Warframe Open Beta Review

Wir haben uns den neuen Free to Play Coop-Shooter angesehen und uns durch das Universum gekämpft

Sci Fi Mmo Free Shooter Warframe Corsual 6

Frühstart

Am Free to Play Shooter Warframe werkelt man bei Digital Extremes schon eine ganze Weile. Bereits im Oktober des letzten Jahres begann man mit der geschlossenen Beta Phase, in der man scheinbar genug Feedback bekam, um den Titel nun in Form einer offenen Beta sogar auf Steam zu veröffentlichen. Aus Sicht der Entwickler ist Warframe also bereit und kann es mit der mächtigen Konkurrenz im Bereich der Free to Play Shooter aufnehmen, aber beim Spielen bekommt man doch hin und wieder das Gefühl, dass Digital Extremes hier einen Frühstart hingelegt haben.

Das soll aber nicht bedeuten, dass man nicht auch schon in dieser Phase der Entwicklung seinen Spaß mit den futuristischen Warframes und ihrem Kampf gegen die Grineer haben kann. Immerhin stehen auf der Habenseite ein Mix aus Nahkampf, Spezialfähigkeiten und Schusswaffen, der in einem netten Sci-Fi-Stil daherkommt und zudem komplett auf Koop-Missionen setzt.


Wiedergeburt

Bevor wir aber den aktuellen Stand der Dinge genauer betrachten, werfen wir mal einen kurzen Blick zurück. Das grundlegende Konzept für Warframe ist inzwischen schon rund 10 Jahre alt, denn schon 2004 zeigte Digital Extremes erstes Videomaterial zu einem neuen Projekt, das bereits alle wichtigen Elemente des heutigen Warframe aufwies und der Name des Projekts lautete DARK Sector. Das dürften einige von euch noch kennen, denn es kam bereits 2008 für PS 3 und Xbox 360 (bei uns erschien es offiziell erst ein Jahr später und nur als PC Version) auf den Markt.

Als DARK Sector veröffentlicht wurde, hatte es jedoch mit dem ursprünglich Konzept nur noch wenig gemeinsam. Die Charaktere waren anders, das Kampfsystem verzichtete auf die Spezialfähigkeiten und man verlagerte das Setting von düsteren Raumstationen und fernen Planeten zurück auf die Erde. Am Ende kam also ein ganz neues Spiel mit dem alten Namen heraus.

Bei Digital Extremes hat man das originale Konzept aber offenbar nicht in den Reißwolf gesteckt, sondern vielmehr auf den passenden Zeitpunkt für die Umsetzung gewartet. Letztes Jahr war es dann so weit und man kündigte offiziell Warframe an, dass ganz offensichtlich einen Großteil der ursprünglichen Elemente von Dark Sector aufgreift und sie nun in Form eines Free to Play Titels umsetzt.


Galaxien voller Feinde

In der Rolle eines sogenannten Tenno reist ihr von einer Galaxie zur nächsten und erfüllt auf unzähligen Planeten verschiedene Missionen. Das große Ziel dieses Feldzugs ist, die Bedrohung der Grineer abzuwenden und sie Planet für Planet aus dem Universum zu vertreiben. Als Tenno zählt ihr zu einer Art Elite-Truppe, die aus futuristischen Cyber-Ninjas besteht und es im Alleingang mit den großen Truppen der Grineer und deren Anführern aufnimmt.

Eine Reise durch ferne Galaxien und das erkunden fremder Planeten sind ja eigentlich eine ideale Vorlage für interessante Geschichten und abwechslungsreiche Kulissen, aber gerade hier offenbart Warframe die ersten Schwächen. Digital Extremes locken zunächst mit einem Design, das an klassische Einzelspieler-Kampagnen erinnert, aber bislang versäumt man es noch, dem Ganzen Tiefe zu verleihen und den intergalaktischen Kreuzzug auch in eine ansprechende Geschichte zu betten. Sieht man mal von den kurzen Zwischensequenzen und den gelegentlich eingestreuten Kommentaren der Gegner ab, dann besteht Warframes großer Kampf um das Universum aktuell eigentlich nur aus simplen Aneinanderreihung von kurzen Missionen. Eine echte Verknüpfung selbiger gibt es nicht und so wird auch schnell egal, warum ihr euch nun gerade auf diesem oder jenem Planeten befindet. Zudem werden Teile der Umgebungen immer wieder recycelt, wodurch es auf lange Sicht doch etwas monoton werden kann.


Suchen und zerstören

Zu Beginn jeder Mission bekommt ihr von der Einsatzleitung ein oder mehrere Missionsziele mitgeteilt und macht euch dann auf den Weg durch die linearen Levelkonstruktionen. In der Regel geht es entweder darum, irgendein Artefakt zu bergen bzw. eine Anlage zu zerstören oder einfach nur bis zum Ende des Levels zu laufen, um dort in einem Bosskampf einen Anführer der Grineer zu erledigen. Komplexere Aufgaben, aufwendiges Scripting oder gar dynamische Entwicklungen innerhalb einer Mission dürft ihr leider nicht erwarten. So weit, so simpel.

Zum Glück zeigt sich Digital Extremes bei den spielbaren Charakteren und den Kämpfen etwas kreativer. Die mehr als zehn verschiedenen Warframes stellen quasi das Klassensystem dar, da sie sich alle unterscheiden und mit diversen Vor- und Nachteilen jeweils einen etwas anderen Spielstil fördern. Zu Beginn habt ihr die Wahl zwischen dem ausgewogenen Excalibur, der den idealen Einsteiger-Warframe darstellt, sowie Loki und Mag. Loki setzt eher auf Defensive Fähigkeiten wie Tarnung und Ablenkung, während sich Mag vor allem auf den Angriff spezialisiert. Die übrigen Warframes könnt ihr entweder als Blaupausen finden bzw. mit InGame-Währung kaufen und später mit den passenden Materialien erschaffen, oder ihr investiert echtes Geld, um sie direkt freischalten zu können. Das gilt übrigens auch für neue Waffen und andere Ausrüstung.

Ist die Wahl des passenden Warframes abgehakt, dann kann es endlich mit dem Kämpfen losgehen. Nach einer kurzen Zwischensequenz startet ihr meist am Ausgang eines Lüftungsschachts eure Mission. Auf der Minimap könnt ihr schnell erkennen, wo euer nächstes Ziel auf euch wartet und so könnt ihr euch direkt auf den Weg machen. Die Vorgehensweise liegt dabei ganz in eurer Hand, so dass ihr euch theoretisch auch schleichend dem Ziel annähern könnt, aber das Stealth-System funktioniert leider noch alles andere als perfekt. Das führt dazu, dass die meisten Missionen sich eher in einen offenen Kleinkrieg verwandeln und man das Thema Schleichen einfach abhakt.

Glücklicherweise funktioniert das Kämpfen dafür umso besser, wodurch man die Macken des Stealth-Systems schnell vergessen hat. Um euch gegen die Truppen der Grineer zur Wehr setzen zu können, habt ihr insgesamt 3 verschiedene Waffen griffbereit. Als Hauptwaffe könnt ihr zum Beispiel ein Sturmgewehr oder eine Schrotflinte auswählen und als Nebenwaffe kommt wie gewohnt ein kleineres Kaliber in Form einer Pistole zum Einsatz. Doch ein Tenno beschränkt sich natürlich nicht nur auf simples Geballer, sondern ist auch ein Meister des Nahkampfs, der von Schwertern über Äxte bis hin zu Hämmern quasi mit jedem martialischen Mordwerkzeug umgehen kann. Am Anfang steht euch zwar nur ein riesiges Katana zur Verfügung, aber das reicht schon, um eure Gegner in mundgerechte Häppchen zu zerlegen. Im Gegensatz zu den Schusswaffen müsst ihr die Nahkampf-Waffe nicht direkt ausrüsten, sondern könnt über einen kurzen Tastendruck direkt mit Schwert und Co. zuschlagen. Dadurch fehlt dem Nahkampf zwar etwas die Tiefe, aber in Kombination mit den Knarren funktioniert der Nahkampf recht gut.

Das dritte Element der Kämpfe ist das Bewegungs-Repertoire, bei dem man sich hin und wieder an Matrix erinnert fühlt. Es gibt zwar keine Zeitlupe, aber ihr könnt an Wänden entlang laufen, meterweit über den Boden sliden oder wie Max Payne ballernd durch die Gegend springen. Das wirkt zwar nicht immer wirklich nützlich, aber dafür ist es relativ einfach. Schon nach einer kurzen Eingewöhnungszeit rennt und springt ihr durch die Levels und vollführt artistische Bewegungen, während ihr die Gegner aufs Korn nehmt.

Eure Waffen könnt ihr natürlich auch noch verbessern, indem ihr sogenannte Mods einbaut, die jeweils einen bestimmten Wert haben. Auf diese Weise könnt ihr beispielsweise das Magazin vergrößern oder den Schaden erhöhen. Die Anzahl der Slots für solche Erweiterungen ist jedoch von der Stufe eurer Ausrüstung abhängig, wodurch ihr immer etwas abwägen müsst, welche Mods ihr nun verbaut. Ein ähnliches System gibt es auch für euren Charakter, allerdings dienen die Mods hier zum Teil auch als neue Fertigkeiten, die ihr dann aktiv nutzen könnt. Damit könnt ihr dann u.a. Spezialsprünge machen, Gegner blenden oder besondere Nahkampfangriffe ausführen.


Corsual Fazit: hardCORE

Durch das unausgegorene Stealth-System und die einfältige KI fehlt es den Gefechten zwar leider etwas an Tiefe und Taktik, aber für etwas unkomplizierte Action reichen sie trotzdem. Das Potential ist also auf jeden Fall da und trotz einiger Schwächen kann man mit Warframe auch jetzt schon durchaus Spaß haben. Erwartet nur nicht zu viel Tiefgang, denn den kann euch Warframe (noch) nicht bieten.


Warframe
Pro
Ausgefallenes Setting: Sci-Fi-Ninjas!
Fette Grafik
Gut geeignet für Leute, die auf Koop-Action stehen
Viele aktive Spieler
Contra
K.I. sind ein bisschen dämlich
Vieles für Premiumwährung erhältlich
4 / 5

Über den Autor
Roberto | Redakteur

Roberto begann seine Videospiel-Karriere mit dem SEGA Mega Drive und seit seinem ersten Kontakt mit Sonic und Co. sind Videospiele ein fester Bestandteil seines Lebens. Er hat eine besondere Schwäche für die Indie-Szene und experimentelle Spiele, die sich nicht den üblichen Genre-Konventionen unterwerfen.


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