Watch Dogs – der Release zusammengefasst und kommentiert

Veröffentlicht am 30.05.2014 um 14:11 Uhr von Sascha Stieglitz

Watch Dogs ist eines der ganz großen Projekte von Ubisoft. Konnte es die Erwartungen erfüllen? Lief der Release problemlos ab? Wir fassen corsualmäßig zusammen.

Watch Dogs, bzw. WATCH_DOGS, wie man es eigentlich schreiben müsste, ist eines dieser Projekte, in denen der Hersteller, in diesem Fall Ubisoft, ein Vermögen hineininvestiert. Man kann hierbei von mindestens 50 Millionen Dollar Entwicklungskosten sprechen, die Ausgaben für Marketing kann man dann noch oben drauf rechnen.

Um zunächst einmal das Ziel eines solchen Unternehmens klarzustellen: Ubisoft möchte hier nicht einfach ein Spiel abliefern dass in einem Jahr alle Preise abräumt und dann von der Bildfläche verschwindet, sondern man möchte eine neue Kuh züchten, die sich dann über die Jahre hinweg melken lässt. Das funktioniert zunächst mit DLCs (diese waren bereits in Arbeit noch bevor das Spiel überhaupt released wurde) und später mit Fortsetzungen und Ablegern. Man kann im Grunde ziemlich genau an Assassin's Creed erkennen wohin die Reise von Watch Dogs führt.

Doch genau hier liegt für Ubisoft auch das Problem: derzeit erscheint ein neues Assassin's Creed im Jahrestakt, und der organisatorische Aufwand dafür ist enorm. Allein bei Assassin's Creed 4 – Black Flag waren 8 über der ganzen Welt verstreute Entwicklerstudios beteiligt. Und die Entwicklung solcher AAA Blockbuster wird inzukunft nur noch aufwendiger. Gut möglich also, dass Ubisoft den jährlichen Releasewahn in Zukunft so abändert, dass ein neues Assassin's Creed und ein neuer Watch Dogs Teil immer im Wechsel erscheint, denn bereits jetzt mehren sich Stimmen die von „zu viel“ Assassin's Creed genervt sind. Anderseits behauptet Ubisoft immer wieder, dass man das nur für die Fans tue, aber was soll man denn auch sonst von der PR Abteilung erwarten? Dass sie sagen „Sicher sind die Leute genervt dass wir jedes Jahr ein neues Assassin's Creed bringen, aber solange die Deppen es trotzdem kaufen ist uns das doch scheißegal!“ -Nun, das wäre mal eine abgefahrene PR Maßnahme, würde zumindest für Aufmerksamkeit sorgen.

Doch kommen wir wieder zum Release von Watch Dogs. Der Hype war ja gar nicht mehr auszuhalten, wirklich hübsche Trailer ließen Großes erhoffen, weniger hübsche Trailer trübten die Hoffnung ein wenig, doch im großen und ganzen: fast alle wollten ihre gierigen Hände an dieses erste echte Next-Gen Spiel haben. -Und jetzt stellen alle wieder mal fest: ja ok, gutes Spiel aber... „Next-Gen“? Na ja, wenn man bedenkt dass die PS4 und Xbox One im Grunde dasselbe mit ein paar mehr Haaren auf der Brust sind (insbesondere jetzt wo Microsoft Kinect endgültig aufgibt), dann ja: Next-Gen!

In der Fachpresse ist man sich relativ einig: die spielerische Abwechslung wird gelobt, die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten die alle Spaß machen und ihren Sinn haben, und generell ist der Umfang auf jeden Fall... gut. Ja, gut. Gutes Spiel.

Kritik hagelt es ein wenig für die Story und Charakterzeichnung. Mit dem Hauptcharakter könne man sich nicht wirklich identifizieren da er zu widersprüchlich sei. Einerseits ultrabrutal, anderseits voller Herz. Wer ist der Typ also? Man weiß es nicht.

Die Nebencharaktere kommen da schon etwas besser weg, doch allgemein scheint die Welt von Watch Dogs keinem eindeutigen Kanon zu unterliegen. Um das positive Gegenbeispiel zu beschreiben: in GTA 5 erkennt man an jeder Ecke, an jedem Sprite, einfach am ganzen Spiel etwas, dass man evtl.- den „Rockstar Humor“ nennen könnte. Es ist wie ein durchgängiges Gerüst da, das einen bei jedem einzelnen Schritt begleitet und unterhält.

Bei Watch Dogs im Gegenzug finden wir irgendwie mehrere dieser „Gerüste“. Einmal wirkt alles sehr ernst und furchteinflößend, das Spiel spielt mit unserer Angst vor der totalen überwachung, im nächsten Moment beobachten wir jemanden dabei, der sich ein Müsli aus menschlichen Fingern zubereitet. Man hätte sich hier entscheiden sollen: zieht man den ernsten Stil durch, dann muss man einen Kannibalen auch als eine realistische Gefahr und nicht als Side-Gag präsentieren. Oder geht man eher Richtung Humor, dann sollte man nicht so melodramatische Töne bei der Überwachungsthematik anschlagen und stattdessen auch hier die Problematik deutlich überzeichnen um so auf die Probleme und Gefahren aufmerksam zu machen. Wie GTA 5 halt.

Doch davon abgesehen, wie gesagt, gutes Spiel.

Wenn da nicht noch die Sache mit der Technik wäre. Fangen wir mal beim Schlimmsten an. Uplay. Ich wage zu behaupten, dass kaum eine Software so dermaßen verhasst ist wie uPlay. Höchstens Origin vielleicht. Ja, Origin könnte noch verhasster sein, kommt bei den Spielern halt immer darauf an, ob sie gerade ein Spiel von EA oder von Ubisoft spielen. Beides ist überflüssig, beides dient allein dem Zweck dass die Hersteller ihre Software direkt verkaufen wollen damit sie keine Prozente an Valve bzw. Steam und Co. abdrücken müssen, beides BRAUCHT KEIN MENSCH!!!

Eine weitere Gemeinsamkeit die diese beiden Programme aus der Hölle auszeichnen: immer, wenn es drauf ankommt, dann versagen sie auf ganzer Linie. Ihr erinnert euch an den Release vom neuen SimCity? Das SimCity mit Onlinezwang? Das SimCity bei dem man sich bei Origin einloggen musste um zu spielen, und Origin ständig abgekackt ist?

Tja, History repeats itself, und auch uPlay hat beim Release von Watch Dogs wieder bewiesen, dass man es am besten mitsamt Quellcode am tiefsten Punkt des Ozeans versenken sollte.

Ok, also, uPlay brach zusammen, was war noch los? Technik Probleme, Framerate Einbrüche, Vorwürfe vom AMD gegen Nvidia, die meinen Nvidia würde sie mit ihrem Entwicklertool GameWorks ausbooten.

Wie dem auch sei, viele Einbrüche lassen sich mit dem Startparameter „disablepagefilecheck“ beheben. Man darf dabei natürlich nicht mehr Vram angeben als man tatsächlich hat, sonst könnte das Spiel abstürzen.

Ansonsten hat man festgestellt, dass man tatsächlich mehr vom Spiel sieht, wenn man in einer 4:3 Auflösung spielt. Normalerweise wird heutzutage auf 16:9 Basis Entwickelt, und für die paar Steinzeitmenschen die immer noch auf einem 4:3 Monitor spielen werden dann die Seitenränder weggekürzt.

Bei Watch Dogs ist es umgedreht: am meisten sieht man, wenn man in 4:3 spielt, für 16:9 wird dann oben und unten etwas weggeschnitten. -Merkwürdig!

Alles in allem, wenn ich zu einem persönlichen Fazit komme, dann muss ich sagen bin ich sehr zufrieden! Meine größte Angst war, dass der Titel die Fehler des ersten Assassins's Creed wiederholt: man kündigt ein Feature an, das sich dann in spielerischer Hinsicht als äußerst eintönig entpuppt. Bei Watch Dogs werden einem jedoch fast zu jeder Zeit mehrere spannende Möglichkeiten geboten, und das Manko mit der Charakterzeichnung ist mir persönlich ziemlich egal. Im Gegenteil: bei einer 08/15 Story kann ich das ganze Gequatsche schön überspringen und direkt in die Action hüpfen, ohne dass ich Angst haben muss was Interessantes verpasst zu haben. Wobei: sooo schlecht ist das ja auch wieder nicht, abgesehen von der Gefühlsduselei. Ein würdiger Start für eine Serie von der wir noch sehr viel mehr hören werden!


Über den Autor
Sascha Stieglitz | Redakteur / Marketing

Stiegi hat vor vielen Jahren auf dem 386er angefangen, sich für Videopspiele zu interessieren und zockt heute auf PC genauso wie auf Konsole und Android, am liebsten wenn eine gute Story dabei erzählt wird. Als Corsuals Marketing Director ist er außerdem für den reibungslosen Ablauf von Kampagnen verantwortlich.


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