’ve focused on culture. We operate on a foundation of shared mission, values, passion, trust, and mutual respect. If someone gags on the unique flavor of our culture, they’d be doing themselves and the company a disservice to hang on just for the paycheck. Culturally aligned people and teams are more effective, and alignment around mission and values allows us to better serve players. We’ve designed Queue Dodge to help self-identified mismatches move on in an open, positive, and constructive way. 

Backstop the hiring process.  We carefully vet every new hire through a rigorous interview process, but that’s not enough to ensure a great fit every single time. Rather than allow mismatches to fester, we want to resolve them quickly. This is good for the company, and good for the professional. We don't know yet how many people might choose to Queue Dodge, but we’ll learn from this and make better hiring decisions as a result.

 

Wir fassen das Statement also zusammen: Riot Games basiert auf einer eigenen Kultur, in der man leidenschaftlich darum kämpft, das Produkt auszubauen und zu verbessern. Es ist mehr als eine Arbeit für Geld, es ist geradezu eine Mission.

Wenn jetzt jemand Neues dazu kommt, dann kann es ja sein dass er sich mit dieser Attitüde nicht wirklich anfreunden kann. Viele Leute ziehen es vor, einfach nur für ihren Gehaltsscheck zu arbeiten und pünktlich zum Feuerabend die Luken dicht zu machen. Daran ist nichts Verwerfliches, es passt aber nun mal nicht zum Anspruch, den ein Mitarbeiter bei Riot Games idealerweise an sich selbst stellen sollte.

Zwar hat Riot Games bereits jetzt ein äußerst komplexes Anwerbeverfahren, allerdings kann man am Ende trotzdem nicht so recht wissen, ob ein neuer Mitarbeiter sich wirklich mit der Riot Games Kultur anfreunden kann. Das Queue Dodge Programm ermöglicht dann einen leichten und entspannten Ausstieg.

Zwar weiß man bisher bei Riot Games nicht, wie viele Leute an dem Queue Dodge Programm teilnehmen werden, allerdings ist man optimistisch, dass man das Anwerbeverfahren dadurch noch weiter optimieren kann.

Im Anschluss gesteht Riot Games noch, dass das Queue Dodge Verfahren nicht ihre eigene Idee war:

 

Sound familiar? If all of this sounds familiar, that’s because we’re not first. We watched Zappos, that insanely customer-focused company, with wonder and amazement when they announced back in 2009 that they were paying people $2,000 to quit. At the time, this seemed a bit nutty, but Zappos CEO Tony Hsieh explained:

“We want to make sure that [people] are here for more than just a paycheck. We want people that believe in our long term vision and want to be a part of our culture.”

Credit and fist bumps to Zappos and Tony for their insight and inspiration.

 

Die Firma Zappos hat das Ganze also schon 2009 eingeführt, nur dass es dort ein Fixbetrag von 2.000 US Dollar war. Wobei: 10% vom Jahresgehalt entspricht nur etwas mehr als einem vollen Monatsgehalt, dementsprechend dürfte das bei Riot Games beispielsweise für einen einfachen Marketing Assistenten auch nicht viel mehr sein. Für einen voll ausgebildeten Systemadministrator allerdings schon.

Zappos ist übrigens ein Online Klamottenhändler mit dem Schwerpunkt auf Schuhen, der 2009 für 850 Millionen Dollar von Amazon aufgekauft wurde. Also auch ein ziemliches Schwergewicht, dem die 2.000 Dollar wohl kaum fehlen werden.

Riot Games ist mit League of Legends nach wie vor der Marktführer in Sachen MOBA. Die Monetarisierung des Free2Play Titels ist vorbildlich, da sie keinerlei Pay2Win beinhaltet. Ein Nachfolger ist nicht geplant, stattdessen wird Legue of Legends auf unbestimmte Zeit immer weiter mit neuem Content gefüttert und erhält dann und wann ein grafisches Update. Es ist davon auszugehen, dass die Marktführerschaft so schnell nicht gebrochen wird. Die Einführung des Queue Dodge Programms scheint eine sehr sinnvolle Erweiterung der Geschäftspolitik zu sein und könnte sicherstellen, dass die Qualität von League of Legends auf dem derzeitigen Niveau bleibt oder vielleicht sogar noch angehoben wird.

Hier könnt (bzw. müsst da sich das Autoplay leider nicht deaktivieren lässt) ihr euch ein Video ansehen, in dem Riot Games CEO Brendon Beck einen Vortrag über die Arbeit der Firma hält. Wer des Englischen mächtig ist und 30 Minuten Zeit hat, der sollte sich das nicht entgehen lassen. Viel Spaß.

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Quelle: Riot Games stellt Queue Dodge vor


Über den Autor
Sascha Stieglitz | Redakteur / Marketing

Stiegi hat vor vielen Jahren auf dem 386er angefangen, sich für Videopspiele zu interessieren und zockt heute auf PC genauso wie auf Konsole und Android, am liebsten wenn eine gute Story dabei erzählt wird. Als Corsuals Marketing Director ist er außerdem für den reibungslosen Ablauf von Kampagnen verantwortlich.


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