Victory Command Vorschau/Preview

Ehemalige Westwood-Veteranen wollen mit Victory Command MOBA und RTS zu einem neuen Genre verschmelzen.

Screenshot Victory Command Petroglyph

Die Erben Westwoods

Wer sich im Strategie-Genre auskennt, dem ist Petroglyph sicher ein Begriff, denn sie sind eines der Studios, die einst aus den Trümmern von Westwood entstanden sind. Seit mehr als zehn Jahren machen sie Strategie-Spiele und zuletzt überzeugten sie mit dem ungewöhnlichen Grey Goo, das sowohl klassische Echtzeit-Strategie als auch ein paar frische Ideen bot. Mit ihrem neuen Titel Victory Command bleiben sie der Strategie zwar im Grunde treu, aber gleichzeitig wagen sie etwas komplett neues, denn auf diese Art hat man MOBA und klassische Echtzeit-Strategie noch nie kombiniert. Obwohl die Kickstarter Kampagne zum Spiel bereits 2013 scheiterte, hat man neben der Entwicklung von Grey Goo weiterhin an Victory Command gearbeitet und die Früchte dieser Arbeit können Spieler nun kostenlos probieren, denn es ist Free to Play, und zwar die gute Sorte.

Im Spiel treten zwei Teams mit je fünf Spielern gegeneinander an und kämpfen auf einer kleinen (verglichen mit anderen Strategie-Spielen) Arena um insgesamt drei Kontrollpunkte. Wer zwei oder mehr davon kontrolliert, erhält Punkte und das Team, das zuerst 250 Punkte erreicht, hat gewonnen. Alternativ könnt ihr natürlich auch versuchen, das gegnerische Team komplett auszuschalten, aber in der Regel ist der Kampf um die Kontrollpunkte das Ziel. Neben den Hauptpunkten gibt es auf der Karte aber auch noch zahlreiche kleinere Stellungen, die sich einnehmen lassen. Auf diese Weise lässt sich etwa ein weiterer Rückzugspunkt zum Heilen der Truppen schaffen oder ihr erschwert dem gegnerischen Team die Sicht auf Umgebung und Minimap.

Lanes, aber ohne Zauberer und Kanonenfutter

Genau wie in einem MOBA sind die Wege auf eine bestimmte Art angelegt, so dass die sogenannten „Lanes“ entstehen, die es immer wieder zu patrouillieren gilt, damit sich kein Gegner unbemerkt in euren Rücken oder zu einem Kontrollpunkt schleichen kann. Computer-gesteuertes Kanonenfutter, was sonst recht üblich ist, findet sich auf der Karte jedoch nicht, so dass ihr euch ganz auf die Gegenspieler konzentrieren könnt. Statt jedoch mit heroischen Kriegern, Zauberern und mythischen Kreaturen ins Feld zu ziehen, schlüpft ihr in die Rolle eines Generals, der militärische Truppen aufmarschieren lässt.

In Victory Command gibt es insgesamt fünfzehn verschiedene Fraktionen, die quasi das Gegenstück zu den Champions eines League of Legends oder DOTA bilden. Allesamt haben ihre ganz eigenen Einheiten, die einen bestimmten Spielstil erfordern und natürlich über individuelle Stärken und Schwächen verfügen. Wie in einem guten RTS, funktionieren diese Truppen im Grunde nach dem altbekannten Schere-Stein-Papier-Prinzip, was bedeutet, dass jede Einheit bestimmte Lieblingsgegner hat und Einheiten, gegen die sie wiederum kaum Chancen hat.

Infanterie vs. Jeeps vs. Panzer

Das gesamte Arsenal lässt sich in drei Kategorien einteilen: Panzer, Jeeps und Infanterie. Während jede dieser Kategorien eine bestimmte Aussrichtung, verfügen sie außerdem auch nochr über zusätzliche Varianten, die speziell für den Kampf gegen Infanterie oder Vehikel geeignet sind, jedoch zuerst freigespielt werden müssen. Ein Panzer ist zum Beispiel gut geeignet, um Jeeps zu zerlegen, aber recht anfällig gegen Infanteristen mit Raketenwerfern und die Jeeps machen sich wiederum sehr gut gegen das Fußvolk. Natürlich sind die Einheiten auch unterschiedlich schnell, so dass man mit Jeeps eher Scouten und schnelle Vorstöße wagen kann, während man mit den Panzern eher dazu tendiert, bestimmte Stellungen abzusichern.

All diese Einheiten und ihre individuellen Eigenschaften lassen jede Menge taktischen Spielraum, der noch größer wird, wenn man die Teamkameraden in seine Überlegungen miteinbezieht. In den höheren Stufen gewinnt nämlich meist das Team, welches die beste Mischung an Truppen in den Kampf schickt, denn nur so kann man auf jede Situation entsprechend reagieren. Mit den Truppen allein ist es jedoch noch nicht getan, denn jeder Spieler (und seine jeweilige Fraktion) verfügt auch noch über eine Reihe von Spezialfähigkeiten und Perks, die euch entscheidende Vorteile verschaffen können, wenn sie im richtigen Moment zum Einsatz kommen.

Commander-Fähigkeiten und Buffs

Man unterscheidet dabei zwischen den aktiven (Ability) und den passiven (Perk) Fähigkeiten. Erstere lassen sich gezielt aktivieren und sind dann nach einer Cooldown-Phase erneut nutzbar. So könnt ihr etwa Feinde kurzzeitig vom Feuern abhalten oder euch und eure Mitspieler mit einem Buff schneller machen. Die Perks kommen hingegen automatisch und nur unter gewissen Voraussetzungen zum Tragen. Beispielsweise gibt es Perks, die euren Schaden erhöhen, wenn der Gegner gerade geheilt wird oder unter einem bestimmten Buff steht. Dies sind auch die einzigen Aspekte, die man mit den RPG-Elementen vieler MOBA-Games vergleichen könnte.

Mit etwas Übung und ausgeglichenen Teams machen die ebenso schnellen wie taktischen Schlachten wirklich Spaß und selbst MOBA-Muffel, wie ich einer bin, sind mit Eifer dabei. Der Mangel an Arenen ist aktuell noch etwas störend, aber die ungeheure Menge an Fraktionen und dazugehörigen Einheiten sowie Fähigkeiten sorgt auch auf lange Sicht dafür, dass es nicht langweilig wird. Eine Schwäche für flotte Echtzeit-Strategie oder MOBAs sollte man natürlich dennoch haben. Mit seinen kurzen aber intensiven Partien von durchschnittlich 10 Minuten (das Limit liegt bei 20) ist Victory Command außerdem auch perfekt als Strategie-Fix für zwischendurch.

Free to Play aber nicht Pay to Win

Wie Eingangs erwähnt, setzt Victory Command auf das Free to Play-Modell, was bedeutet, dass es jeder kostenlos spielen kann, sobald die Early Access-Phase beendet ist. Das Investieren von echtem Geld wird dabei tatsächlich nie zwingend notwendig, denn die eigentlichen Schlachten sind im Kern relativ unabhängig von allem, was man mit Geld kaufen könnte. Wer gar kein Geld ausgibt, der muss sich zwar zunächst mit nur drei Fraktionen begnügen, aber diese sind genauso wettbewerbsfähig wie die übrigen Fraktionen. Neue Fähigkeiten, Fraktionen und Perks lassen sich außerdem nach und nach mit den erspielten Erfahrungspunkten freischalten und schließlich mit Credits kaufen. Da man sowohl Credits als auch EXP durch das Spielen erhält, kann man also theoretisch auch ohne Geld alles nutzen. Wer direkt eines der Pakete auf Steam kauft, der bekommt direkt Zugang zu weiteren Fraktionen, muss sich aber ebenfalls erst die diversen Fähigkeiten usw. freispielen. Über den Ingame-Shop lassen sich zudem Credits erstehen.



Über den Autor
Roberto | Redakteur

Roberto begann seine Videospiel-Karriere mit dem SEGA Mega Drive und seit seinem ersten Kontakt mit Sonic und Co. sind Videospiele ein fester Bestandteil seines Lebens. Er hat eine besondere Schwäche für die Indie-Szene und experimentelle Spiele, die sich nicht den üblichen Genre-Konventionen unterwerfen.


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