Konsolen rücken in China ein

Veröffentlicht am 26.05.2014 um 12:04 Uhr von Sascha Stieglitz

Es ist soweit: nach 14 Jahren Verbannung dürfen Spielekonsolen jetzt offensichtlich auch im Reich der Mitte veröffentlicht werden.

Chinesen atmen auf: schon bald dürfen auch sie sich an der überragenden Technik und dem einzigartigen Spielvergnügen der neuen Konsolengeneration erfreuen. Xbox One und PS4 (Wii U bisher unbestätigt) werden schon sehr bald in China veröffentlicht werden. Und das wird sich lohnen: die Anzahl der potenziellen Spieler übertrifft die Gesamtbevölkerung der USA.

Vor 14 Jahren im Jahre des Herrn 2000 wurden Konsolen in China verboten. Man befürchtete eine Verrohung der Jugend. Merkwürdig allerdings dass dort pro Tag 5 neue WoW Klone produziert und veröffentlicht werden, ich persönlich halte diese Spiele für deutlich schädlicher, insbesondere für die Augen.

Nun ist der Markt also offen. Microsoft plant den Xbox One China Release bereits für den September diesen Jahres ein, von Sony war in Bezug auf die PS4 noch kein genaues Datum zu erfahren, allerdings ist klar dass man bereits die Rösser sattelt.

Etwas merkwürdig verhält es sich mit Nintendo. Sicher werden auch sie ihren Konsolenbeitrag in Form der Wii U auf dem chinesischen Markt verramschen, aber irgendwie haben die Japaner es geschafft, trotz des Konsolenbanns eine China-exklusive Konsole zu veröffentlichen, nämlich den iQue Player aus dem Jahre 2003. Das Ding besteht nur aus einem Gamepad und einer Flashkarte, auf die man sich Spiele für 48 Stunden digital ausleihen kann. Mit diesem Mechanismus wollte Nintendo den vielen Raubkopien einen Riegel vorschieben.

 

Technisch basierte das Gerät in etwa auf dem N64. Tja, und wieso war das erlaubt? Nun, Nintendo ist ja bereits seit dem SNES für eine ausgeprägte Zensurpolitik bekannt. Spiele wie Mortal Combat oder auch Wolfenstein 3D erschienen nur in stark zensierten Versionen, das heißt Nintendo baut schon lange an einem familienfreundlichen Image. Dies dürfte in der chinesischen Regierung für Wohlwollen gesorgt haben, denn auch bei der neusten Erlaubnis zur Veröffentlichung behält die große Volkspartei sich noch ein Vetorecht für einzelne Spieleveröffentlichungen vor.

Jedes Spiel muss vor der Veröffentlichung einer amtlichen Prüfung unterzogen werden, die allerdings nicht länger als 20 Tage dauern soll. Im Unterschied zur USK Prüfung wird hierbei allerdings keine Altersfreigabe herauskommen, sondern wenn der Titel in irgendeiner Weise den Anforderungen widerspricht, dann wird es in China überhaupt nicht erscheinen.

Eine Verbotsliste ist auch schon veröffentlicht worden, allerdings ist sie von ihrem Inhalt her nicht sonderlich überraschend. Folgendes ist also offiziell VERBOTEN:

  • Auf Glücksspiel basierender Inhalt oder Gamefeatures
  • Alles was die chinesische Verfassung verunglimpft
  • Alles was Chinas nationale Einigkeit, Souveränität und territoriale Integrität bedroht
  • Alles was Chinas Ruf, Sicherheit und Interessen schaden könnte
  • Alles was ethnischen Rassenhass hervorruft oder ethnische Traditionen und Kulturen beschmutzt
  • Alles was Chinas Religionspolitik angreift indem Kulte und Aberglaube verherrlicht werden
  • Alles was Obszönitäten, Drogenkonsum, Gewalt und Glücksspiel bewirbt oder dazu anstiftet
  • Alles was Chinas öffentlichen Wertvorstellungen oder Chinas Kulturen und Traditionen schadet
  • Alles was die Rechte von anderen beleidigt, verleumdet oder missachtet
  • Jeder andere Inhalt der das Gesetz missachtet

 

Ihr seht schon, im Großen und Ganzen geht es hauptsächlich um die Werterhaltung der Chinesen. Was allerdings den Punkt mit den Obszönitäten anbelangt, nun, an der Hürde dürfte so manches Spiel scheitern. Allerdings, bei einem derart großen Markt wie dem chinesischen dürfte es sich bei großen Titeln immer lohnen, eine extra für China angefertigte Version zu erstellen. Wir Deutschen können davon ja ein Lied singen. Ein kleiner Tipp für die Publisher: um die angepassten China Versionen zu erstellen könnt ihr doch einfach das Geld nehmen, das ihr benutzt hättet um eine spezielle deutsche Version zu erstellen. Und auf die deutsche Version verzichtet ihr dann. Das wäre super, so hätte jeder was davon.

Ebenfalls abzuwarten ist diese Sache mit den Raubkopien. Den Chinesen eilt ja ein gewisser Ruf voraus wenn es um geistiges Eigentum geht, und nicht jeder wird sich die teuren PS4 und Xbox One Spiele leisten können / wollen. Ob die normalen DRM Maßnahmen hierbei ausreichen ist äußerst zweifelhaft, wie oben erwähnt hat ja Nintendo bereits damals 2003 extra ein Leihsystem etabliert um diesem Problem zu entgehen.

Es bleibt auf jeden Fall spannend im Reich der Mitte, und wir halten euch auf dem Laufenden.


Über den Autor
Sascha Stieglitz | Redakteur / Marketing

Stiegi hat vor vielen Jahren auf dem 386er angefangen, sich für Videopspiele zu interessieren und zockt heute auf PC genauso wie auf Konsole und Android, am liebsten wenn eine gute Story dabei erzählt wird. Als Corsuals Marketing Director ist er außerdem für den reibungslosen Ablauf von Kampagnen verantwortlich.


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