Steckt Crytek in finanziellen Schwierigkeiten?

Veröffentlicht am 23.06.2014 um 15:03 Uhr von Roberto

Angeblich stand das weltbekannte Entwicklerstudio aus Frankfurt am Main bereits kurz vor dem Bankrott.

Crysis 3 ScreenshotEs gibt in Deutschland zwar nicht gerade viele Entwicklerstudios, aber mit Crytek haben wir immerhin eines, das in der ganzen Welt bekannt ist. Dank Spielen wie Far Cry, der Crysis-Serie oder dem jüngst erschienen Xbox One-Exclusive Ryse zählt das Studio zu den wohl größten Entwicklern im AAA-Bereich und mit der CryEngine legen sie regelmäßig die Messlatte für High-End-Grafiken ein Stückchen höher.

Da müsste man eigentlich denken, dass sich das auch auf dem Konto bemerkbar macht, aber wie jetzt aus einem Bericht von Gamestar (nur für Abonnenten von Gamestar-Plus verfügbar) hervorgeht, ist eher das Gegenteil der Fall. Angeblich stand Crytek im April kurz vor dem Bankrott, den man nur in letzter Minute mit einer neuen Finanzspritze abwenden konnte.

Offenbar haben die letzten Spiele nicht die erhofften Verkaufszahlen erreicht und auch der Vorstoß in den Free to Play-Bereich hat sich bislang nicht so recht ausgezahlt. Mit Gface hat man sogar eine eigene Spieleplattform aufgebaut, die als eine Art Facebook für Spieler gedacht war und vor allem die hauseigenen Free to Play-Entwicklungen wie den Online-Shooter Warface mit neuen Spielern versorgen sollte. Außerdem läuft das Lizenz-Geschäft noch immer sehr schleppend, da die CryEngine trotz (oder vielleicht gerade wegen?) ihrer fortschrittlichen Technik nach wie vor nur wenig Anklang bei Entwicklern findet.

Das allein könnte ein Unternehmen wie Crytek wohl noch verkraften, aber in den letzten Jahren plünderte man die einst gut gefüllte Kriegskasse und expandierte, indem man für etliche Millionen diverse Entwickler und Markenrechte aufkaufte. Zuletzt bediente man sich beim bankrotten THQ und holte Vigil Games, die Macher von Darksiders, ins Boot. Mittlerweile gehören acht weitere Studios zum Unternehmen und insgesamt sind etwa 800 Mitarbeiter rund um den Globus Teil der Crytek-Familie. Eine Entwicklung, die sich vermutlich auch die Yerli-Brüder nicht im Traum vorstellen konnten, als sie Crytek vor gut 15 Jahren in Coburg gründeten.TimeSplitters Logo

Es steht also eine Menge auf dem Spiel und Crytek muss jetzt zusehen, dass man mit diesen Studios auch endlich mal entsprechend produziert. Mit Homefront: The Revolution, das in den Previews bislang sehr gut ankam, scheint man zumindest auf einem guten Weg zu sein. Außerdem sitzt man inzwischen auf einigen Marken, die aus Sicht vieler Fans quasi eine Lizenz zum Geld drucken sind. Allen voran die Rechte an TimeSplitters, die man 2009 bekam, als man den britischen Entwickler Free Radical Design kaufte.

Das Potential für eine Rückkehr zu alter Stärke ist also zweifellos da. Sollten jedoch auch Homefront: The Revolution und Hunt: Horrors of the Gilded Age, das derzeit beim ehemaligen Team von Vigil entsteht, nicht die erhofften Verkaufszahlen einfahren, dann könnten beim deutschen Aushängeschild tatsächlich irgendwann die Lichter ausgehen.

 

"


Über den Autor
Roberto | Redakteur

Roberto begann seine Videospiel-Karriere mit dem SEGA Mega Drive und seit seinem ersten Kontakt mit Sonic und Co. sind Videospiele ein fester Bestandteil seines Lebens. Er hat eine besondere Schwäche für die Indie-Szene und experimentelle Spiele, die sich nicht den üblichen Genre-Konventionen unterwerfen.


comments powered by Disqus