Rising Cities

Rising Cities Review

Review

Vom Fleck auf der Landkarte zur Mega-City

Rising Cities ist Free-to-Play-Städtebau in zeitgemäßer Optik und Publisher Bigpoints aktueller Versuch, Browserspieler für einen traditionsreichen Zweig des Strategie-Genres zu begeistern. Das Spielziel solcher Titel ist klar: Wachsen, bis die Häuser an den Wolken kratzen. Wer als Schirmherr einer 'Rising City' bestehen will, muss Wirtschaft, Infrastruktur und Bauplanung mit dem Faktor 'Mensch' unter einen Hut bekommen.  Als Bürgermeister habt ihr es in der Hand, eurer taufrischen Neugründung einen Namen zu machen.


Yo, wir schaffen das!

Gebäude schießen in Rising Cities nicht einfach aus der Erde, stattdessen wird der Bau für 'CityCredits' in Auftrag gegeben. Eine Baustelle erscheint, auf der unter Verwendung von Rohstoffen und Arbeitskraft nach und nach ein neues Domizil oder eine Fabrik entsteht. Entscheidet ihr euch, bestehende Gebäude um eine Ausbaustufe zu verbessern, verlieren diese vorübergehend ihre Funktion und werden ebenfalls zur Baustelle. Fertige Gebäude stehen aber scheinbar auf Rollen, denn ihr könnt ihre Position jederzeit per Drag&Drop verändern - Praktisch!

Im Architekturbüro dürft ihr Baupläne sichten, in eurem Warenhaus könnt ihr die momentan gelagerten Baumaterialen einsehen. Euer Bestand an Ziegeln, Granit, Hölzern und verschiedensten anderen Rohstoffen entscheidet, ob ihr den gewünschten Bau vollenden könnt oder erst Nachschub organisieren müsst. Prinzipiell könnt ihr alles selbst in der Natur abbauen oder produzieren, indem ihr eure Industrie entsprechend breit fächert. Mit dem Spielermarkt steht euch aber auch eine der vielen sozialen Funktionen offen, mit der ihr eure Überproduktion gegen die Waren anderer Spieler eintauschen könnt, je nachdem was ihr gerade für euer Bauvorhaben benötigt.

Mit jedem dieser parallel betriebenen Bauprozesse und Aktionen erhält man als Bürgermeister Erfahrungspunkte, solange bis schließlich die nächste Beförderung ansteht. Mit erspielten Levels dürfen aufwendigere Bauten realisiert werden, die eure Stadt um neue Funktionen und Angebote erweitern. Immer ein Thema sind die Quests, die ihr parallel zu eurem Städtebau in Angriff nehmt. Sie bringen zusätzliche Abwechslung ins Spiel und belohnen einen mit Ressourcen, außerordentlichen Baugenehmigungen und vielem anderen.


Das Einmaleins des Immobilienmarkts

Jedes gebaute Wohnhaus bedeutet über die Miete, Einkünfte für die Stadtkasse. Die Bewohner sind aber nur bei vollkommener Zufriedenheit bereit, die Höchstmiete in 'CityCredits' abzudrücken. Die Lebensqualität in einem Haus hängt aber nicht nur von diesem Selbst ab, sondern auch von der Wohnumgebung und der bestmöglichen Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs.

Fast jedes Gebäude hat Auswirkungen auf den Energiehaushalt und die Anwohnerzufriedenheit - so speisen Kraftwerke zwar Energie ins Netz der Stadt, die Leute sehen die rauchenden Ungetüme aber ungern durch ihr Wohnzimmerfenster. Besser gefällt ihnen ein Fitnessstudio oder das Sportstadion, aber auch die benötigen natürlich von irgendwoher Strom. Es sind also Kompromisse angesagt, im Fall der Fälle stehen Grünanlagen und andere Deko-Elemente bereit, um die Wohnqualität nahe der Industrie wieder auf ein akzeptables Niveau zu heben.

Zugleich müsst ihr euch bei Erstvermietung neuer Domizile entscheiden, wer denn nun hier einziehen darf: Sollen es fleißige Arbeiter oder kapitalstarke Yuppies sein? Holt man sich einen Malocher ins Haus, profitiert man beim Städtebau von zusätzlichen Produktionspunkten, kassiert aber weniger Miete als vom Kapitalisten.


Brot und Spiele für den Pöbel

Auch wenn ihr es an der Spitze besser wisst als der kleine Mann auf der virtuellen Straße, wer die Wünsche seiner Bürger als Unsinn abtut und vernachlässigt, verliert schnell die Gunst der Bewohner. Sinkende Stimmung schlägt sich direkt in finanzielle Einbußen um. Um eure Stadtgrenzen regelmäßig zu erweitern und neues Bauland zu erschließen, braucht ihr aber Geld in den Kassen. In solchen Fällen hilft vielleicht die Teilnahme an besonderen Events des Spiels, um die Stimmung der Bürger wieder zu heben. Clevere Bürgermeister holen einfach mal den Zirkus in die Stadt.

Auf lange Sicht sollte man aber dafür sorgen, dass die Menschen bekommen, was sie für ein zufriedenes Leben brauchen. Einkaufsläden mit verschiedenen Waren sollten zum Beispiel flächendeckend gegeben sein - denn wenn am Wochenende die Brötchen ausverkauft sind, verärgert das eure Bürger. Gebäude mit Versorgungsfunktion haben immer ein Einzugsgebiet, alle Wohnungen jenseits des Gebietes gehen leer aus. Vorausschauende Städteplaner halten deshalb immer etwas Bauplatz frei, um wichtige Gebäude zentral und für alle erreichbar in Wohngebieten positionieren zu können. 


Ganz nah am Puls der Stadt

Eine gesunde Stadt ist ein Organismus - Sie hat einen empfindlichen Kreislauf, den ein guter Bürgermeister ständig überwacht und mit strategischen Entscheidungen fördert. Sehr organisch wächst eure Stadt aber nicht, stattdessen spiegelt eure Stadt den amerikanischen Siedlungsstil wieder, in der die Straßen schnurgerade an Wohngebieten, Farm- und Industrieanlagen vorbeiführen und weitere Straßen nur im rechten Winkel kreuzen. Das geht natürlich auf das zugrunde gelegte Parzellen-Prinzip des Spiels zurück, das für jedes Gebäude ein mehr oder weniger großes, rechteckiges Grundstück verlangt. So habt ihr auch die Möglichkeit die Grenzen eurer Stadt in Form neuer Planquadrate zu erweitern. Eure Stadtansicht steht deshalb ein wenig im Kontrast zur umgebenden Natur, deren Flüsse, Seen und Hügel sich in Kurven durch die Landschaft ziehen. Sie wird durch 'Aufräumarbeiten' von ihrer Unordnung befreit und Rechteck für Rechteck erschlossen.

Für dieses Manko versöhnen die einzelnen Gebäude mit ihrer liebevollen Gestaltung. Dank ihrer Vielfalt in Farbe, Form und Größe machen sie eine gut ausgebaute Stadt zu unverwechselbarem Augenfutter. Ein hoher Wuselfaktor sorgt dafür, dass sich der Übergang vom kleinen Hinterwäldlerkaff zur pulsierenden Großstadt grafisch deutlich abzeichnet. Mit der Architektur und den Ausbaustufen späterer Level strecken sich die Bauwerke höher und höher in den Himmel, immer mehr Fußgänger und Autofahrer sind auf den Straßen der Stadt unterwegs und euer Rathaus wird immer monumentaler. Von Beginn an erscheinen über den Gebäuden regelmäßig Statussymbole, etwa wenn Miete kassiert wird oder ein Bauvorhaben abgeschlossen wurde.

Damit die Übersicht nicht unter der Fülle an Details und Infos leidet, lässt sich die Sicht auf die Stadt leicht per Maus in alle Richtungen scrollen und stufenweise vergrößern, zudem könnt ihr verschiedene Info-Ansichten aktivieren, um beispielsweise Unterversorgung mit Waren oder Energie besser analysieren zu können oder das kleine freie Grundstück zwischen wuchtigen Wolkenkratzern schnell wiederzufinden.   

Die Fülle der Funktionen im Browsergame sind beachtlich, für eine Städte-Simulation hält sich die Belastung für den Spieler aber in Grenzen. Hier brechen keine Feuersbrünste aus, Kriminalität ist kein Thema und Godzilla hat sich bislang auch noch nicht angekündigt. Rising Cities stellt ganz klar die Freude am Erschaffen ins Zentrum: Wenn man beim Schalten und Walten auf die Balance zwischen Lebensqualität und Produktivität achtet, kann man sich schon früh im Spiel über ein florierendes Vorzeigestädchen freuen, das ein stabiles Fundament für das Spielziel der eigenen Metropole darstellt.



Über den Autor
Christina | Editor/Redakteurin

Christina ist eine Expertin wenn es um Browserspiele geht. Egal ob MMO oder Gelegenheitsspiele - Christina kann sich für alles begeistern.


comments powered by Disqus