Rift

Rift Review

Review

RPG-Veteran

Das MMORPG Rift wurde von Trion World Network entwickelt und deren Gründer ist Jon van Caneghem. Der könnte Rollenspiel-Veteranen durchaus bekannt vorkommen, denn mit New World Computing erschuf er die Might & Magic RPG-Reihe und den Strategie-Ableger Heroes of M & M. Mit Rift wagte sich Van Caneghem nun auf neues Terrain und etablierte letztes Jahr ein neues MMO auf dem hart umkämpften Markt.

 

Was beim ersten Blick auf Rift sofort auffallen dürfte ist der westliche Look. Während viele Vertreter des Genres auf ein eher verspieltes, asiatisches Aussehen setzen, hat sich Rift viel vom typisch westlichen Rollenspiel-Look bewahrt. Und den setzt man Dank moderner Technik auch bestens in Szene. Wer über einen leistungsstarken Rechner verfügt, der erlebt hier Abenteuer in feinster HD-Optik. Natürlich können auch Besitzer von einfacheren Systemen mitspielen, aber mit der passenden Hardware bietet Rift eine Grafik, die zum Besten gehört, was die MMO-Welt zu bieten hat. Doch das Spiel hat noch wesentlich mehr zu bieten als nur eine schöne Optik.


In ständiger Gefahr

Die Welt Telara dient als Schauplatz für all eure Abenteuer. Sie ist riesig groß und reich an Ressourcen und daher eigentlich der ideale Ort für ein friedliches Zusammenleben unterschiedlichster Völker. Doch schon seit Anbeginn der Zeit sorgen Habgier und Neid dafür, dass Telara nicht zur Ruhe kommt und immer wieder zum Schauplatz martialischer Auseinandersetzungen wird.

Dabei sollten die Völker eigentlich zusammenhalten, denn Telara ist zwar mit natürlichen Schätzen gesegnet, aber die geografische Lage könnte gefährlicher kaum sein. In der Welt von Rift gibt es sogenannte Elementar-Ebenen, die man im weitesten Sinne mit unseren Kontinental-Platten vergleichen kann. Wie der Name schon sagt, sind die Ebenen in Telara stellvertretend für die sechs Elemente: Erde, Wind, Feuer, Wasser, Leben und Tod. Genau an der Stelle, wo all diese Elementar-Ebenen zusammentreffen liegt die Welt von Telara.

Jede dieser Ebenen wird von einer Drachen-Gottheit beherrscht und gemeinsam bilden sie den Blutsturm. Eine mächtige Allianz, welche sich das Ziel gesetzt hat, in Telara einzufallen und die Macht zu übernehmen. Den ersten Angriff konnten die Bewohner noch zurückschlagen und den Zugang zu den Ebenen zunächst verschließen, doch nun versuchen sie es erneut. Überall auf Telara entstehen plötzlich Risse (die namensgebenden Rifts), aus denen gefährliche Kreaturen emporsteigen, sofern die Risse nicht rechtzeitig wieder geschlossen werden. Bleibt ein solcher Riss von den Spielern unbemerkt, dann kann es passieren, dass die Wesen marodierend umherwandern und sogar Ortschaften einnehmen.

Dadurch entsteht in Rift eine erfrischende Dynamik, die jeden Streifzug durch die Welt ein wenig anders verlaufen lässt. Wo gestern noch ein idyllisches Wäldchen war ist heute vielleicht schon ein riesiger Riss, der den Wald verschlungen hat. Genauso kann es passieren, dass zufällig ein reisender Händler euren Weg kreuzt und besonders seltene Waren zu guten Preisen feilbietet. Dank der dynamischen Spielwelt könnt ihr nie sicher sein, was hinter dem nächsten Hügel auf euch wartet.


Glaube oder Technologie

Wer in der Welt von Telara überleben möchte, der braucht Verbündete und die findet er entweder bei den Wächtern oder den Skeptikern. Beide Fraktionen wollen zwar in erster Linie die Drachen zurückschlagen und so die Welt vor ihrem endgültigen Untergang bewahren, doch ihre Auffassungen darüber, wie man dieses Ziel erreicht könnten kaum unterschiedlicher sein. Das liegt vor allem an ihren grundverschiedenen Weltanschauungen.

Die Wächter sehen sich als Auserwählte der Götter und heilige Krieger im Kampf gegen die mächtigen Drachen. Auf Kreuzzügen quer über die Kontinente versuchen sie die Invasoren auszulöschen und allen Ungläubigen das Fürchten zu lehren. Diese Union setzt sich aus den drei Völkern zusammen, die sich den Göttern schon immer am nächsten fühlten. Da wären die furchtlosen Mathosianer, die weisen Hochelfen und die standhaften Zwerge. Jedes dieser Völker kam einst durch die Taten seines Anführers vom rechten Weg ab und darum sind sie nun umso erbarmungsloser auf ihrer Suche nach Sühne und Erlösung.

Den Wächtern gegenüber stehen die Skeptiker. Ihnen sind die Götter völlig egal und sie wollen sich nicht darauf verlassen, dass sie von ihnen gerettet werden. Sie sind wesentlich pragmatischer veranlagt und vertrauen nur auf ihr eigenes Können und die von ihnen erschaffene Technologie. Das macht sie in den Augen der Wächter zwar zu Ketzern und Verbrechern, doch das ist ein Preis, den die Skeptiker bereit sind zu zahlen. Aus ihrer Sicht kann die Invasion nur mit neuartiger Magie und trickreichen Kriegsmaschinen besiegt werden. Glaube, Gebete und die Tempel der Wächter sind für sie nur unnütze Relikte aus einer längst vergangenen Zeit.


Seele und Berufung

Als Kämpfer für die Wächter oder die Skeptiker werdet ihr zu einem Auserwählten. Sie sind die Helden Telaras und die einzige Rettung für die Welt. Als Auserwählter verfügt ihr über viele Kräfte, aber die Seeleneinstimmung ist die mächtigste Fähigkeit von allen. Mit ihr erlangt ihr Kontrolle über die Seelen von Helden, die in den blutigen Schlachten der Vergangenheit ihr Leben lassen mussten. Nur wer diese Gabe weise einsetzt, kann es mit den Drachengöttern aufnehmen.

Bevor ihr die Geheimnisse der Seelen und ihrer vielfältigen Eigenschaften ergründen könnt, müsst ihr euch aber erst mal für eine von vier Klassen entscheiden. Die bestimmen nicht nur die grundlegende Ausrichtung eurer Figur, sondern im späteren Spielverlauf auch, von welchen Seelen ihr Gebrauch machen könnt.

Selbstverständlich darf da der raubeinige Krieger nicht fehlen. Im Leben dieser tapferen Recken dreht sich fast alles um Waffen, Taktik und den nächsten Kampf. Ganz egal in welche Richtung er sich spezialisiert hat, für den Krieger spielen Disziplin, der offene Nahkampf und stetes Training eine zentrale Rolle. Als Einheiten an vorderster Front einer jeden Schlacht sind diese Dinge für jeden von ihnen überlebenswichtig. Ihr hartes Training macht sie zu zähen Gegnern, deren größte Waffen die eigene Kondition und eine unbändige Kraft sind. Das spiegelt sich auch in der Ausrüstung wieder, die mit schweren Rüstungen sowie riesigen Schwertern und Äxten vor allem für direkte Auseinandersetzungen geschaffen ist.

Deutlich tiefgründiger geben sich hingegen die Kleriker. Obgleich auch sie fähige Kämpfer sind, die sich mit erhobenem Kriegshammer ins Kampfgetümmel stürzen können, verlassen sie sich auch auf ihren Intellekt und das Wissen vergangener Generationen. Sie kombinieren die grundlegenden Tugenden eines Kriegers mit spiritueller Disziplin. Sie gehen Verbindungen mit höhere Wesen, den Schutzgottheiten ein. Diese gewähren ihnen Zugang zu okkulten Fähigkeiten. Somit sind sie in der Lage sich selbst und ihre Verbündeten mit Zaubersprüchen unterschiedlichster Art zu Stärken und gleichzeitig Schwächen auszugleichen. Sie sind sowohl inmitten der Gefechte zu finden als auch in Form von Unterstützenden Truppen in der zweiten Reihe. Mit ihren außergewöhnlichen Heil- und Unterstützungszaubern haben sie schon so manchen Kämpfer vor dem Tode bewahrt.

Doch keine Schlacht wird allein durch pure Muskelkraft oder spirituelle Stärke gewonnen. Ein cleveres und trickreiches Vorgehen kann den Verlauf einer Schlacht schnell ändern und dabei helfen unnötige Verluste zu vermeiden. Die Schurken haben sich genau darauf spezialisiert. Sie sehen sich als Krieger, deren Muskeln zwar nicht so groß und deren Waffen nicht so mächtig sind, aber dafür über Wendigkeit und einen scharfen Verstand verfügen. Sie warten im Verborgenen auf den perfekten Moment und schlagen dann blitzschnell zu. Oft bemerkt der Feind sie erst, wenn es längst zu spät ist. Als Aufklärer sind die Schurken unverzichtbar für eine erfolgreiche Planung.

Anders als die übrigen Klassen verlassen sich die Magier allein auf ihr Wissen und ihre spirituellen Fähigkeiten. Natürlich tragen auch viele Magier einen Dolch oder ein Kurzschwert bei sich, doch sie würden nur im Notfall davon Gebrauch machen. Ihre Konstitution lässt die nötige Kraft für eine offene Konfrontation vermissen und sie bevorzugen ohnehin den Einsatz ihres überwältigenden Intellekts. In unzähligen Forschungen und Experimenten haben sie die Elemente analysiert und schließlich einen Weg gefunden, sie sich untertan zu machen. Das macht sie zu erstklassigen Fernkämpfern, die ihren Feinden fürchterliche Magie entgegen schleudern. Manche von ihnen nutzen diese unbändige Kraft jedoch auch, um ihren Kameraden im Kampf zu helfen und sie zu heilen oder zu stärken.

Sobald ein Auserwählte die genügend Erfahrung und das nötige Wissen erlangt hat, kann er die Seeleneinstimmung vollführen. Die Seelen der Gefallenen eröffnen jeder Klasse ungeahnte Möglichkeiten und erlaubt es ihnen, sich an jede Situation anzupassen. Die erfahrensten unter ihnen können sogar bis zu drei Seelen gleichzeitig an sich binden.

Jede Klasse darf aus jeweils acht verschiedenen Seelen wählen. Auf diese Weise kann ein Krieger beispielsweise zu einem Bestienmeister aufsteigen und sich die Hilfe eines Geistertieres sichern. Ein Schurke kann durch die Seelen zu einem hilfreichen Barden werden, der seinen Gefährten mit Gesängen und Lautenspiel in den schwierigsten Kämpfen neuen Mut macht. Natürlichen haben die Seelen selbst auch noch einmal verschiedenste Attribute, die es optimal zu nutzen gilt. Die Möglichkeiten sind überwältigend und es bleibt vollkommen euch überlassen, wie ihr eure Seelen kombinieren wollt. Ihr könnt euch bis zu sechs sogenannte Rollen aneignen und dann immer das passende Set an Seelen anlegen, wenn ihr euch einer neuen Situation stellt.


Kämpfen und arbeiten

Telara stellt euch vor knifflige Aufgaben und wo auch immer eure Stärken liegen, es gibt immer den passenden Job für euch. Neben den unberechenbaren Rissen gibt es noch eine Menge mehr zu tun. Ihr könnt euch zum Beispiel ein treues Reittier kaufen. Das nötige Geld kann man zwar auch durch Quests verdienen, doch es kann sicher nicht schaden, wenn ihr eure Schatzkiste mit einer Nebentätigkeit auffüllt. Ihr habt nämlich auch die Möglichkeit, Berufe zu erlernen und als Apotheker oder Waffenschmied waren zu erstellen und diese zu verkaufen oder selbst zu nutzen.

Außerdem könnt ihr natürlich auch gegen andere Spieler antreten und in kleinen Duellen oder den großen Kriegsfronten um die Vorherrschaft kämpfen. Die stärksten Spieler wagen sich mit gleichgesinnten an die Schlachtzüge und stellen sich dort zum Beispiel dem Drachen Grünschuppe entgegen. Das ist zwar sehr gefährlich aber dafür warten auf die Überlebenden großartige Schätze.

Rift mag noch nicht so lange auf dem Markt sein, aber die Entwickler veröffentlichen fleißig Updates und am 13. November erscheint Storm Legion, das erste Addon. Wenn ihr euch also nun auch in die Welt von Telara begeben wollt, dann habt ihr zwei Möglichkeiten. Ihr könnt zum einen ein Abo abschließen und dann das volle Spiel erleben oder ihr dreht erst mal ein Paar Runden in der Probeversion Rift Lite, die euch bis Level 20 spielen lässt.



Über den Autor
Roberto | Redakteur

Roberto begann seine Videospiel-Karriere mit dem SEGA Mega Drive und seit seinem ersten Kontakt mit Sonic und Co. sind Videospiele ein fester Bestandteil seines Lebens. Er hat eine besondere Schwäche für die Indie-Szene und experimentelle Spiele, die sich nicht den üblichen Genre-Konventionen unterwerfen.


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