Tropico 4

Tropico 4 Review

Review

Willkommen El Presidente!

Wer schon immer einmal sein eignes Inselreich besitzen wollte, sollte sich Tropico 4 genauer anschauen, denn hier machen euch die Entwickler zum Präsidenten eures eigenen Staates, in dem ihr ganz nach dem Vorbild Kubas im Kalten Krieg regieren könnt; inklusiver aller nur vorstellbaren Klischees.


Aller Anfang ist schäbig

Zu Beginn eines Spiels verfügt ihr schon einmal über einige Gebäude: Aber abgesehen von eurem fast schon prunkvollen Präsidentenpalast und einer Hafenanlage sind das meist nur ein paar windschiefe Wellblechhütten und Maisfarmen. Wer wirklich viel Geld verdienen möchte, muss also prompt etwas ändern und das zur Verfügung gestellte Startkapital in neue Gebäude investieren. Tropico bietet euch dafür allerhand Möglichkeiten, angefangen von unterschiedlichen Wohnhäusern, über staatliche Gebäude wie Polizeistationen, Verwaltungs- und Militärgebäude, bis hin zu Farmen, Industrieanlagen und touristische Gebäude. Der Bau erfolgt dabei denkbar einfach: Ein Rechtsklick ruft das Baumenü auf, in dem ihr das gewünschte Objekt aus den Kategorien wählen könnt. Anschließend lässt sich das Gebäude auf einer freien Fläche platzieren. Wer die Ausrichtung ändern möchte, kann dazu das Mausrad benutzen, wodurch das Gebäude im 45-Grad-Winkel gedreht wird.

Die Kamera lässt sich frei drehen, sodass ich euch eure Insel, eure Gebäude und die Sehenswürdigkeiten von allen Seiten betrachten könnt. Zudem dürft ihr mithilfe des Mausrades ganz dicht an das Geschehen hineinzoomen oder euch 
einen Überblick verschaffen, in dem ihr mit der Kamera ganz weit vom Geschehen weg geht. Dank der Kameraführung ist es sogar möglich, einzelne Bewohner von Tropico zu beobachten; immerhin hat jeder eurer Einwohner einen eigenen Namen, Bedürfnisse und einen Tagesablauf, etwas das es seit dem ersten Teil der Tropico-Reihe gibt. Das unterschiedet Tropico auch von vergleichbaren Aufbausimulationen, in denen ihr zwar eine riesige Stadt, aber lauter anonyme Einwohner habt. In Tropico werdet ihr auch im Laufe des späteren Spiels meist nur einige Hundert oder vielleicht ein paar Tausend Bewohner haben; trotzdem könnt ihr jederzeit jeden einzelnen Tropicaner auswählen, seine Bedürfnisse erfragen oder euch um ihn „kümmern“; zum Beispiel indem ihr ihn verhaften lasst, sollte er euch zu aufrührerisch sein. Gleichzeitig könnt ihr aber auch so erfahren, woran es euren Bürgern mangelt und an welchen Stellen ihr ggf. nachbessern solltet, sei es nun durch bessere Wohnmöglichkeiten, verbesserte Arbeitsbedingungen, medizinische Versorgung oder Unterhaltungsmöglichkeiten.


Ohne Moos...

Auch in Tropico geht ohne die entsprechenden Finanzmittel gar nichts, und da euer Startguthaben recht schnell aufgebraucht sein dürfte, müsst ihr bald für Nachschub sorgen. Das geschieht zumeist über den Export von Waren, denn alle paar Monate wird ein großes Containerschiff euren Hafen anlaufen und all die von euch produzierten Waren abholen. Welche das sind, bestimmt ihr selbst: Ihr könnt Agrarprodukte wie Zucker, Bananen oder Ananas verkaufen oder diese zu besseren und deutlich profitableren Waren wie Rum, Zigarren oder Dosenobst weiterverarbeiten. Außerdem verfügen viele Inseln auch über reichlich natürliche Ressourcen, die ihr plündern könnt und die bei den Nationen der Welt sehr begehrt sind: Eisen, Gold, Bauxit und Salz sind genauso begehrt wie Öl oder Holz.
Die Abnehmer sind dabei die beiden großen Supermächte UdSSR und die USA; aber auch Europa, China und der Mittlere Osten sind an euren Waren interessiert, wobei jede Fraktion andere Waren bevorzugt. Beliefert ihr diese mit vielen Gütern, so verbessern sich eure Beziehungen zu diesen Mächten, was viele Vorzüge bietet. Die USA und die UdSSR versorgen euch beispielsweise in regelmäßigen Abständen mit Hilfszahlungen; ganz wie es dem historischen Vorbild entspricht. Wie viel Geld ihr von wem erhaltet, hängt unter anderem auch davon ab, welcher Seite ihr euch zuwendet: betreibt ihr eine der Sowjetunion zugewandte Politik und lobt diese bei jeder Gelegenheit, wird sich das negativ auf die Beziehungen zu den USA auswirken und damit auch zu geringeren Zahlungen seitens der Amerikaner führen. Im schlimmsten Fall kann es sogar soweit kommen, dass eine der beiden Mächte mit einer Invasion eurer kleinen Insel droht. Dann tut ihr gut daran, eure Armee soweit aufgebaut zu haben, dass ihr den Angriff abwehren könnt. Oder aber ihr beginnt damit, ein eigenes Atomprogramm aufzubauen, was die Mächte ebenfalls an einer Invasion hindern kann. Das beste Mittel ist dagegen aber stets, es sich nicht mit diesen Staaten zu verscherzen.

Neben den grundlegenden Bedürfnissen wie Nahrung, Behausung, Unterhaltung und medizinischer Versorgung, möchten eure Bürger vor allem auch einen Arbeitsplatz. Alle Gebäude in Tropico werden von euren Einwohnern betrieben. Je nach Art des Gebäudes werden eine bestimmte Anzahl von Tropicanern gebraucht; oftmals sogar solche mit einer bestimmten Bildung. Während in Minen oder in Transportunternehmen auch ungebildete Bewohner einen Job finden, werden für viele Arbeitsplätze Bürger mit einem Highschool-Abschluss oder gar Hochschulabsolventen gebraucht. Damit ihr entsprechende Arbeitskräfte zur Verfügung habt, solltet ihr rechtzeitig in entsprechende Bildungseinrichtungen investieren. Andernfalls müsst ihr ausländische Fachkräfte anheuern, die dann mit dem nächsten Schiff auf eure Insel kommen. Diese kosten euch aber viel Geld, sodass es durchaus sinnvoll ist, in das eigene Bildungssystem zu investieren. Ganz wie im echten Leben!

Wer eine komplette Übersicht aller wichtigen Informationen möchte, findet diese im sogenannten Almanach. Hier laufen alle Fakten über eure Insel zusammen, sodass ihr schnell alles erfahrt, was für einen Staatschef wichtig ist. Hier erfahrt ihr, wie gut es eurer Bevölkerung geht, wie zufrieden sie mit den einzelnen Bereichen ihres Lebens sind und wo ihr ggf. etwas nachbessern müsst. Wer sich dagegen mehr für die ökonomische Seite interessiert, bekommt auch dafür Zahlen geliefert. Hier seht ihr auch, wie viel eure kleine Insel exportiert bzw. importiert, ob ihr unter einem Arbeitskräftemangel leider oder viele Arbeitslose habt und ob eure Wirtschafts wächst. Wer sich dagegen eher für die Bezeihungen zu den verschiedenen Großmächten interessiert, findet auch darüber Auskunft, denn der Stand eurer Beziehungen wird hier in Form einer Prozentzahl angegeben.


Lästige Pflichten

Auch wenn ihr als Herrscher nach Lust und Laune regieren und bis hin zur gezielten Tötung einzelner Bürger sogar willkürlich herrschen könnt, verlangen eure Bürger immer wieder nach Wahlen. Das mag lästig sein, aber um ständigen Protesten vorzubeugen und nicht den Zorn fremder Nationen auf euch zu ziehen, solltet ihr zumindest gelegentlich Wahlen abhalten. Hier kommen dann die sogenannten Fraktionen von Tropico ins Spiel, denn auf eurer Insel gibt es unterschiedliche Interessengruppen, um die ihr euch kümmern müsst. Namentlich sind das die Kapitalisten, die Kommunisten, die Intellektuellen, die religiöse Fraktion, Umweltaktivisten, Nationalisten, Loyalisten und Militaristen. Die Namen der einzelnen Gruppen deuten bereits darauf hin, welche Aspekte des täglichen Lebens für sie wichtig sind. Durch entsprechende Aktionen könnt ihr die Gunst einer Fraktion gewinnen; aber auch die anderer Gruppen verlieren. Baut ihr viele Industriebetriebe, freut das die Kapitalisten; gleichzeitig werden sich die Umweltaktivisten über die dadurch erzeugte Umweltverschmutzung beschweren. Ähnlich sieht es bei den religiösen Anhängern aus, die oft recht radikale Forderungen, wie zum Beispiel Bücherverbrennungen stellen, die allerdings der Gruppe der Intellektuellen missfällt. Es gilt also stets darauf zu achten, dass ihr die Interessen aller Gruppen gut gegeneinander abwiegt. Dadurch sichert ihr euch nämlich deren Unterstützung, was bei der Wahl entscheidend sein kann. Stehen Abstimmungen an, so könnt ihr euch in einer Rede an das Wahlvolk wenden, um in letzter Minute noch deren Gunst zu gewinnen. Indem ihr verschiedene Themenschwerpunkte setzt, könnt ihr euch vielleicht noch die ein oder andere Stimme sichern. Doch selbst wenn ihr gegenüber eurem Konkurrenten im Nachteil seid, ist noch nicht alles verloren, denn als skrupelloser Anführer könnt ihr immer noch zu unlauteren Möglichkeiten wie der Wahlfälschung greifen; das gefällt zwar ausländischen Wahlbeobachtern nicht, doch manchmal darf man nicht wählerisch sein; schließlich geht es um das Wohl des Volkes!

Doch auch unter euren Untertanen gibt es einige, die eure Leistungen nicht immer zu schätzen wissen: Geht es eurem Volk nicht gut und sorgt ihr euch nicht um ihr Wohlergehen, so können sich Widerstandsgruppen bilden. Diese Rebellen versuchen dann, euch die Herrschaft zu entreissen, indem sie mit Waffengewalt gegen euer Regime vorgehen. Als weiser Führer habt ihr aber sicher eine ausreichend große Armee unter eurem Kommando, mit der ihr diese Angriffe abwehren könnt. Andernfalls könnte eure Regierungszeit ein eher jähes Ende finden.


Ereignisreich

Immer wieder werdet ihr in Tropico mit den unterschiedlichen Ereignissen konfrontiert, was für einige Abwechslung sorgen kann. Neben Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüchen, Wirbelstürmen oder Öltankerunfällen gibt es aber auch immer wieder Situationen, die euch Entscheidungen abverlangen. So geschehen euren Ministern unter Umständen Missgeschicke, auf die ihr Reagieren müsst, wobei die Entscheidungen Konsequenzen nach sich ziehen. Gleiches gilt für weltpolitische Ereignisse, wobei eure Reaktion darauf die Beziehungen zu einer der Großmächte beeinflussen kann.

All das führt dazu, dass ihr euch in Tropico 4 wie ein echter Herrscher fühlen und euer eigenes kleines Inselreich errichten könnt. Wer Aufbau-Simulationen liebt und ein manchmal etwas abgedrehtes aber stets humorvolles Spiel möchte, liebt mit Tropcio 4 genau richtig.



Über den Autor
Matthias | Editor/Redakteur

Matthias kennt sich aus in Sachen Browsergames. Sein fundiertes Fachwissen über jede Menge Action und spannende Abenteuer im Browser gibt er auf Corsual zum Besten!


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