Ubisoft spricht sich gegen DRM Maßnahmen aus

Veröffentlicht am 24.06.2014 um 15:45 Uhr von Sascha Stieglitz

Ubisoft, die früher mit übertriebenen DRM Maßnahmen Schlagzeilen gemacht haben, äußern sich geradezu revolutionär: aktuelle Kopierschutzmaßnahmen seien unangebracht.

Chris Early von UbisoftIn einem Interview hat der Vice President of Digital Publishing Chris Early regelrecht zu einer kleinen internen Revolution in seiner Firma Ubisoft aufgerufen. Um diese ganze Geschichte in einen Zusammenhang zu bringen, erinnern wir uns kurz an Ubisofts DRM Politik zurück.

Da war beispielsweise Assassins Creed 2, das Anfang 2010 auf dem Markt kam. Als DRM Maßnahme (das steht übrigens für Digital Rights Management, also Digitale Rechteverwaltung) war damals vorgesehen, dass man permanent mit dem Internet verbunden sein musste, um das Spiel (sogar den Einzelspielermodus) zu zocken.

Auf diese völlig übertriebene Maßnahme folgte selbstverständlich massiver Protest, doch erst 2011 lockerte Ubisoft das Ganze durch einen Patch. Dass die Hacker Szene keine fünf Minuten gebraucht hat um jenen nervigen Kopierschutz zu umgehen ist dabei völlig klar. Im Endeffekt wurden also nur die ehrlichen Käufer bestraft.

Zu einer ähnlichen Ansicht ist wohl auch Chris Early gekommen. Wir zitieren:

 

What becomes key for us is making sure we're delivering an experience to paying players that is quality. I don't want us in a position where we're punishing a paying player for what a pirate can get around. Anything is going to be able to be pirated given enough time and enough effort to get in there. So the question becomes, what do we create as services, or as benefits, and the quality of the game, that will just have people want to pay for it?

 

Zusammenfassend kann man also sagen, dass zumindest Chris Early das oben beschriebene Problem erkannt hat. Doch die Frage ist, was will Ubisoft stattdessen tun? Wollen sie ähnlich wie CD Project mit GoG.com (wo ja bereits jetzt einige ältere Ubisoft Titel völlig DRM-frei angeboten werden) komplett auf Kopierschutzmaßnahmen verzichten? Offiziell hatte man sich im Juni 2011 von der verhassten permanent-Verbindung zum Internet getrennt und stattdessen wie bei Steam eine einmalige, nicht übertragbare Onlineaktivierung eingeführt. Diese darf man, ebenfalls wie bei Steam, auf so vielen Geräten vornehmen wie man möchte. An sich ist das ja OK, über Valves Plattform meckert ja schließlich auch keiner. Was soll also anders werden? Welche Pläne verfolgt Chris Early? Dieses Zitat gibt uns Einblick in seine Denkweise:

 

I think it's much more important for us to focus on making a great game and delivering good services. The reality is, the more service there is in a game, pirates don't get that. So when it's a good game and there's good services around it, you're incentivized to not pirate the game to get the full experience.

 

Man wolle sich also darauf konzentrieren, wirklich gute Spiele zu machen. Spiele, für die die Leute gerne ihr Geld ausgeben, Spiele, die sie gar nicht klauen wollen. Weiter fügt er an, dass man mehr Online Funktionen bieten müsse, denn diese könnten die Piraten nicht stehlen.

Im Endeffekt bleibt DRM ein leidiges Thema. Die Leute, die tatsächlich Raubkopien nutzen, haben in der Regel leider kein schlechtes Gewissen. Von den DRM Maßnahmen kriegen sie normalerweise gar nichts mit, da sie die entsprechende Software direkt mit einem Crack herunter laden.

Ob DRM Maßnahmen, in welcher Form auch immer, Raubkopien unterdrücken, ist stark umstritten. Besonders ehrliche Käufer, die sich immer wieder mit Blödsinn herum ärgern müssen, nur um zu beweisen, dass sie keine Diebe sind, werden mit der Zeit immer wütender und frustrierter. Der Wille, Geld für jenen Hersteller, der einem sowas zumutet, nimmt dabei stark ab. Man könnte also in einigen Fällen durchaus so weit gehen und sagen, dass DRM Maßnahmen den Piraten in die Hände spielen.

Ein Aspekt, der durch die illegale Verbreitung immer wieder gerne von den Herstellern übersehen wird, ist der Werbeeffekt. Nicht umsonst haben die Entwickler von Hotline Miami sogar die illegale Verbreitung unterstützt indem sie die Torrents selbst geseeded haben – und durch die höhere Bekanntheit konnten sie wiederum mehr ehrliche Käufer für sich gewinnen.

Ob man nun also zwanghaft irgendwelche Online Funktionen integriert, das bleibt jedem Hersteller natürlich selbst überlassen. Allerdings wenn man das tut, dann sollte man es aufgrund des Spieles machen, und nicht um die Raubkopierer abzustrafen.

Allgemein täte man gut daran, den PC Spielern nicht immer wieder den Mittelfinger zu zeigen. Kürzlich gab es beispielsweise Gerüchte, dass The Devision aufgrund der antiken PS4 und Xbox One Hardware auch für den PC grafisch heruntergeschraubt wird – die beiden neuen Konsolen sollen nicht im Schatten des PCs so veraltet aussehen, wie sie nun mal sind.

Über die ganz ähnlichen Vorfälle mit Watch_Dogs haben wir ja bereits berichtet. Solche Aktionen müssen ausbleiben, dann wäre man nämlich der Spielerschaft sympathisch. Und mehr Sympathie bringt mehr ehrliche Käufer.

Anderseits darf man das Thema der Raubkopien natürlich auch nicht verharmlosen oder gar billigen. Ich denke aber, hier sind wir Spieler selbst gefragt. Wenn wir wollen, dass die Hersteller in Zukunft gute Titel bringen, dann sollten wir alle in unseren Bekanntenkreisen dafür sorgen, dass sich jeder eine eigene Kopie der jeweiligen Titel besorgt. Wir dürfen Raubkopierer nicht tolerieren, denn im Endeffekt sind sie und nicht die Hersteller schuld daran, dass es überhaupt DRM Maßnahmen gibt.

Quelle: Gamespot


Über den Autor
Sascha Stieglitz | Redakteur / Marketing

Stiegi hat vor vielen Jahren auf dem 386er angefangen, sich für Videopspiele zu interessieren und zockt heute auf PC genauso wie auf Konsole und Android, am liebsten wenn eine gute Story dabei erzählt wird. Als Corsuals Marketing Director ist er außerdem für den reibungslosen Ablauf von Kampagnen verantwortlich.


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