Star Wars Battlefront Test / Review

Nach langer Pause kehrt Battlefront unter neuem Entwickler zurück und lockt mit absolut authentischem Star Wars-Feeling.

Review Teaser Star Wars Battlefront

Die Rückkehr der Jedi-Ritter

Mit der Rückkehr der Star Wars Saga war klar, dass Disney auch die Videospielwelt wieder mit entsprechenden Lizenz-Titeln beglücken würde. Da aber von LucasArts nur noch Trümmer übrig sind, hat man die Rechte an einen anderen Publisher gegeben. Die Wahl fiel auf Electronic Arts und das macht auch Sinn, denn unter ihrer Flagge arbeiten auch die Battlefield-Macher DICE. Und wer beide Serien gespielt hat, der dürfte wissen, dass sie sowieso schon immer Brüder im Geiste waren.

Vorweg gleich ein Wort der Warnung, denn Star Wars Battlefront verzichtet auf eine klassische Kampagne mit Story und konzentriert sich stattdessen auf den Mehrspieler-Modus, der ja auch früher schon den Kern der Serie ausmachte. Wer nicht gegen andere Spieler antreten möchte, der muss sich mit kleinen Koop-Missionen (auch solo spielbar) begnügen, die kurze Storyfetzen erzählen. Wer also für sich allein spielen und eine der vielen Star Wars Geschichten nacherleben will, der sollte vermutlich lieber auf den nächsten Star Wars Titel warten.


Wie im Film

Doch obwohl das Fehlen einer Kampagne sicherlich ein Verlust ist, fängt Battlefront den Look und die Atmosphäre des legendären Universums und der Filmklassiker auf erstklassige Art und Weise ein. Kaum ein anderer Titel gibt dem Spieler so sehr das Gefühl, tatsächlich ein kleines Rädchen im epischen Krieg zwischen Rebellen und Imperium zu sein. Das liegt vor allem an der beeindruckenden Technik und der enormen Liebe fürs Detail. DICE hat eng mit Disney bzw. Lucasfilm gearbeitet und die original Filmkulissen und Requisiten als Basis genommen. Auf diese Weise erschuf man für Battlefront einen absolut authentischen Look, der bei Kleinigkeiten wie Kleidung oder Waffen anfängt und bei riesigen Objekten wie AT-ATs und X-Wings noch lange nicht aufhört. Wenn dann auch noch die bekannten Melodien zu hören sind und die original Soundeffekte aus dem Surround-System dröhnen, tauchen Fans komplett in die weit, weit entfernte Galaxie ab.

Obgleich Star Wars aus mehr als nur epischen Schlachten besteht, beschränkt sich Battlefront mit seinem Fokus auf Mehrspieler natürlich genau auf diesen Aspekt der Saga. In 10 verschiedenen Spielmodi könnt ihr bekannte Gefechte nachstellen oder eure eigenen Scharmützel inszenieren. Die Unterschiede liegen dabei sowohl in der schieren Größe als auch im strategischen Anspruch. So zählen zu den einfachen Varianten beispielsweise Blast, bei dem bis zu 20 Spieler um die höchste Killzahl kämpfen oder Heroes & Villains, das zwei Teams gegeneinander kämpfen lässt, die wiederum auf ihren Anführer (die Helden bzw. Bösewichte der Filme) aufpassen müssen. Obwohl sich Battlefront in diesen Szenarien noch am ehesten wie ein ganz „normaler“ Shooter spielt, fallen auch hier schon ein paar Eigenheiten auf. So könnt ihr beispielsweise jederzeit zwischen der Verfolger- und der Ego-Perspektive wechseln, aber nicht über Kimme und Korn zielen. Hinzu kommen die Charakteristika der bekannten Star Wars Waffen, die sich einfach ein wenig anders anfühlen als man es aus Shootern mit traditionellen Feuerwaffen kennt.


Epische Schlachten

Doch während diese Modi durchaus Spaß machen, entfaltet sich das echte Star Wars-Fieber erst in den großen Szenarien. In Supremacy und Walker Assault teilen sich bis zu 40 Spieler gleichzeitig das Schlachtfeld und kämpfen um die Missionsziele. Supremacy stellt dabei die klassische Variante des Conquest dar, wie man es auch schon aus den Vorgängern oder Battlefield kennt. Es gibt also strategische Punkte auf der Karte, die ihr einnehmen und möglichst lange verteidigen müsst, um dem anderen Team den Nachschub abzuschneiden. Eroberte Punkte dienen zudem als Spawnpunkte und geben euch zum Teil auch Zugriff auf Vehikel. Letztere spielen natürlich eine große Rolle auf dem Schlachtfeld und können in der Hand von geübten Piloten einen entscheidenden Vorteil bringen.

Im Gegensatz zu früher und der Battlefield-Reihe beschränkt sich dieser Teil des Spiels aber vornehmlich auf den Luftraum. Mit Fighter Squadron gibt es sogar einen ganzen Spielmodus, der sich nur um die Luft- bzw. Raumschlachten dreht und Platz für 20 Piloten und ebenso viele KI-Flieger bietet. Die Hangars sind also vollgestopft mit Fluggeräten wie Snowspeedern, TIE-Fightern und sogar dem Millenium Falcon, aber die Bodentruppen haben lediglich die eher ungefährlichen Speederbikes und den behäbigen AT-ST Zweibeiner zur Verfügung. Die großen Vierbeiner, AT-AT genannt, sind nun eher etwas mit den Gunships aus Battlefield zu vergleichen, denn im Gegensatz zu früheren Teilen lassen sie sich nicht mehr direkt steuern, sondern folgen einem festen Pfad und die Spieler dürfen nur noch die Geschütze bedienen. Letztere spielen auch die Hauptrolle in Walker Assault, das ein wenig an Battlefields Rush erinnert. Hier müssen die Rebellen eine Gruppe dieser Ungetüme mit Hilfe von Luftschlägen und anschließenden Sturmangriffen ausschalten.


Ein Ungleichgewicht der Macht

Eigentlich hat Battlefront also alles, was sich ein Star Wars-Fan wünschen kann, aber reicht das auch, um einen rundum gelungenen Mehrspieler-Shooter zu erschaffen? Nun, leider nicht ganz und das wird vor allem mit steigender Spielzeit immer offensichtlicher. In den ersten Stunden ist man tatsächlich etwas überwältigt von all dem Chaos und der wunderbaren Grafik. Man probiert munter die Waffen aus, klemmt sich hinter das Steuer der Vehikel und sieht mit Ehrfurcht dabei zu, wie Darth Vader, Luke Skywalker und Co. durch die Truppen pflügen.

Doch nach ein paar Tagen lässt dieser Zauber etwas nach und es fallen immer mehr die Probleme des Spiels auf. Vor allem die Balance einiger Spielmodi ist fragwürdig, was gerade bei den Begegnungen mit den Helden-Einheiten deutlich wird. Innerhalb des Universums macht es zwar Sinn, dass ihr gegen Darth Vader nichts ausrichten könnt, aber in einem Mehrspieler-Titel ist es schnell frustrierend, wenn man regelmäßig auf einen Gegner trifft, vor dem man nur fliehen kann. Zudem erschwert es das kompetitive und strategische Spielen in Battlefront. Ein ähnliches Problem gibt es beim Layout und Design der Karten, die zwar allesamt durch tolle Texturen und Beleuchtung für Atmosphäre sowie optische Abwechslung sorgen, aber aus spielerischer Sicht einige Schwächen aufweisen. Es gibt viele offene Areale, die euch zu einem leichten Ziel für Scharfschützen machen und die oft unzureichend vorhandene Deckung erfüllt oftmals nicht ihren Zweck. Auch alternative Routen und Wege zum Flankieren usw. gibt es meist zu wenig, was sich entsprechend auf die Langzeitmotivation auswirkt. Selbst die große Auswahl an Fluggeräten entpuppt sich ein wenig als Mogelpackung, denn obgleich das Fliegen an sich durchaus Übung erfordert, macht es leider kaum einen Unterschied, in welchem Flieger ihr gerade sitzt.


Fazit

Natürlich gibt es wieder ein Level-System, bei dem ihr Punkte sammelt und allerlei nützliche und weniger nützliche Dinge freischaltet, aber das kann auf Dauer nicht darüber hinwegtrösten, dass es dem Kern des Spiels an Substanz fehlt. So bleibt Star Wars Battlefront ein Spiel mit zwei Gesichtern, das auf der einen Seite zwar erstklassigen Fanservice bietet und die Atmosphäre der Filme gut einfängt, aber hinter der schönen Fassade einen eher durchschnittlichen Shooter versteckt. Die Frage, ob ihr Spaß haben werdet, stellt sich also gar nicht, sofern ihr Star Wars mögt, es geht nur darum, wie lange er anhält. Da EA und DICE aber im Rahmen des recht kostspieligen Season Pass (und kleinerer Gratis-DLCs) noch einiges mit dem Spiel vorhaben, könnte sich das aber noch ändern.


Star Wars: Battlefront (DICE)
Pro
- authentische Atmosphäre
- großartige Grafik
- Raumschlachten
- viele Modi
Contra
- keine Solo-Kampagne
- zu wenig Tiefgang
- schwächen im Balancing
4 / 5

Über den Autor
Roberto | Redakteur

Roberto begann seine Videospiel-Karriere mit dem SEGA Mega Drive und seit seinem ersten Kontakt mit Sonic und Co. sind Videospiele ein fester Bestandteil seines Lebens. Er hat eine besondere Schwäche für die Indie-Szene und experimentelle Spiele, die sich nicht den üblichen Genre-Konventionen unterwerfen.


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