Sid Meier's Civilization V

Sid Meier's Civilization V Review

Review

Urgestein

In zahlreichen Spielen ist es das Ziel, die eigene Fraktion oder das eigene Volk zum Sieg zu führen. In kaum einer Spielserie wird das aber in solch epischer Breite dargestellt wie in Sid Meier's Civilization-Reihe. Hier bekommen Spieler nämlich schon seit 1991 die Möglichkeit, ein Volk von der Steinzeit durch alle Epochen bis hin in die Neuzeit zu führen und dabei nicht nur jede Menge neue Technologien zu erforschen, sondern auch mit seinen Nachbarn zu interagieren; sei es nun auf friedliche oder eher kriegerische Art und Weise.

Im fünften Teil der Serie erwartet Spieler aber einige Neuerungen, die das Spielprinzip zum Teil nachhaltig ändern, zum Teil aber auch sinnvoll verbessern. Was euch als zukünftiger Herrscher eurer Nation erwartet, erfahrt ihr in dieser Review.


Die Qual der (Zivilisations-)Wahl

In Civilization V könnt ihr euch zu Beginn einer jeden Partie für eine der insgesamt 18 unterschiedlichen Zivilisationen entscheiden. Zur Auswahl stehen neben den üblichen Verdächtigen wie Amerika, England, Frankreich und Deutschland auch eher ungewöhnliche Völker wie die Azteken, die Inka oder Äthiopien.

Jedes Volk verfügt zwar grundsätzlich über die gleichen Einheiten und kann alle Technologien erforschen; trotzdem solltet ihr bei der Wahl eures Volkes auf eure Vorlieben achten, immerhin hat jede Nation unterschiedliche Boni und Spezialeinheiten. Wer als George Washington antritt, darf sich über eine größere Sichtweite für seine Einheiten und einen verbilligten Ankauf von Land freuen, die berühmten Minuteman in die Schlacht führen und später B-17 Bomber bauen. Aufseiten der Deutschen kämpfen eure Einheiten besonders effektiv gegen Barbaren und der Unterhalt eurer Armee kostet euch weniger. Zudem darf Bismark Landsknechte anwerben und Deutsche Panzer bauen. Und in Person von Katharina der Großen lässt sich die Produktivität von Städten steigern, während strategische Ressourcen mehr Ertrag abwerfen und die Kosaken für Mütterchen Russland in den Krieg ziehen.

Jeder der 18 Herrscher hat nicht nur ein eigenes Portrait, sondern ist auch animiert. Begegnet ihr im Spiel einer anderen Zivilisation, tretet ihr also tatsächlich dem Herrscher gegenüber, der euch dann auch noch in seiner Muttersprache begrüßt und anspricht. So sorgt es durchaus für Atmosphäre, wenn Augustus Cäsar euch in Latein anspricht oder Pachacútec zur Begrüßung einige Worte in Quechua spricht.

Ist das eigene Volk gewählt, könnt ihr die Spielwelt nach euren eigenen Vorgaben generieren lassen. Eine zufällige Karte mit unterschiedlichen Kontinenten ist genauso möglich wie eine einzige große Landmasse, auf der Seefahrt praktisch keine Rolle spielt. Oder ihr entscheidet euch für eine Nachbildung der Erde, inklusive aller Kontinente. Die Startpositionen der Völker sind aber immer zufällig, sodass ihr in jeder Partie mit einer anderen Ausgangssituation klarkommen müsst.


Altbewährtes

Am grundlegenden Spielprinzip hat sich auch im fünften Teil der Serie nichts geändert: Immer noch startet ihr mit einem Siedler und einer Militäreinheit ins Spiel und dürft rundenweise eure Züge absolvieren. Zunächst gilt es, einen geeigneten Platz für die eigene Hauptstadt zu finden. Neben der Lage an einem Fluss oder am Meer sind die überall auf der Karte verteilten Ressourcen ein wichtiger Faktor. Wenn ihr in Reichweite eurer Stadt Luxusgüter wie zum Beispiel Gold, Weihrauch oder Perlen habt, könnt ihr eure Bevölkerung später zufriedener Stimmen. Strategische Ressourcen wie Eisen, Kohle oder Pferde benötigt ihr dagegen zum Bau bestimmter Gebäude oder zur Rekrutierung besonderer Einheiten. Dabei sind nicht alle Ressourcen sofort für euch sichtbar: Vorkommen wie Öl oder Uran werden erst sehr spät im Spiel sichtbar, da sie die Erforschung der dazugehörigen Technologie erfordern.

Da eure erste Stadt aber sicher nicht eure einzige bleiben wird, solltet ihr euch darüber zu Beginn nicht all zu viel Gedanken machen. Ist der Grundstein für eure Zivilisation erst einmal gelegt könnt ihr sogleich damit beginnen Gebäude und Einheiten in Auftrag zu geben und nebenbei die Erforschung neuer Technologien voran zu treiben. Gleichzeitig solltet ihr aber auch eure Umgebung erkunden, denn im späteren Spielverlauf benötigt ihr nicht nur gute Bauplätze für neue Siedlungen; in der Welt von Civilization V gibt es nämlich auch viel zu entdecken. Neben anderen Zivilisationen warten auch alte Ruinen darauf, von euch durchsucht zu werden: Hier findet ihr mit etwas Glück etwas Gold, Karten der Umgebung oder gar ganz neue Technologien. Aber auch einige Gefahren gibt es, die einer jungen Zivilisation zu schaffen machen können: Überall auf der Karte gibt es sogenannte Barbarencamps, die in regelmäßigen Abständen marodierende Horden hervorbringen. Habt ihr versäumt für eine gute Verteidigung zu sorgen, könnte euer Reich also vielleicht schon in den Kinderschuhen jähes Ende ereilen.


Einige Neuerungen

Eine der größten Veränderungen für Serienveteranen dürfte die Einführung der Hexfelder sein: In Civilization V ist die Karte nicht mehr in einfache Vierecke, sondern in Sechsecke unterteilt. Das reduziert die Zugmöglichkeiten der Einheiten etwas, grenzen nun doch nur noch sechs statt acht Felder an, auf die ihr eure Truppen ziehen könnt. Einheitenstapel gibt es übrigens nicht mehr; stattdessen kann jedes Feld nur von einer Militäreinheit besetzt werden. Dadurch ergeben sich auf der Karte echte Schlachtaufstellungen, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass Fernkampfeinheiten nun auch über eigene Einheiten hinwegschießen können.

Wem die neue Unterteilung noch etwas suspekt ist oder wer nicht genau weiß, auf welches Feld er seine Einheiten nun ziehen muss, kann sich aber vom Spiel ein Raster mit Hilfslinien einblenden lassen, sodass ihr stets den Überblick behaltet. Gleiches gilt für die Rohstoffvorkommen: Wer sichergehen will, dass er keine wertvolle Ressource übersieht, der kann sich entsprechende Icons einblenden lassen.

Während in euren Städten immer neue Gebäude errichtet und Einheiten rekrutiert werden, habt ihr aber immer noch genug zu tun, denn das Städtemanagement endet in Civilization V nicht bei der Auswahl der Produktionskette. Stattdessen könnt ihr euch Bautrupps rekrutieren, mit denen ihr die Umgebung um eure Stadt herum verbessern könnt. Diese Verbesserungen benötigt ihr auch, um an die heiß begehrten Ressourcen zu gelangen: Erst wenn ihr auf dem Eisenvorkommen eine Mine und im Dschungel eine Bananenplantage errichtet habt, könnt ihr diese auch tatsächlich nutzen. Doch auch Felder ohne diese Vorkommen lassen sich aufwerten, beispielsweise durch Bauernhöfe, die den Nahrungsertrag steigern oder Sägewerke, die die Produktivität in Waldgebieten erhöhen.


Epochales

Durch die Erforschung immer neuer Technologien schreitet ihr nach und nach immer weiter durch die insgesamt acht Epochen des Spiels. Die technologischen Fortschritte sind dabei nicht die einzigen Verbesserungen, die ihr vornehmen könnt. Indem ihr eure Kulturwertung durch den Bau entsprechender Gebäude oder von Weltwundern in eurer Zivilisation erhöht, könnt ihr außerdem immer wieder neue Sozialpolitiken annehmen. Insgesamt stehen davon 60 Stück zur Auswahl, jede mit ganz eigenen Vorteilen. Zudem ist die Kulturwertung eine der möglichen Siegbedingungen, die ihr zu Beginn einer Partie festlegen könnt. Neben dem kulturellen Einfluss eurer Nation könnt ihr aber auch durch die militärische Eroberung, Diplomatie oder die Forschung als Sieger aus einer Partie hervorgehen. Letzteres erfordert den Bau eines Raumschiffes, mit dem ihr den Weltraum kolonisieren könnt; Serienveteranen werden sich noch daran erinnern.

Neben den anderen Zivilisationen begegnet ihr in Civilization V auch zahlreichen Stadtstaaten. Diese sind ebenfalls zufällig über die Karte verteilt und haben immer wieder kleine Aufträge für euch. Abhängig davon, wie ihr euch diesen Mini-Ländern gegenüber verhaltet, könnt ihr euch mit ihnen verbünden und erhaltet fortan gewisse Vorteile oder gar Geschenke. Außerdem unterstützen sie euch im Kriegsfall, sofern ihr mit ihnen verbündet seid. Wer darauf wenig Wert legt, kann die Städte aber auch einfach erobern. Das wiederum bedarf aber einiger guter Militäreinheiten, denn gerade die kriegerischen Stadtstaaten sind mitunter äußerst wehrhaft.

Auch wenn die Entwickler den Klassiker in seiner fünften Neuauflage mächtig umkrempeln. ist es ihnen gelungen, den alten Charme der Serie beizubehalten. Es macht immer noch unglaublichen Spaß, seine Züge zu planen, Einheiten zu verschieben und gleichzeitig das eigene Volk glücklich zu halten. So tappt man auch in Civilization V immer wieder in die „Nur noch eine Runde“-Falle, was für Spielspaß bis tief in die Nacht hinein sorgt.



Über den Autor
Matthias | Editor/Redakteur

Matthias kennt sich aus in Sachen Browsergames. Sein fundiertes Fachwissen über jede Menge Action und spannende Abenteuer im Browser gibt er auf Corsual zum Besten!


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