Rakard Kingdoms

Rakard Kingdoms Review

Review

Der König ist tot, lang lebe der König!

In einem Zeitalter voller Gier und Missgunst konkurrieren verschiedene Blutlinien um die Vorherrschaft auf dem Kontinent. Wer unter den tausenden Spielern hat die Anlagen, zum unangefochtenen Herrscher aufzusteigen? Rakard Kingdoms gibt den Spielern eine breite Palette strategischer Mittel an die Hand, um ihr Reich möglichst erfolgreich zu expandieren und ihren Anspruch auf den Thron von Rakard gegen andere Anwärter zu behaupten. Das Browsergame von den Crafty Studios bietet damit Mittelalter-Aufbaustrategie in oft vermisster Spieltiefe. 

Rein grafisch präsentiert sich Rakard Kingdoms geradezu klassisch; mittelalterliche Dörfer und finstere Festung sind in isometrischen 2D dargestellt, trotz geringfügiger Animationen und hoher Details versprühen die Grafiken aber eher den Charme einer statischen Miniaturlandschaft, durch die man gerne Schienen für eine Modelleisenbahn verlegen würde. Sie ist hübsch anzusehen, kommt ohne Flash aus und ist absolut zweckmäßig. Die eigentliche Faszination von Rakard liegt anderswo, nämlich in den breit gefächerten Möglichkeiten auf dem Weg nach oben.

Der Spieler übernimmt die Kontrolle über ein karges, zunächst namenloses Dorf, das ihm als Fundament für seinen ehrgeizigen Aufstieg zum Herrscher über alle Clans dienen soll. Die zoombare Karte mit Blick auf den weiten Kontinent ist die Grundlage für alle strategischen Entscheidungen, die mit den wirtschaftlichen, diplomatischen oder militärischen Ausweitungen der eigenen Ländereien zusammenhängen. Hier finden sich Informationen zur Stärke von Nachbarn, es lassen sich aber auch Wassergräben ziehen oder dem Dorf vorgelagerte Gebäude errichten. Zudem schickt man hier direkt Truppen auf den Marsch gegen Gegner.

Rakard Kingdoms fordert seine Spieler gerade im miteinander und gegeneinander mit im Browserbereich oft vermisster Tiefe. Wie komplex der Aufstieg sein kann, zeigt sich schon am großzügig bemessenen Anfängerschutz, der in Rakard Kingdoms einen ganzen Monat währt. Quests dienen nur zum Anlernen und werden im Machtkampf zwischen den Usern zur gelegentlichen Nebenaktivität. Das Tutorial zu Beginn weist den Spieler in die Bedienführung, das grundlegende Wirtschaften und erste Baufunktionen ein. Neubauten erweitern die Möglichkeiten der Siedlung, eröffnen neue Wege zur Sicherung grundlegender Rohstoffe oder Herstellung von Waren. Handel ist ein wesentliches Element des Spiels, denn der Spieler teilt sich den Kontinent mit realen Mitspielern, mit denen er früher oder später in Kontakt treten wird. Rechts im Bild ankert ein Chatfenster, mit der ein Spieler aufdringliche Konkurrenten bedrohen darf oder potentiellen Handelspartnern auf den Zahn fühlt. Stimmt das Angebot eines anderen Dorfvorstehers, schickt man seine Lastkarren zum Warentransport auf den Weg.


Die bescheidenen Anfänge

Ihr schaltet im Spiel zwischen der Kartenansicht und der Dorfansicht hin und her. Als Herrscher muss man Untertanen ernähren und unterbringen, also legt der Spieler im Dorf Weizenfelder an und gibt Wohnhäuser in Auftrag. Es gilt die Rohstoffversorgung sicherzustellen, also müssen Minen ins Erdreich getrieben werden und Holzfällerhütten erbaut werden. All, das geschieht in Menüs, Gebäude werden nicht in der Dorfansicht platziert, sondern erscheinen nach Beendigung der Bauphase an dem für sie vorgesehenen Platz oder ersetzen gegebenenfalls alte Gebäude. So weichen die schiefen Holzhütten langsam einer massiven Steinsiedlung, die mit bis zu 22 Gebäudearten zu einem imposanten Anblick heranreift. Interessierte Spieler haben über Payments die Möglichkeit, die Ausbauzeiten ihrer Gebäude gering zu halten, alle anderen müssen sich bei Bauaufträgen und anderen Prozessen oft eine Weile gedulden, bis der neue Stall oder die Kaserne funktionsbereit ist. Dasselbe gilt für die Bauschleifen von Forschung, Waffen und Einheiten.

Sobald die Wirtschaft in Schwung kommt, darf man Steuern erheben, aber die schlägt euren Dörflern je nach Höhe mehr oder weniger auf die Moral - die Rohstoffproduktion droht gleich wieder zu erlahmen. Dasselbe gilt, wenn eure Arbeiter Hunger leiden, weshalb die Kornspeicher immer gut gefüllt sein sollten. Die Moral bestimmt auch die Kampfstärke eurer Armee. Rakard Kingdoms legt den Mangel an einem der Rohstoffe als Charakteristik jeder Dorfgründung fest: Der muss dann zwingend durch Handel, Raubzüge oder Eroberung kompensiert werden, oder das Dorf kann sich nicht entwickeln. Das Land ist übersät mit Barbaren-Dörfern, also NPC-Siedlungen, an denen Spieler ihre militärischen Talente auf die Probe stellen können. 


Schnick-Schnack-Schnuck unter Blaublütern

Das Ausheben einer eigenen Armee, zumindest zur Verteidigung der eigenen Ländereien, ist in Rakard jedem Spieler wärmstens ans Herz zu legen. Wer als redseliger Diplomat gilt, wird sich wundern, wie schnell andere Spieler einem die Rohstoff-Lager plündern. Mit ein paar Wachtürmen vor dem Dorf und einer Reihe Bogenschützen macht man solchen Raubzügen ein schnelles Ende.

Auch Diplomatie meint zuallererst die militärische Kooperation mit Mitspielern. Rakard Kingdoms gewährt über eine Liste einen Überblick über alle anderen Spieler, die gerade online sind. Die Weltkarte hat gigantische Ausmaße und ist, entsprechend viele Interessengruppen wird man vorfinden. Man darf einem bestehenden Clan beitreten oder zusammen einen neuen Clan gründen. Beide Varianten eröffnen einem neue taktische Möglichkeiten. So darf man den Usern vom Clan mit den eigenen Truppen aushelfen, falls deren Fronten Verstärkung nötig haben.

Die militärischen Einheiten funktionieren nach dem Prinzip Stein-Schere-Papier: Jeder Typ hat einen Lieblingsgegner, gegen den er besonders effektiv ist, und einen Angstgegner, der sie problemlos niedermacht. Entsandte Einheiten braucht je nach Typ eine Weile, um ihr Ziel zu erreichen und den Kampf aufzunehmen. Schlachten zwischen Spielern sind taktisch zu planen - in Vorbereitungsphasen überlegen sich die Spieler jeweils Wellen von Einheitenkombinationen die aufeinandertreffen. Die Verteidigungs- und Angriffswerte von Reitern, Bogenschützen etc. werden verglichen, bis eine Seite aufgerieben ist und die nächste Kampfrunde beginnt. 


Fünfzehn Minuten Ruhm

Im späteren Spielverlauf darf man weitere Dörfer gründen oder sie mit Waffengewalt erobern. Stehen kontrollierte Dörfer auf der Karte eng beieinander und sind voll ausgebaut, darf man sie zu einer Burg zusammenschließen, die einem ermöglicht viel effektiver zu forschen, Waffen zu schmieden und Truppen auszubilden. Die großen Festungen belegen später sogar den Platz von 16 Dörfern. Solche Zusammenschlüsse erleichtern die Verwaltung und eröffnet Boni auf die Waffenproduktion und die Errichtung von Wehranlagen.

Glaubt man die Zeit sei reif und hat zumindest eine Burg, darf man sich zur Königswahl stellen. Die Community sägt permanent am Stuhl des höchsten Staatsmanns, mit genügend Unterstützern kann prinzipiell jeder der Anwärter zum neuen Herrscher von Rakard werden. Unterstützer, die ein größeres Gebiet der Karte kontrollieren, haben dabei einen größeren Einfluss auf den nächsten König als Spieler mit kleineren Ländereien.  So gewichtet wird ein neuer König bestimmt und mit besonderen Privilegien ausgestattet.

Auch ohne Krone auf dem Haupt kann jeder Spieler seinen eigenen Aufstieg verfolgen. Dabei helfen Ranglisten, die einen mit den etwa gleich entwickelten Konkurrenten vergleichen. Dabei wird zum Beispiel nach Wohlstand, militärischen und wirtschaftlichen Erfolgen unterschieden, sodass einem Stärken und Schwächen der eigenen Spielweise vor Augen geführt werden. 


Fazit

Alles in allem bietet das Browser-MMO Rakard Kingdoms langfristig angelegtes Mittelalter-Taktieren mit erfrischend komplexen Möglichkeiten. Als Herrscher eines aufstrebenden Imperiums hat der Spieler alle Hände voll zu tun - sei es mit dem Ausheben einer schlagkräftigen Armee, den Verhandlungen unter Mitspielern oder dem Verwalten eurer Ländereien und Untertanen. Für wen Casual Gaming ein Unding ist, für den hat Entwickler Crafty Studios anspruchsvolles Gameplay der alten Schule neu aufgelegt.



Über den Autor
Matthias | Editor/Redakteur

Matthias kennt sich aus in Sachen Browsergames. Sein fundiertes Fachwissen über jede Menge Action und spannende Abenteuer im Browser gibt er auf Corsual zum Besten!


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